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| 16:13 Uhr

Zurück in die Lausitz
Familie zieht die Rückkehrer an

Enrico Pölchen will endlich wieder zurück zu seiner Familie nach Lauchhammer. Bei der Jobsuche während des Rückkehrertages im Kulturhaus der BASF in Schwarzheide am Mittwoch lässt sich der 48-Jährige gemeinsam mit seiner Frau beraten.
Enrico Pölchen will endlich wieder zurück zu seiner Familie nach Lauchhammer. Bei der Jobsuche während des Rückkehrertages im Kulturhaus der BASF in Schwarzheide am Mittwoch lässt sich der 48-Jährige gemeinsam mit seiner Frau beraten. FOTO: Jan Augustin / LR
Schwarzheide. Sie wanderten einst aus, um Arbeit zu finden. Jetzt wollen sie wieder zurück in ihre Heimat: Etwa 200 potenzielle Rückkehrer informierten sich am Mittwoch in Schwarzheide über Jobs in der Lausitz.

Ein Sturz über zwei Etagen in den Keller eines Rohbaus kostet dem Zimmerermeister Enrico Pölchen vor gut zehn Jahren fast das Leben. Es dauert lange, bis er wieder richtig laufen kann. Den gefährlichen Job in luftiger Höhe kann er nicht mehr ausüben. Enrico Pölchen braucht Arbeit, die er damals nicht findet in der Lausitz. Dafür aber 2008 in Holland. Er qualifiziert sich weiter, ist mittlerweile auch technischer Betriebswirt und Holztechniker. Der Lausitzer Akzent ist verschwunden. Hochdeutsch bis Holländisch mischen sich miteinander. In der Nähe von Rotterdam hat er eine kleine Wohnung. Der in Lauchhammer aufgewachsene Enrico Pölchen ist bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt. Das Unternehmen, für das er gerade arbeitet, stellt Container für Gemeinden, Schulen und Krankenhäuser her. Der Job ist gut bezahlt. Seine Familie aber sieht er höchstens alle zwei Wochen. 850 Kilometer trennen ihn von seiner Frau, den mittlerweile erwachsenen Kindern und den Eltern. Das soll nun ein Ende haben.

Am Mittwochvormittag sind die Pölchens um Punkt zehn eine der ersten, die in das Kulturhaus der BASF eintreten, um einen Job in der Lausitz zu finden. Über den Tag verteilt kommen mehr als 200 potenzielle Rückkehrer zu der vom Regionalen Wachstumskern Westlausitz organisierten Jobbörse. 30 Aussteller werben um die Gunst der möglichen neuen Arbeitnehmer. Allein die Arbeitsagentur bietet 700 Jobangebote an. Im gesamten Agenturbezirk Cottbus gibt es derzeit sogar 5500 offene Stellen, sagt Teamleiterin Heike Kuhl. „Wir können einen deutlichen Ausstellerzuwachs in diesem Jahr verzeichnen, das deutet auf eine gute Wirtschaftslage in unserer Region hin“, sagt sie zufrieden. Das ist auch Gastgeber und Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos): „Wir freuen uns über einen sehr erfolgreichen Rückkehrertag in Schwarzheide. Neben mehr Besuchern konnten in diesem Jahr auch mehr Aussteller akquiriert werden, was die Qualität und Attraktivität der Veranstaltung deutlich gesteigert hat.“

Enrico Pölchen klingt zuversichtlich, nachdem er mit seiner Frau alle Angebote abgeklappert hat. „Ich habe viele interessante und positive Sachen gehört. Auch als Quereinsteiger anzufangen, wäre eine Option“, sagt er. Na klar, mit der Arbeit müsse er Geld verdienen. „Ich muss aber auch Spaß an der Sache haben“, sagt der 48-Jährige. Druck, schnell einen neuen Arbeitgeber finden zu müssen, verspürt er nicht. Sobald sich aber etwas ergibt, will er zurückkommen.

An diesem Donnerstag findet in Finsterwalde von 10 bis 15 Uhr ein weiterer Rückkehrertag im Atrium statt.