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| 11:00 Uhr

RUNDSCHAU-Serie Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz
Ganzer Stolz einer engagierten Lindenauerin

 In „ihrem“ Lindenau genießt Rosemarie  Hänel das Miteinander in drei Gemeinschaften: Die private Familie, die Dorfgemeinschaft und der Heimatverein, den sie seit seiner Gründung vor 25 Jahren leitet. Domizil des Vereins ist das historische Torhaus vor dem Lindenauer Schloss- und Parkensemble.
In „ihrem“ Lindenau genießt Rosemarie Hänel das Miteinander in drei Gemeinschaften: Die private Familie, die Dorfgemeinschaft und der Heimatverein, den sie seit seiner Gründung vor 25 Jahren leitet. Domizil des Vereins ist das historische Torhaus vor dem Lindenauer Schloss- und Parkensemble. FOTO: Uwe Hegewald
Lindenau. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Rosemarie Hänel (Lindenau). Von Uwe Hegewald

Die Lindenauer Türme von Kirche, Schloss und Torhaus übereinandergestellt reichen nicht, um den Stolz anzuzeigen, den Rosemarie Hänel für ihre Angehörigen empfindet. Die Familie des Sohnes wohnt mit der Lindenauerin auf einem Grundstück und die Tochter samt Familie in Großkmehlen nur wenige Kilometer entfernt.

„Der Luxus, die Familie um sich zu wissen, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Gerade ältere Leute werden wissen, wovon ich rede“, fasst sie zusammen.

Und nicht nur Ältere, wie sie am Beispiel ihres Enkelsohns Richard (21) verdeutlicht. In Koblenz studierend, zieht es ihn immer wieder in sein früheres Heimatdorf. Ein besonderer Augenblick sei das gemeinsame Frühstück mit allen Familienangehörigen bei Oma Rosel. Eine zufriedene Großmutter: Tessa und Leonhard (19) absolvieren eine Ausbildung in Dresden, die aufgeweckte Anne (15) erweist sich bereits als kleine Autorin und Ella (13) hat das Singen für sich entdeckt.

Ella Hänel? Richtig. Beim 56. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Halle sang sich die 13-Jährige in der Kategorie „Pop“ in ihrer Altersgruppe auf Platz 1 und das auch noch mit der Maximal-Punktzahl. Erste Auftritte hatte das Nachwuchstalent bei Schulkonzerten und Mini-Playback-Shows beim legendären Lindenauer Parkfest. Das wird ährlich zum Pfingstfest veranstaltet, wenn sich der Lindenauer Schlosspark von seiner botanisch schönsten Seite zeigt.

Zeitnah zum Fest wird auch immer eine Linde gepflanzt – der Charakterbaum und Namensgeber von Lindenau. „Es gibt immer wieder Mitbürger, die Pflanzstandorte benennen und die Bäume im Nachhinein auch pflegen“, lobt Rosemarie Hänel die anhaltenden Baumpatenschaften.

Überhaupt bricht sie die sprichwörtliche Lanze für „ihr“ Dorf, das sie mit einer großen Familie vergleicht. „Lindenauer sind schnell für positive Sachen zu begeistern“, erklärt sie am Beispiel des „Lebenden Adventskalenders“. Privatpersonen öffnen wochentags ihre Grundstücke oder Höfe, reichen Gebäck und wärmende Getränke, bitten ans Lagerfeuer oder laden zum kollektiven Basteln ein. „Den Höhepunkt bildet das gemeinsame Singen von Advents- und Weihnachtsliedern. Zum Ende der Adventszeit und rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest sind dann wieder alle textsicher“, so Rosemarie Hänel, die eine lokale Dynamik der begehbaren Adventskalender festgestellt hat. Waren die Organisatoren in den Anfangsjahren noch an Mitbewohner mit der Bitte herangetreten: „Könntet ihr euch vorstellen, uns an einem Abend zu empfangen?“, fragen Ausrichter heute: „Könntet ihr euch vorstellen, uns an einem Abend wieder zu besuchen?“

Nur so funktioniere ein harmonisches Dorf- und Vereinsleben, so der Lindenauer Familienmensch, der die Liste von Helfern beliebig fortsetzen könnte. Stellvertretend nennt sie Uta und Uwe Hühne, die sich um die Bibliothek und das vereinseigene Uhrenmuseum kümmern, die „guten Seelen“ Christel Stolpe, Waltraud Radeck, Christine Bomsdorf sowie das rastlose Ehepaar Renate und Rudolf Kupfer.

Zu bewährten Gemeinschaftsprojekten haben sich die Sonderausstellungen zu Pfingsten und zu Weihnachten herauskristallisiert, an denen sich Kita, Kirche, Vereine oder Interessengruppen beteiligen. „Wir brauchen nur noch das Thema vorgeben“, sagt Rosemarie Hänel. Mit „wir“ meint sie den Heimatverein, den sie seit seiner Gründung vor 25 Jahren leitet.

Nach der eigenen Familie und der Dorfgemeinschaft ist der Verein die dritte Familie, in der sie  Mitglied ist. Das Vereinsdomizil befindet sich im 1993 rekonstruierten Torhaus, ein öffentliches Gebäude, zu dem die Lindenauerin einen besonderen Bezug hat. „In dem Haus, wo sich heute auch die Montagsmaler und die Landfrauen treffen, bin ich noch zur Schule gegangen“, berichtet sie. Als „eingeschworene Truppe“ charakterisiert die ehemalige Lindenauer Bürgermeisterin den Heimatverein mit der Schaltzentrale Torhaus. Dort würden Erfahrungen ausgetauscht, Ideen angeschoben, das integrierte Museum und Geselligkeit gepflegt und Veranstaltungen vorbereitet, wie das jährliche Pfingstfest.

Zum 64. Mal ist dieses durchgeführt worden, wobei sich die Organisatoren immer um ein unterhaltsames wie anspruchsvolles Programm bemühen. „Wir hatten auch schon die echte Helene Fischer zu Gast. Damals aber noch nicht international bekannt und für eine moderate Gage zu haben“, schwelgt Rosemarie Hänel in Erinnerungen. Und da ist dann wieder die unverkennbare Familienmensch-Perspektive. Lindenau als Sprungbrett für eine große Künstlerkarriere. Die Entwicklung ihrer Enkelkinder verfolgt sie daher mit Freude und Stolz – größer als alle aufeinandergestellten Türme in der beschaulichen Gemeinde in der Oberlausitz.

 In „ihrem“ Lindenau genießt Rosemarie  Hänel das Miteinander in drei Gemeinschaften: Die private Familie, die Dorfgemeinschaft und der Heimatverein, den sie seit seiner Gründung vor 25 Jahren leitet. Domizil des Vereins ist das historische Torhaus vor dem Lindenauer Schloss- und Parkensemble.
In „ihrem“ Lindenau genießt Rosemarie  Hänel das Miteinander in drei Gemeinschaften: Die private Familie, die Dorfgemeinschaft und der Heimatverein, den sie seit seiner Gründung vor 25 Jahren leitet. Domizil des Vereins ist das historische Torhaus vor dem Lindenauer Schloss- und Parkensemble. FOTO: Uwe Hegewald