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| 15:33 Uhr

Demenz: Leben mit dem Vergessen
Richtkrone für 7-Millionen-Bau

Mit 24 Schlägen hat Dr. Claus Wilhelm vom Vorstand des Arbeiter-Samariter-Bundes Mittel-Brandenburg am Freitag den letzten Nagel im Gebälk der neuen Pflegeeinrichtung in Klettwitz versenkt. Beistand in luftiger Höhe leistete ihm Peter Schulze als Geschäftsführer der Bau GmbH Grundstein.
Mit 24 Schlägen hat Dr. Claus Wilhelm vom Vorstand des Arbeiter-Samariter-Bundes Mittel-Brandenburg am Freitag den letzten Nagel im Gebälk der neuen Pflegeeinrichtung in Klettwitz versenkt. Beistand in luftiger Höhe leistete ihm Peter Schulze als Geschäftsführer der Bau GmbH Grundstein. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Klettwitz. Pflege-Zentrum für 50 Demenz-Kranke ist jüngster Zuwachs für Familiencampus in Klettwitz. Von Andrea Budich

Ganz unauffällig haben sich Hildegard und Klaus Noack unter die Richtfest-Gäste gemischt. Das Fleckchen Erde, auf dem am Freitagmorgen zum Richtschmaus geladen wird, kennt keiner aus der geladenen Polit-Prominenz so gut wie das Klettwitzer Ehepaar, das nur einen Steinwurf entfernt von der Großbaustelle wohnt. Das Grundstück mit Acker und Wiesen hat einst der Großmutter von Hildegard Noack gehört. Sie selbst war als Dreikäsehoch oft mit draußen, wenn Heu gemacht wurde.

Dass auf dem Familien-Land heute ein 7-Millionen-Euro-Bau des Arbeiter-Samariter-Bundes in die Höhe wächst, erfüllt Noacks mit Genugtuung. Genau aus diesem Grund nehmen sie den Rohbau ganz genau unter die Lupe.

Im Bau ist eine Spezialeinrichtung, in der jene Menschen Geborgenheit und Zuwendung finden sollen, deren Erinnerungen allmählich von der eigenen Krankheit ausgelöscht werden. Das moderne Gebäude wird speziell den Bedürfnissen Demenzkranker angepasst. Ein solches hoch spezialisiertes Heim für Menschen, bei denen das Krankheitsbild sehr schwer ausgeprägt ist, gibt es bisher in der Lausitz nicht. 50 Bewohner werden später hier in Wohngruppen in familiärer Atmosphäre leben. Von den Pflegekräften werden sie in ihrer „inneren Welt“ begleitet und gestützt. Geplant ist, das Demenz-Zentrum im Sommer nächsten Jahres zu eröffnen. Ähnlich wie in der Spezialeinrichtung in Ludwigsfelde werden die Bewohner aus dem gesamten Land Brandenburg stammen, erklärt Prokuristin Susan Malszewski vom Regionalverband Mittel-Brandenburg des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Wie kostbar die 50 neuen Heimplätze für die Lausitz sind, unterstreicht OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Die Pflegestatistik des Landes Brandenburg weist für den Landkreis OSL insgesamt knapp 4500 Pflegebedürftige Frauen und Männer aus. 1200 davon benötigen eine vollstationäre Dauerpflege. Zudem gehen Prognosen davon aus, dass im Jahr  2030 im Landkreis knapp 40 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird. Derzeit liegt die Quote bei 28 Prozent. „Die Plätze werden also dringend benötigt“, so der Landrat.

Das neue Pflege-Zentrum für Demenz-Kranke ist zugleich jüngster millionenschwerer Zuwachs für den Familiencampus Lausitz. Für den Standort mit über 100-jährigem Krankenhausbetrieb hatte es nach der Wende alles andere als gut ausgesehen.

„Hier sollten die Lichter ausgehen. Zu sehen, dass der Traditionsstandort wieder wachgeküsst ist, macht mich glücklich“, betont Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU). Die Gemeinde hat das Projekt unterstützt, indem ein kommunales Grundstück an den ASB verkauft wurde, damit eine Zufahrt und Parkplätze entstehen können.