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| 17:10 Uhr

Riesenflügel auf Reisen

Der erste 67 Meter lange Flügel verlässt das Vestas-Werk in Lauchhammer. Nach drei Stunden Fahrt erreichte der Transport sein Ziel im Windpark Lieskau (Elbe-Elster).
Der erste 67 Meter lange Flügel verlässt das Vestas-Werk in Lauchhammer. Nach drei Stunden Fahrt erreichte der Transport sein Ziel im Windpark Lieskau (Elbe-Elster). FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer/Lieskau. Die ersten 67 Meter langen Rotorblätter aus dem Vestas-Werk Lauchhammer haben über Nacht den Hof verlassen. Am Freitag kamen sie in Lieskau an. Mirko Sattler und Jan Augustin

Neue Ära im Vestas-Werk: Außer den 57 Meter langen Rotorblättern verlassen ab sofort auch zehn Meter längere Flügel den Betrieb. Für die Logistiker ist das eine Herausforderung. "Mit unseren neuen Flügeln können wir die Anschlussstelle Ruhland der A 13 aufgrund der Enge nicht mehr nutzen. Um die Flügel dennoch über die Autobahn verschicken zu können, nutzen wir nun die Anschlussstelle Schwarzheide", erläutert Logistikleiter Rajko Reinhold. Mit dem ersten Transport in der Nacht zu Freitag hat es in der Lausitz sogar eine Weltpremiere gegeben: "Mit unseren Flügeln wird die erste V 136-Anlage ausgerüstet, die weltweit aus einer Serienproduktion stammt", so Reinhold.

Für den Transport ins benachbarte Lieskau bei Finsterwalde sind zwei Stunden angesetzt. Doch bevor es losgeht, vergeht noch einmal Zeit. "Die Fahrer müssen ihre elf Stunden Ruhe einhalten. Zweimal in der Woche dürfen sie diese Zeit auf neun Stunden verkürzen. Bevor diese Zeit nicht verstrichen ist, geht es hier nicht los", erläutert Dieter Adam vom Verkehrsdienst des Polizeipräsidiums Süd. "Wir rechnen mit einer Abfahrt so gegen 23 Uhr", sagt der Polizeihauptmeister, der die Schwerlasttransporter in Augenschein nimmt, während die Fahrer noch in ihren Kabinen schlafen. Unterstützt wird er von einem Kollegen und vom Transportkoordinator Helge Christiansen.

23.15 Uhr setzt sich der erste Transport in Bewegung. Mit teilweise 20 Kilometern in der Stunde rollt der lange Laster zur Bundesstraße 169. Durch den seitlichen Anbau einer Spur kommen die Transporter dann gut auf die Strecke. Fahrer Jörn Gammelgoard meistert das gekonnt. "Für mich ist es eine kleine Premiere und bin ein klein wenig aufgeregt. Ändern wird sich für mich nicht viel. Nur durch die zehn Meter längeren Flügel muss ich mehr lenken", erzählt der 49-jährige Däne. Nach einer Dreiviertelstunde erreicht der Transport die Behelfsstraße neben der Ampelkreuzung. Jan Hohm und Marco Schwede von der Firma Top aus Lohmen bilden das Vorauskommando. "Wir müssen warten, bis die Polizei da ist, dann können wir weiter zum nächsten Hindernis. Rund 40 Verkehrszeichen müssen wir hier auf der Strecke umlegen, damit der Flügeltransport gut abbiegen kann", erzählt der 47-jährige Marco Schwede. Manche Absperrungen seien nicht gut gewählt. Als Beispiel nennen die beiden Schilderdienstler die Absperrschranken an der Ampelkreuzung Ruhland/Schwarzheide. Diese sind teilweise im Erdboden verschraubt und müssen bei jedem Transport von zwei Mann abgeschraubt werden. "Besser wäre", so die beiden Schilderdienstler, "wenn für die dritte Schranke eine Kette verwendet würde".

Dank der gelenkten Achse am Trailer meistern die Schwerlastfahrer so manche Engstellen. Sogar die kurvenreichen Durchfahrten in Saalhausen und in Wormlage sind kein Problem. Um zwei Uhr am Freitag biegt das erste Fahrzeug in Lieskau auf die mit Aluplatten ausgelegte Behelfsstraße ab. Vom Ortseingang geht es nochmals eine halbe Stunde im Schneckentempo zum Aufstellort. Für die gut 35 Kilometer lange Strecke werden am Ende drei Stunden benötigt.

"Der Ausbau bis zur Anschlussstelle Schwarzheide ist zunächst temporär vorgesehen für alle V 136-Projekte bis Mai 2018", teilt Vestas-Sprecherin Christina Buttler auf Nachfrage mit. Die Kosten für den temporären Ausbau trage ihr Unternehmen.

Der Hafen in Mühlberg spielt in der Transport-Strategie von Vestas offenbar keine Rolle mehr. "Der Hafen Mühlberg ist für Vestas derzeit keine Option mehr, da unsere neuen innovativen Blätter deutlich länger sind als ihre Vorgängermodelle. Hierfür sind die Kapazitäten des Mühlberger Hafens nicht ausgelegt, sodass eine Nutzung für den Transport durch Vestas aus heutiger Sicht unwahrscheinlich erscheint", erklärt Christina Buttler. Zudem seien die Kosten für den Transport auf der Straße derzeit im Vergleich zum Schiffstransport so viel niedriger, dass auch aus Kostensicht keine Wettbewerbsfähigkeit bestünde.