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Rosi packt ihren Koffer

Rosemarie Herrmann schließt diese Woche ihren Friseursalon im Senftenberger Bahnhof.
Rosemarie Herrmann schließt diese Woche ihren Friseursalon im Senftenberger Bahnhof. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. Nach 36 Jahren Jahren geht im Senftenberger Bahnhofsgebäude eine Ära zu Ende. Friseurin Rosemarie Herrmann aus Lampertswalde bedient am Donnerstag ihre letzten Kunden. Manfred Feller

Dann schließt sie ihren kleinen Salon. Eine Nachfolgerin gibt es nicht. Damit ist auch das letzte Geschäft in dem zum Verkauf stehenden Haus dicht.

"Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge", sagt die 68-Jährige. Nach Jahrzehnten im Beruf spiele die Gesundheit nicht mehr mit. "Meine Kundschaft war wie meine Familie. Es tut so weh, dass sich die älteren Leute einen neuen Friseur suchen müssen", sagt sie. Viele von denen kennt sie seit Jahrzehnten. Aber auch zunehmend junge Leute seien gekommen.

Dabei sieht es momentan in dem Minisalon eher nach Feiern aus. Überall Blumen der dankbaren Kundschaft und viele Süßigkeiten. Rosemarie Herrmann kennt zahllose Lebensgeschichten. Nicht wenige schütteten ihr das Herz auf dem Friseurstuhl aus. Sie war oft Ratgeberin und Seelentrösterin. "Das verbindet unheimlich", verdrückt die angehende Ruheständlerin mit ihren Kunden die eine oder andere Träne des Abschieds.

Die gewonnene Freizeit möchte Rosi, wie sie von vielen genannt wird, mit Ehemann Dietmar für Fahrradtouren im flachen Seenland nutzen, eine Flussschifffahrt unternehmen, in Moskau Freunde besuchen und sich noch mehr um Enkeltochter Heidi kümmern.