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Rettungsplan für das Freibad Ortrand

Das Eingangstor zum Badespaß in Ortrand ist verschlossen. Die Zukunft des Freibades steht noch in den Sternen.
Das Eingangstor zum Badespaß in Ortrand ist verschlossen. Die Zukunft des Freibades steht noch in den Sternen. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Ortrand. Bürger aus Ortrand und Kroppen ringen um den Erhalt des Freibades. Ein Förderverein ist im Gespräch. Noch sind die Signale ermutigend und erdrückend zugleich. Das hat eine Bürgerversammlung mit Rettungswilligen am Mittwochabend im Ortrander Rathaus deutlich gemacht. Kathleen Weser

Die politische Verantwortung für die mit viel Fördergeld gemeinsam gestemmte Investition in das Amtsbad Ortrand mit Campingplatz und Pensionszimmern endet an den Gemeindegrenzen. Das hat die Mehrheit der Amtsbrüder mit den komplett gestrichenen kommunalen Zuschüssen für die Freizeitanlage mit einem klaren Beschluss sanktioniert. Das für die Amtsgemeinden erklärt deutlich zu teure Freibad ist zum Jahreswechsel geschlossen worden, die Dauercamper sind in der entstandenen Grauzone geduldet. Denn die Anlagen werden derzeit erneut über zwei Makler zum Verkauf angeboten. Nunmehr ohne die Auflage an den Erwerber, den öffentlichen Badebetrieb weiter aufrechterhalten zu müssen.

Der Gewerbeverein Ortrand und Umgebung, Pädagogen der städtischen Kindereinrichtung, Vereine, engagierte Bürger und auch die Nachbarn aus Kroppen suchen mit dem Ortrander Bürgermeister Niko Gebel (CDU) an der Spitze um eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Bades.

Ideen sind geboren, deren Überlebensfähigkeit erscheint aber auch sehr fraglich - und wird vor allem von den Unternehmern, die sich engagieren wollen, zu Recht kritisch betrachtet. Die Vertreter des heimischen Gewerbes wollen belastbare betriebswirtschaftliche Zahlen sehen, um überhaupt die finanzielle Größenordnung einzuschätzen.

Hans Dietzel, Gemeindevertreter in Kroppen, schlägt vor, dass das Amt Ortrand als Eigentümerin von Freibad und Campingplatz lediglich den Campingplatz veräußert und die erzielte Einnahme für die ersten zwei Jahre nutzt, um den laufenden Badebetrieb mitzufinanzieren. Dann müssten die anfallenden Kosten so minimiert sein, dass das Bad dauerhaft mit geringerem Aufwand betrieben werden könne.

Hagen Gebel vom örtlichen Anglerverein hält den Vorschlag für unrealistisch. Die Angler, so versichert er, seien willens, Verantwortung für die Freizeitanlage zu übernehmen. Der nahe gelegene Angelteich solle konzeptionell eingebunden werden. Zudem schlägt Gebel vor, weitere und andernorts viel gefragte Angebote für Bogenschützen und einen Jagdparcours anzudocken, um mehr Gäste anzuziehen und auch die Übernachtungszahlen auf dem Campingplatz und in der Mini-Pension zu steigern.

Jens Bohge, der bisherige Betreiber und an der ersten Ausschreibung der Freizeitanlage gescheiterter Bewerber, bestätigt: Die technischen Anlagen des Bades sind überdimensioniert und betriebswirtschaftlich problematisch. Die Medien zwischen Bad und Campingplatz zu trennen, sei mit einem hohen Aufwand verbunden. Und Realismus sei geboten bei den Zukunftsplänen. Vorschriften und Gesetze machten es einem Förderverein alles andere als leicht, ein Freibad zu führen.

Der Wille, ein Paket zu schnüren, um das Ortrander Freibad zu retten, ist ungebrochen. An einem Runden Tisch will der Ort rander Bürgermeister den Zukunftsplan mit den Unterstützern schmieden. Als einziger kommunaler Partner hat sich Kroppen dafür ausgesprochen.

Zum Thema:
Die laufenden Kosten für das Freibad Ortrand sind nicht soweit reduzierbar, dass es rein privatwirtschaftlich zu betreiben ist. Das stellt der bisherige Betreiber in den Raum.Zwischen 16 000 und 22 000 Euro sind bisher an Eintrittsgeldern eingenommen worden. Die Ort rander Amtsgemeinden haben bisher jährlich etwa 130 000 Euro beigesteuert.