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Rollende Kieselsteine und feste Bande

Vereinsvorsitzende Claudia Mai und Ortsvorsteher Siegmar Feldheim sind in Krimnitz die ersten Ansprechpartner, wenn es um dörfliche Belange geht. Als eines der Juwelen im Ort benennen sie das 2013 eingeweihte Multifunktionsgebäude mit angrenzendem Sport- und Festplatz.
Vereinsvorsitzende Claudia Mai und Ortsvorsteher Siegmar Feldheim sind in Krimnitz die ersten Ansprechpartner, wenn es um dörfliche Belange geht. Als eines der Juwelen im Ort benennen sie das 2013 eingeweihte Multifunktionsgebäude mit angrenzendem Sport- und Festplatz. FOTO: Uwe Hegewald/UHD1
Krimnitz. Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Altnau. Uwe Hegewald

(uhd1) Ein zünftiges Dorffest ist zu Pfingsten in Krimnitz über die Bühne gegangen. Leute, die auf dem Lande wohnen und solche Veranstaltungen stemmen, wissen um den Kraftaufwand hinter diesen Festen. Wer backt Kuchen? Wer schreibt sich in die Listen für das Personal ein, das an den Kassen oder hinter den Tresen benötigt wird? Wer löst die Krimnitzer Frauen ab, wenn die ihr Sketche-Programm aufführen? Und wer begleitet die Kutsche mit den Blasmusikanten, die durchs Dorf rollt und jenen Höfen ein Ständchen bringt, wo es im zurückliegenden Jahr ein Jubiläum zu feiern gab?

Ortsvorsteher Siegmar Feldheim kennt Antworten auf die Fragen: "Nichts kommt von allein. Es stehen Menschen dahinter und es gibt ein fruchtbares Miteinander", erklärt er die schlüssige Dorf-Philosophie. Charakteristisch seien das generationsübergreifende Handeln sowie das einträgliche Miteinander von Ureinwohnern und Hinzugezogenen. Stellvertretend nennt er Claudia Mai, Vorsitzende des 2005 gegründeten Krimnitzer Kultur- und Traditionsvereins.

Ein Kompromiss führte dazu, dass sie 2001 im Dorf sesshaft wurde. "Wir waren auf der Suche nach einem kleineren Baugrundstück, wo uns aber auch kein Nachbar beim Frühstück auf die Teller blicken kann. In Krimnitz sind wir fündig geworden", erzählt sie. Auch hielt Claudia Mai ihr Versprechen, sich nicht isolieren zu wollen. Ehemann Bernd und Töchterchen Annabell haben sich schnell mit der Situation arrangiert, dass die gute Seele des Hauses regelmäßig für dörfliche Belange unterwegs ist. Denn es sind zahlreiche Veranstaltungen, die der Kultur- und Traditionsverein das Jahr über organisiert und durchführt - viele davon im Schulterschluss mit der Löschgruppe der Feuerwehr Krimnitz. Weihnachtsbaumbrennen, Zampern und Eierkuchenessen, Osterfeuer, das Dorf- und anschließende Kinderfest zählt Claudia Mai auf.

Als großer Vorteil erweist sich, dass Krimnitz seit August 2013 ein multifunktionelles Gemeinschaftshaus besitzt. Auf rund 240 000 Euro beliefen sich die Investitionen für das Objekt, in dem die Feuerwehr stationiert ist, sich Vereinsmitglieder treffen, Krimnitzer Frauen mittwochs Bauch, Beine, Po in Form halten und Dorf- und Familienfeste stattfinden.

Durch Foto-Collagen, die Ortschronist Horst Bortz jährlich gestaltet und im Saal platziert, bleiben besondere Dorf-Momente unvergessen. Wie auch die Erinnerungen an rauschende Feste in der Lindengaststätte. Trotz des schmucken Gemeindehauses werden die Dorfbewohner ihre beliebte Lindengaststätte nicht vergessen. Siegmar Feldheim und Claudia Mai wissen von der Atmosphäre im Wirtshaus zu berichten, in dem Marianne Scheibe die Speisen noch auf einem klassischen Kohleofen zubereitet hat.

Inzwischen hat die Wirtin das Traditionsgasthaus aus Altersgründen verkauft. Im "Kieselstein" an der L 49, die Lübbenau und Lübben verbindet, wird dafür gesorgt, dass Dorfbewohner wie Besucher weiterhin an gedeckten Tischen Platz nehmen können. "Zur Senioren-Weihnachtsfeier platzt das Gasthaus nahezu aus den Nähten", erzählt Claudia Mai und verrät auch die Erfolgsformel: kulinarische Umrahmung plus kleine Präsente plus Auftritt der Enkelkinder. Kieselstein gilt als Ableitung vom niedersorbischen Kemjeñ, der Namensgrundform von Krimnitz.

Etwas mehr als Kieselsteine ins Rollen bringen die Dorfbewohner beim jährlichen Frühjahrsputz. "Mit 40 bis 50 Leuten haben wir eine extrem starke Beteiligung", würdigt die Vereinsvorsitzende. Das beweise, dass Mitbewohner neben dem Feiern auch tüchtig zupacken können und allen ein gefälliges Dorfbild am Herzen liegt. Das traditionelle Zerkwitzer Osterreiten macht in der Lindenstraße Station, für das die Krimnitzer den traditionellen Osterbogen flechten.

Im Dorf wünscht man sich, dass Traditionen erhalten bleiben. "Das setzt jedoch voraus, dass junge Leute herangezogen werden und diese die Bereitschaft entwickeln, sich einzubringen. Zu Pfingsten klappt das schon ausgezeichnet", sagt Claudia Mai. Dann ziehe die Jugend in den Wald, schlage junge Birken und bringe diese zu den Leuten ins Dorf, die damit ihre Höfe oder Grundstücke schmücken. Krimnitz gilt als nordwestliches Tor zur Kernstadt Lübbenau. Ohne unermüdliche Helfer wie Gernot Huth und Mario Hirte, die den Rasen mähen oder Winterdienst schieben, würden öffentliche Flächen Attraktivität und Sicherheit verlieren, stellt Siegmar Feldheim klar. Die Namensliste könnte der Ortsvorsteher aus dem Effeff um die Namen Peting, Leder, Lehmann und weitere ergänzen. Angeführt werde diese aber von Claudia May. "Sie ist ein bisschen mit dem Dorf verheiratet", verrät er mit einem Augenzwinkern.

Ein Dossier zur Serie Hallo Nachbar finden Sie unter www.lr-online.de/hallo-nachbar

Zum Thema:
In Krimnitz leben derzeit 202 Einwohner (Stand 1. Juni), davon 104 Frauen und 98 Männer. 1971, drei Jahre vor der Eingemeindung nach Lübbenau (1974), waren es nur 170 Bewohner. Höchststand datiert 1875 (Beginn der Aufzeichnungen zur Bevölkerungsentwicklung) mit 255 Personen. Zum Kreis der bekanntesten Krimnitzer dürfte Frank Kaerger zählen. Am 10. November 2007 wurde er in New York Weltmeister im Natural Bodybuilding (Leichtgewichtsklasse).