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| 16:23 Uhr

Freiwillige Feuerwehr
Riesenbrände und zwei Dutzend Blitzeinschläge

Foto: Mirko Sattler/ Die Alterskameraden Georg Rentsch ( 78), Jürgen Kuhn ( 72) und  Horst Günther (89, re) erklären den Jugendfeuerwehrkameraden Leon Kittler, Florian Stahr und Dennis Nowak die alte Feuerlöschtechnik. Foto: Mirko Sattler
Foto: Mirko Sattler/ Die Alterskameraden Georg Rentsch ( 78), Jürgen Kuhn ( 72) und Horst Günther (89, re) erklären den Jugendfeuerwehrkameraden Leon Kittler, Florian Stahr und Dennis Nowak die alte Feuerlöschtechnik. Foto: Mirko Sattler FOTO: Mirko Sattler
Frauendorf. Ein Blick zurück und einer nach vorn: Die Freiwillige Feuerwehr Frauendorf besteht seit 110 Jahren.

Vor 110 Jahren, am 8. März,  gründeten Einwohner der Gemeinde Frauendorf ihre Feuerwehr: Grund zur Zusammenkunft und Feier. Im Rahmen des Kreisjugendfeuerwehrtages am vergangenen Wochenende schauten auch Alterskameraden bei den Nachwuchsfeuerwehrmännern vorbei und plauderten aus ihrer Vergangenheit.  

Wie stand es eigentlich im Zweiten Weltkrieg um die Feuerwehr? Viele Väter und Brüder sind gefallen oder in Gefangenschaft gekommen. Für die Feuerwehr im Ort waren keine geeigneten Mitglieder mehr da. „Nach dem Krieg musste die Feuerwehr neu aufgestellt werden. Da die Älteren nicht mehr da waren, mussten wir 17- bis 18-Jährigen ran. Wir trafen uns einmal monatlich zu einer Versammlung“, erinnert sich Horst Günther, der vor 72 Jahren in die Feuerwehr eingetreten ist. Als ausgebildeter Kaufmann übernahm der heutige Löschmeister die Geschicke der damaligen  Wehr als Schriftführer. Horst Günther kann sich noch gut an die erste Pumpentechnik erinnern. „Angefangen haben wir mit einer Handdruckspritze, die von Pferden gezogen oder von unseren Kameraden geschoben wurde. Später kam dann ein Tragkraftspritzenanhänger hinzu, der wiederum von Pferden gezogen oder von uns geschoben wurde“, so Günther weiter.

1960 ist Jürgen Kuhn, damals war er 15, in die Feuerwehr Frauendorf eingetreten. Als er 1967 von seinem Armeedienst zurückkam, war die Feuerwehr fast am Boden. „Wir hatten nur noch 40 Mitglieder. Es wurde sogar darüber nachgedacht, eine Pflichtfeuerwehr einzurichten“, sagt der 1. Hauptbrandmeister, der ab  1968 die Geschicke der Wehr als Wehrleiter übernahm. 36 Jahre lang bekleidete er diesen Posten und baute die Wehr schnell auf.

Wegen der nahen Bahnlinie mit dem damaligen Dampflokbetrieb wurde die Frauendorfer Wehr öfter in den nach eigenen Aussagen größten zusammenhängenden Wald des Altkreises Senftenberg gerufen. „Es gab Zeiten, da brannte es bis zu elf Mal in einer Woche. Anfang der 60er-Jahre gab es zwei große Brände bei uns, die von Ruhland bis Lauchhammer gingen. Ich glaube, es standen dabei  über 700 Hektar Wald in Flammen. Wir waren dann bis zu drei Wochen am Stück am  Löschen“, sagt der ehemalige Wehrleiter Kuhn. Doch nicht nur Waldbrände waren an der Tagesordnung. „In den 60er-Jahren schlug der Blitz bei uns in Frauendorf öfter ein. Insgesamt an die 20 Mal, wobei pro Jahr bis zu zwei Blitzeinschläge in Häusern zu verzeichnen waren. Unsere Löschtechnik mussten wir teils sogar zu den Einsatzorten schieben“, erinnert sich Horst Günther.

Seit zwölf Jahren ist Leon Kittler in der Wehr. „Bei uns ist es Familientradition, in der Wehr zu sein. Bisher habe ich es nicht bereut. Man kann viel bei der Feuerwehr erleben und es macht Spaß“, so der 16-Jährige, der nun in den aktiven Dienst eingearbeitet wird. Sein erster Einsatz kam sehr überraschend. „Es war im Herbst letzten Jahres früh um sechs, als die Sirene zum Einsatz rief.  Auf einem matschigen Untergrund brannte ein Strohballen“, kann sich der zukünftige Anlagenmechaniker an den Einsatz erinnern. Bisher war er bei drei Einsätzen dabei und seine freie Zeit opfert er gern für die Feuerwehr. So möchte er in naher Zukunft die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger machen genau wie die Ausbildung zum Maschinisten.

Heute hat die Frauendorfer Wehr 53 Mitglieder, wovon 24 aktive Kameraden, fünf Jugendliche, vier Frauen und der Rest Alterskameraden sind. Nach Aussage von Ortswehrführer Patrik Stahr läuft alles vorbildlich. Durch die Wetterveränderung hat sich auch das Einsatzspektrum der Wehr verändert. „Im Durchschnitt müssen wir im Jahr bis zu 20 Mal raus. Waren es früher mehr Brände, so werden wir nun vermehrt zu Hilfeleistungseinsätze in der Natur gerufen“, sagt der 29-jährige Ortswehrführer. Da Frauendorf an einem sehr großen Waldgebiet angrenzt, wünschen sich die Frauendorfer ein neues Fahrzeug. Sie liebäugeln mit einem Tanklöschfahrzeug mit Staffelkabine.

Im Rahmen der 110 Jahre Freiwillige Feuerwehr Frauendorf schenkte die Gemeinde den Floriansjüngern eine neue Grillhütte. Zudem wurde das Gerätehaus auf Vordermann gebracht und neue LED-Lichttechnik eingebaut.