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Insolvenz in Berlin hat Folgen für Bauern
Rettung für Frauendorfer Milchbauern

Frauendorfs Bauern werden ihre Milch wieder los: Mit 20 000 Litern Milch im Tank verlässt Kraftfahrer Erich Hasse (l.) den Hof in Richtung Elsterwerda. Andreas Kupfer und Azubi Michelle Drabent (r.) prüfen die Qualität.
Frauendorfs Bauern werden ihre Milch wieder los: Mit 20 000 Litern Milch im Tank verlässt Kraftfahrer Erich Hasse (l.) den Hof in Richtung Elsterwerda. Andreas Kupfer und Azubi Michelle Drabent (r.) prüfen die Qualität. FOTO: Steffen Rasche
Frauendorf. Lage in der Agrargenossenschaft hat sich nach der Milchhändler-Insolvenz entspannt. Neuer Abnehmer in der Region gefunden. Bauern bleiben aber auf Milchgeld-Außenständen in Höhe von mehreren Zehntausend Euro sitzen. Von Andrea Budich

Die Milch-Kuh ist vom Eis. Das ist die gute Nachricht, die Vorstand Walter Beckmann am Dienstag spürbar erleichtert verkünden kann. Denn noch vor einer Woche standen Frauendorfs Milchbauern vor dem Super-Gau schlechthin. Mit 29 anderen Brandenburger Milchbauern mussten sie fürchten, ihre Milch in den Abfluss kippen zu müssen, weil sie morgens nicht abgeholt wird. Auch Frauendorfs Milchbauern von der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz waren in den Strudel der Insolvenz der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (BMG) geraten.

Diese hatte vor rund einer Woche überraschend Insolvenz angemeldet. Das europaweit tätige Unternehmen kaufte Milch auf und vertrieb sie weiter an Molkereien. Durch die Pleite mussten auch Frauendorfs Milchbauern nahezu über Nacht neue Abnehmer finden, um nicht auf der Milch sitzen zu bleiben.

„Die Situation war äußerst kritisch, als der Händler von einem Tag auf den anderen plötzlich unsere Milch nicht mehr abnahm“, erklärt der Frauendorfer Leiter Rinderproduktion, Andreas Kupfer. Schließlich geht es in den Tettauer Ställen nicht um kleine Mengen. Nach dem Melken morgens um 4 Uhr fallen bei den 420 Holsteiner Friesen rund 10 000 Liter Rohmilch an. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Milch regelmäßig abgeholt wird“, betont Andreas Kupfer.

In der Not haben Frauendorfs Bauern die Milch daher ohne Vertrag zu Müllermilch nach Leppersdorf (Sachsen) geschafft, um sie nicht wegkippen zu müssen. Ab Freitag hat sich die Lage dann entspannt. Noch vor dem Wochenende konnte mit dem heimischen Milchverarbeiter ODW in Elsterwerda, der früheren Molkerei Elsterwerda, ein Direktliefervertrag unterzeichnet werden. Vereinbart wurde, dass aus Frauendorf täglich 10 000 Liter Milch nach Elsterwerda geliefert werden. „Unsere Milch bleibt also künftig in der Heimat, was wir vorher nicht wussten“, sagt Genossenschafts-Chef Walter Beckmann.

Auch wenn ein neuer Abnehmer direkt vor der Stalltür gefunden ist, kann von einem Happy End keine Rede sein. „Das dicke Ende kommt erst noch“, bleibt Vorstand Beckmann äußerst skeptisch. Denn die Pleitefirma hatte schon im Vorfeld schlecht gezahlt.

In Frauendorf geht es konkret um Einbußen in Höhe von mehreren Zehntausend Euro bei einem ohnehin schlechten Milchpreis im Januar und Februar. „Wenn es schlecht läuft, dann bleiben wir innerhalb des Insolvenzverfahrens auf diesen Außenständen sitzen“, erklärt Beckmann.

Das Verlustgeschäft aus der Milchproduktion können die Frauendorfer Bauern nur ausgleichen, weil sie mit der Gemüseproduktion in den Gewächshäusern und dem Ackerbau mehrere sichere Standbeine ausgefahren hat.