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| 01:03 Uhr

Rütteldruck für Brückenbau

Das Geschehen am Seeauslauf sorgt im Dorf seit Wochenbeginn für gespannte Gesichter. Bauleiter Reiner Jorke von der BUL Sachsen nimmt die Beobachterblicke von der alten Straßenbrücke freilich gelassen zur Kenntnis. „Rütteldruckverdichtung ist für uns Routine“ , sagt der 52-jährige Sanierer. Von Oliver Sobe

Mitte August war bei den Gründungsarbeiten zum geplanten Neubau der Brücke das Dilemma passiert. Das Einrammen des ersten Stahlprofils in die aufgeschüttete Böschung der alten Tagebauausfahrt löste einen Erdrutsch aus und brachte die Baustelle für zwei Monate komplett zum Stillstand (die RUNDSCHAU berichtete).
Mit einem 120 Tonnen schweren Hydraulik-Seilbagger und einer Rüttlerlanze von acht Metern Länge stabilisieren die BUL-Spezialisten jetzt unterhalb der Wasserkante punktgenau den Baugrund. Bis in eine Tiefe von sechs Metern werden Schottersäulen von 60 Zentimetern Durchmesser in den labilen Seeboden „injiziert“ .
„Der Abstand zwischen zwei Säulen beträgt jeweils drei Meter. An der Rüttlerlanze ist ein Halbrohr angeschweißt, durch das der Schotter ins Erdreich gelangt“ , erläutert Bauleiter Jorke den Arbeitsprozess. Jede Bohrung „verschluckt“ dabei immense vier bis fünf Kubikmeter Gestein. Das entspreche einer Masse von etwa sieben Tonnen. Insgesamt sollen in den kommenden drei Wochen 136 Schottersäulen in den rutschungsgefährdeten Bereich eingebracht werden. Ein Ingenieurbüro begleitet die laufenden Rüttelarbeiten in Niemtsch mit modernsten Sensoren. Wenn das Erdreich erneut in Bewegung käme, könnten die Arbeiten nach den Worten von Bauleiter Jorke somit sofort eingestellt werden.
„Parallel dokumentieren wir auch mögliche Schäden an den ufernahen Wohngebäuden am Seeauslauf und kontrollieren die Standsicherheit der alten Brücke“ , sagt Kathy Sommer vom zuständigen Ingenieurbüro für Umweltgeotechnik und Grundbau in Senftenberg. Fest steht bereits, dass der einst auf 650 000 Euro taxierte Brückenneubau samt begleitendem Radweg um 160 000 Euro teurer wird. Drei Viertel der Baukosten trägt Potsdam, 25 Prozent der Landkreis.