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| 16:34 Uhr

Lausitzer Heimatgeschichte
Lausitzer Tonbränden auf der Spur

 Hobbyforscher Dieter Schwarz präsentiert hier echtes Erdbrandgestein. Dieser stammt allerdings nicht aus dem Römerkeller, sondern aus Nordböhmen.
Hobbyforscher Dieter Schwarz präsentiert hier echtes Erdbrandgestein. Dieser stammt allerdings nicht aus dem Römerkeller, sondern aus Nordböhmen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Kostebrau/Senftenberg. Ein besonderes Gestein zieht den Hobby-Geologen Dr. Dieter Schwarz in den Bann. Der ehemalige Senftenberger interessiert sich für Erdbrandgesteine in der Niederlausitz. Er erforscht, ob diese etwas mit der Ur-Elbe zu tun haben könnten. Von Torsten Richter-Zippack

Der Römerkeller zwischen Kostebrau und Kleinleipisch an den ehemaligen Ochsenbergen muss einst ein mysteriöser Ort gewesen sein. Ziegelrot gebrannter Ton in Verbindung mit darunter befindlichen unterirdischen Gängen und kellerartigen Hohlräumen hat schon viele Archäologen und Geologen interessiert. Allerdings: Die namensgebenden alten Römer haben die Lausitz niemals erreicht. Ebenso handelt es sich nicht um ein prähistorisches Schanzensystem, wie manche Forscher im 19. Jahrhundert vermuteten. „Das Phänomen Römerkeller ist ohne Zutun des Menschen durch die Natur geschaffen worden“, sagt Dieter Schwarz. Den Cottbuser Hobby-Geologen, der in Senftenberg das Abitur ablegte, interessiert in jüngster Zeit das Mysterium Römerkeller, insbesondere die dort vorkommenden Erdbrandgesteine. Das relativ leichte, verschiedenfarbige Material lässt nicht selten winzige Öffnungen erkennen, durch die sich einst Pflanzenwurzeln ihren Weg bahnten.

Seit Jahren beschäftigt sich Schwarz und einige Wissenschaftler der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden mit Elbgeröllen. Das sind Gesteine, die durch die Elbe in ihrer 15 Millionen Jahre langen Geschichte nach Norden und damit auch in die Lausitz gerollt wurden. Vereinzelt wurden dabei auch Erdbrandgesteine gefunden. Damit rückte der Römerkeller in das Blickfeld.

Wie Ton mehrere Meter unter der Erdoberfläche brennen kann? „Auch ein natürlicher Prozess“, erklärt Dieter Schwarz, der einst hauptberuflich in Cottbus als Zahnarzt praktizierte. Denn unter dem Römerkeller-Ton befand sich Braunkohle des ersten Lausitzer Flözes, die sich im Kontakt mit Luftsauerstoff selbst entzündete. Der in der Deckschicht befindliche Ton wurde durch die bis zu 1400 Grad hohen Temperaturen gefrittet, wie die Fachleute sagen, also gebrannt. Die darunter brennende Kohle verwandelte sich in Asche. Vereinzelt blieben unterirdische Hohlräume erhalten, die beizeiten die Fantasie der Menschen anregten. Der Römerkeller gilt letztlich als seltene geologische Bildung, denn normalerweise brechen diese Höhlen meist zusammen. Insbesondere geht der Hobby-Wissenschaftler der Frage nach, ob die Ur-Elbe die Erdbrandgesteine in die Niederlausitz transportiert hat.  Aus Nordböhmen könnte der Senftenberger Elbelauf Erdbrandgesteine mitgeführt haben. Schließlich gibt es dort bis heute Braunkohlevorkommen. Unzählige Erdbrandgesteine wurden gefunden.

Allerdings scheint sich diese Hypothese nicht zu bewahrheiten. Der mögliche Grund: „Der Senftenberger Elbelauf ist wesentlich älter als die Bildung der Erdbrandgesteine“, erklärt Dieter Schwarz. Vor einiger Zeit war der Hobby-Geologe in der Kiesgrube Buchwäldchen bei Calau auf ein Exemplar von Erdbrandstein gestoßen. „Es ist wahrscheinlich durch Schmelzwasser aus dem Raum Kostebrau/Bergheide dorthin gelangt. Mit der alten Elbe dürfte es jedenfalls nichts zu tun haben.“

Im Römerkeller kann Dieter Schwarz nicht mehr suchen. Das Gebiet wurde Anfang der 1980er-Jahre abgebaggert. Den eigentlichen Römerkeller hatte bereits 20 Jahre zuvor der Tagebau Kleinleipisch in Anspruch genommen. „Leider habe ich die dortigen Geländeformationen nicht mehr mit eigenen Augen betrachten können“, bedauert der heute 76-Jährige. Immerhin wurde vor der Devastierung einiges an Material aus unmittelbarer Nähe gesammelt und archiviert, das heute für Forschungen zur Verfügung steht.

Gemeinsam mit dem Dresdner Gesteinskundler Prof. Jan Michael Lange will Dieter Schwarz sein Wissen in einem Nachschlagewerk niederschreiben. „Bislang gibt es eine Vielzahl bebilderter Bestimmungsbücher über die nordischen Geschiebe. Doch über das Flussgeröll aus dem Süden sucht man vergeblich eine derartige Publikation“, begründet der Co-Autor. Wann das Werk erscheint, sei bislang noch unklar.

Der Zahnarzt im Ruhestand ist bereits seit Kindesbeinen den Gesteinen auf der Spur. „Bei einem Fahrradausflug im Jahr 1953 habe ich in der Kiesgrube Betten bei Finsterwalde meinen ersten Achat gefunden“, berichtet der 76-Jährige. Achate sind eine Varietät des Minerals Quarz. Über Jahrzehnte entstand eine sehr umfangreiche Gesteinssammlung. „Bei Nummer 5000 habe ich mit dem Nummerieren aufgehört“, sagt Dieter Schwarz. Selbstverständlich gehören auch Erdbrandsteine zur Sammlung. „Es erstaunt mich immer wieder, wozu die Natur so fähig ist und wie sie als Form- und Farbgestalter unser ästhetisches Empfinden anspricht“, kommentiert der Cottbuser.

 Hobbyforscher Dieter Schwarz präsentiert hier einen echten Erdbrandstein. Dieser stammt allerdings nicht aus dem Römerkeller, sondern aus Nordböhmen.
Hobbyforscher Dieter Schwarz präsentiert hier einen echten Erdbrandstein. Dieser stammt allerdings nicht aus dem Römerkeller, sondern aus Nordböhmen. FOTO: Torsten Richter-Zippack