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| 02:47 Uhr

Retter des ältesten Markt-Hauses

Die Pläne sind fertig, die baufachliche Prüfung läuft: Gisa und Carsten Bartsch als neue Eigentümer des ältesten Hauses der Stadt Senftenberg wollen wagen, woran sich zig Vorkandidaten die Zähne ausgebissen haben. Sie geben im März den Startschuss für den Um- und Ausbau des Denkmals.
Die Pläne sind fertig, die baufachliche Prüfung läuft: Gisa und Carsten Bartsch als neue Eigentümer des ältesten Hauses der Stadt Senftenberg wollen wagen, woran sich zig Vorkandidaten die Zähne ausgebissen haben. Sie geben im März den Startschuss für den Um- und Ausbau des Denkmals. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. Das Haus am Markt 15 kann Geschichten erzählen. Von Käufern und Investoren, die sich reihenweise an dem historischen Gemäuer des Einzeldenkmals die Zähne ausgebissen haben. Andrea Budich

Frohen Mutes und mit großen Plänen waren sie angetreten. Am Ende aber kehrten sie dem historischen Sitznischenportal am Eingang immer wieder schnell den Rücken. Das einzige, was sich in all den Jahren des Leerstandes seit Mitte der 1990er-Jahre vorwärts bewegte, war der immer schlechter werdende bauliche Zustand. "Andere haben die Hände gehoben, wir greifen zu", sagen Gisa und Carsten Bartsch. Dabei wissen die beiden Bauingenieure aus Guteborn sehr genau, worauf sie sich eingelassen haben.

Erste Tuchfühlung mit dem historischen Gemäuer nahmen sie als Planer für einen Bayer auf, der das Gebäude sanieren wollte und das Guteborner Planungsbüro mit den Bauplänen beauftragt hatte. "Bei der Arbeit haben wir uns in das Haus verliebt", erklärt Gisa Bartsch, warum sie nach dem Rückzug des Bayern im Herbst des Vorjahres selbst zugriffen. Vor allem der Erhalt des historischen Kreuzgratgewölbes im Erdgeschoss reizt die beiden.

Dass es sich bei ihrem "Liebhaberstück" nicht um irgendein Haus, sondern um eines der ältesten Gebäude im ganzen Landkreis handelt, schreckt die beiden Bauingenieure nicht ab. "Da stecken wir doch voll in der Materie", sagen sie und kommen mit dem Aufzählen liebevoll sanierter Häuser kaum hinterher: in Senftenberg in der Bärengasse, am Steindamm und in der Kreuzstraße. In Ruhland am Kirchplatz und am Markt.

Die Bauarbeiten am Markt 15 in Senftenberg sollen im März starten. Eine Baugenehmigung ist vorhanden, der Restaurator im Boot, die baufachliche Prüfung läuft, ein Modernisierungsvertrag mit der Stadt Senftenberg ist in Vorbereitung. Für den Umbau zu einer Herberge mit barrierefrei zugänglichen Gästewohnungen veranschlagen die Neu-Besitzer eine Gesamtbausumme von 1,1 Millionen Euro. Für den Erhalt des historischen Hauses kann der Fördertopf der Innenstadtsanierung angezapft werden. Zum Jahresende sollen die letzten Handwerker das Haus verlassen.

Dem Denkmal neues Leben einzuhauchen, ist für die nächsten Monate das größte Projekt von Gisa und Carsten Bartsch. Dabei wollen sie den Torhaus-Charakter bewahren, das historische Gemäuer aber auch behutsam modern ergänzen. Für die Nutzung der Gewerberäume im Erdgeschoss sind die Investoren noch auf der Suche nach einer Idee. Gänzlich festgelegt sind sie auch noch nicht, was die Wohnungen im Obergeschoss betrifft. Ferienunterkünfte können sie sich genauso vorstellen wie ein Betreutes Wohnen.

Den Umbau ihres ältesten Hauses können die Senftenberger auf der Internetseite www.markt15-senftenberg.de verfolgen. "Dort führen wir ein Bautagebuch", verspricht Carsten Bartsch. Das Intersse der Senftenberger ist indes schon jetzt riesig. "Wir werden angesprochen, sobald wir die Tür aufschließen", bestätigt er.

Zum Thema:
Mit seiner Lage in der nordöstlichen Ecke des Marktes hat das älteste Gebäude der Stadt von Beginn an eine wichtige Position eingenommen. Teile des Kellergeschosses haben bereits vor 1675 exisitiert. 1675 entstand ein zweigeschossiges Gebäude. Aus dieser Zeit sind noch große Teile im Erdgeschoss erhalten, wie die Schwarze Küche. 20 Jahre später entstand das Fachwerk im Obergeschoss. Das Kreuzgratgewölbe und die Sturzbögen im Erdgeschoss sind bis heute erhalten. Die nächste Bauphase war 1717 ein Torhaus, dessen Gestalt noch heute vorhanden ist.