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Ruhe vor dem Sturm an Freienhufener Müllfront

Freienhufen. An der turbulenten Müllfront im Industrie- und Gewerbegebiet Freienhufen herrscht derzeit weitestgehend Ruhe. Auf beiden Müll-Schauplätzen – das brenzlige Sperrmüll-Lager von Sonne-Recycling auf der einen Seite und das geplante Bioabfall-Zentrum des Abfall entsorgungsverbandes "Schwarze Elster" auf der anderen – gibt es wenig neue Entwicklungen. ab

Für das nur 50 Meter von Freienhufens Wohnhäusern entfernte Müll-Lager steht das Kaufangebot der Stadt Großräschen. Die Seestadt will den Problem-Standort hier loswerden. Das vom Parlament abgesegnete Grundstückskaufangebot an den Betreiber Becker Umweltdienste orientiert sich am Grundstückswert. Handelseinig geworden sind sich die Stadt und das Unternehmen bisher nicht, weil die Höhe des Kaufpreises nicht den Erwartungen entspricht.

Daher wird die Anlage, wie vom Landesumweltamt unbefristet genehmigt, weiterbetrieben. Der von der Genehmigungsbehörde geforderte Bau einer neuen Lagerhalle liegt derzeit weiter auf Eis. Denn Großräschens Stadtväter haben vorsorglich über das gesamte Bebauungsgebiet eine Veränderungssperre gelegt.

Dagegen geht Becker Umweltdienste juristisch vor. Beim Oberverwaltungsgericht Berlin/Brandenburg wurde gegen die verhängte Sperre Klage eingereicht. Alles in allem spricht Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) dennoch von einem "friedlichen Waffenstillstand", der derzeit herrsche.

Einen Steinwurf davon entfernt, auf dem Gelände des Abfallentsorgungsverbandes, wird hinter den Kulissen weiter daran gearbeitet, die verbandseigene Anlage als ein Zentrum für Bioabfälle umzuprofilieren und zu erweitern. Die Anlage soll für die Kompostierung von 20 000 Tonnen Bioabfall aus dem gesamten Verbandsgebiet (Elbe Elster und südlicher Teil des Landkreises OSL) ausgelegt werden. Unterm Strich ist das eine 1,5-Millionen-Euro-Investition.

Derzeit werden dafür die Genehmigungsunterlagen erarbeitet. Das bestätigt Verbandsvorsteher Dr. Bernd Dutschmann. Im besten Falle soll im nächsten Jahr Baustart sein. Für den Erweiterungsbau ist allerdings ein Flächenzukauf von rund einem Hektar Land von der Stadt Großräschen notwendig.

Großräschens Verwaltung indes feilt gründlich an einem neuen Bebauungsplan für das gesamte Areal des Industrie- und Gewerbegebietes Freienhufen. Darin betrachtet werden Gerüche, Staub und Lärm - Faktoren, die im bisherigen Plan aus den 90er-Jahren kaum eine Rolle gespielt haben. Für die Untersuchungen hat die Stadt Großräschen ein Gutachterbüro beauftragt. Der Vorentwurf des neuen Bebauungsplanes liegt über den Sommer im Rathaus öffentlich aus. Geplant ist es, den Entwurf dann im nächsten Jahr vorzulegen.