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| 02:47 Uhr

Rettung aus dem eisigen Wasser

Der Verunglückte wird vom Retter aus dem Wasser gezogen. Die Kameraden an Land legen sich an den Leinen ins Zeug, um beide auf den Leitern schnell ans Ufer zu befördern.
Der Verunglückte wird vom Retter aus dem Wasser gezogen. Die Kameraden an Land legen sich an den Leinen ins Zeug, um beide auf den Leitern schnell ans Ufer zu befördern. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Der Löschzug Mitte der Freiwilligen Feuerwehr Lauchhammer hat gestern Abend einen Kameraden bei einer schweißtrei benden Übung aus dem kalten Strandbad geholt. Kathleen Weser

Der Winter lockert den frostigen Griff. Das Eis auf den Gewässern wird brüchig. Thomas Scherwinsky-Englich (40) aus Lauchhammer hat das gestern Abend zu spüren bekommen. Er ist im Strandbad eingebrochen. Absichtlich. Der begeisterte Hobby-Taucher und Feuerwehrmann stellt sich als Opfer für das Üben einer Rettung aus dem Eis zur Verfügung. Der kälte-isolierte Anzug und die Taucherhandschuhe, Füßlinge und die Kopfhaube halten ihn warm im Wasser, das mit zwei Grad Celsius eiskalt ist. So wartet er freilich alles andere als ein vor Angst panisches echtes Opfer geduldig auf Hilfe.

Die kommt - planmäßig für Stadtbrandmeister Silvio Spiegel, der diesmal ganz bewusst nur als Beobachter fungiert, und Einsatzleiter Georg Schulze (23). Die Kameraden, die am Freitagabend wie immer zur Ausbildung im Depot erschienen sind, um theoretisch geschult zu werden, werden von der praktischen Eisrettung überrascht. Mit zwei Fahrzeugen rücken die Feuerwehrleute aus. Der Einsatzleiter erkundet am Badegewässer die Lage. Im eiskalten Wasser ruft Thomas Scherwinsky-Englich lautstark um Hilfe, rudert mit den Armen verzweifelt in der Luft. "Es kommt Hilfe", wird ihm von festem Grund versprochen. An Land schaffen die Kameraden eilens Übersicht. Der Unglücksort wird von einer Truppe ausgeleuchtet. "Wichtig ist dabei, dass so wenig wie nur möglich Schattenwurf entstehen kann", erklärt Georg Schulze später. Parallel dazu wird die Steckleiter zum Unglücksort gebracht. Die ist ein Hilfsmittel, das auf allen Einsatzfahrzeugen mitgeführt wird. Sie leistet gute Dienste auch auf gefährlichen Eisflächen. Denn die dürfen niemals stehend betreten werden. Vielmehr gilt es, das Gewicht des Retters auf dem dünnen Eis gut zu verteilen. Der arbeitet sich auf dem Bauch mit ausgebreiteten Armen robbend zur Einbruchstelle vor - selbst von den Kameraden mit Leinen gesichert. Und zufrieden registriert der Stadtbrandmeister, dass auch die jungen Einsatzkräfte mit der taufrischen Truppmannausbildung und weniger Erfahrung von den alten Hasen unterstützt ihren Mann stehen. Das Tempo spielt bei dieser Rettungsübung nur eine untergeordnete Rolle. Abläufe und Handgriffe zu trainieren, um im Ernstfall routiniert handeln zu können, ist das Ziel. Binnen 15 Minuten kann ein Mensch an den Folgen einer Unterkühlung sterben. Das Zeitfenster der Retter ist damit verdammt klein. In fünf bis sechs Minuten sind sie innerhalb von Lauchhammer meist am Einsatzort. Doch direkt unter der Eisdecke wird dem Körper des Eingebrochenen rasant die Wärme entzogen - 27-mal schneller als an der Luft. Der Helfer führt neben der eigenen Leinensicherung eine zweite Leine mit, um den Verunglückten sichern zu können. Der Feuerwehrmann bewegt sich nach vorn. Dem Opfer im Eis sollten nur die Leiter oder eine Leine gereicht werden. Nur notfalls wird mit den Händen direkt zugegriffen. Denn das Risiko für den Retter, an der Einbruchstelle selbst einzubrechen oder ins Wasser gezogen zu werden, ist groß. Doch hier wird spontan entschieden. Im Eis eingebrochenen Personen schwinden in der Kälte rasch die Kräfte. Thomas Scherwinsky-Englich wird bei dieser Rettungsübung mit Erklärungen für die erstbeteiligten Kameraden innerhalb von knapp 20 Minuten akkurat aus dem Wasser gezogen und auf die Trage gelegt. Das ist eine gute Leistung, die am Ende alle zufrieden stimmt. Kritisch ausgewertet wird der Einsatz dann im warmen Gerätehaus.

Geschafft. Das unterkühlte Opfer liegt auf der Trage, bereit für den Transport zur schnellen medizinischen Versorgung.
Geschafft. Das unterkühlte Opfer liegt auf der Trage, bereit für den Transport zur schnellen medizinischen Versorgung. FOTO: sam1