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| 14:29 Uhr

Folgen der Rutschung
Restsaison auf Senftenberger See fällt nach Flutungsstopp aus

Nach der Rutschung an der Insel vor gut einem Monat bleiben der Senftenberger See und der Uferbereich wohl bis zur nächsten Saison gesperrt.
Nach der Rutschung an der Insel vor gut einem Monat bleiben der Senftenberger See und der Uferbereich wohl bis zur nächsten Saison gesperrt. FOTO: Jens Berger
Senftenberg. Die Schützenhilfe aus benachbarten Gewässern ist beendet worden – es fehlen 14 Zentimeter. Von Jan Augustin

Die magische Zahl heißt 98,30. Das ist der Wasserstand in Metern, den der Senftenberger See über Normalhöhennull erreichen muss. Erst dann werden Gewässer und Ufer wieder aus der Sperrzone befreit. Bis dahin gilt: Betreten verboten – Lebensgefahr. 300 Warnschilder rings um den See weisen das aus. Dabei fehlen nur 14 Zentimeter. Die Schützenhilfe aus benachbarten Tagebebaurestlöchern, also das Überleiten von Wasser, hat Wirkung gezeigt. Nach der Rutschung vor gut einem Monat, als ein etwa fünf Hektar großes, bewaldetes Inselstück im See verflossen ist, stieg der Pegel so wieder an.

Doch damit ist jetzt erst einmal Schluss. Die Flutungszentrale hat den Hahn zugedreht. Der Grund ist nach einem extrem trockenen Sommer und der anhaltend regenarmen Zeit einleuchtend: „Ganz einfach schlicht und ergreifend, weil kein Wasser da ist“, erklärt  Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Die Restsaison bis Ende Oktober, auf die Wassersportler noch gehofft haben, fällt damit aus. Das sind zwar „schlechte Nachrichten aus dem Lausitzer Seenland“. Heinze versichert aber, dass alle beteiligten Behörden darauf hinarbeiten, „dass diese missliche Situation beendet wird“. Ziel ist es, die Saison 2019 pünktlich und sperrfrei starten zu können. Das bestätigt auch der Präsident des federführenden Brandenburger Landesbergamtes, Hans-Georg Thiem. Wie genau das bewerkstelligt werden soll, ist noch unklar. Die Behörden stimmen sich dazu bis Ende dieser Woche ab, so Thiem.

Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, hofft auf eine „schnelle und unbürokratische Lösung, die nicht nur kurzzeitig trägt, sondern uns langfristig in die Lage versetzt, dem Gast den Senftenberger See in vollem Umfang zur Verfügung zu stellen“. Welche Auswirkung die erweiterte Vollsperrung auf die Tourismuswirtschaft hat, könne derzeit noch nicht umfassend eingeschätzt werden. „Ich bin froh, dass die Rutschung zum Ende der Saison erfolgte und somit der Badebetrieb kaum betroffen ist“, sagt sie. Aktivitäten auf dem Wasser seien allerdings nur ein Angebot im Seenland. Jederzeit für Gäste erlebbar seien auch die Aktiv- und Kulturbereiche. Kathrin Winkler betont, dass jetzt das Thema Radfahren eine wichtige Rolle spielt. „Und dies ist ja bekanntlich uneingeschränkt möglich.“

So auch in Niemtsch. Die Situation hier ist besonders. Links und rechts vom Radweg besteht laut Ausschilderung Lebensgefahr. Der wenige Meter breite Bereich dazwischen ist indes nicht gesperrt. Für Ortsvorsteher Sven Muntel ist das „nicht nachvollziehbar“. Wenn tatsächlich eine Gefahr bestehen sollte, hätte man auch den Radweg sperren müssen. „Die Urlauber lachen darüber“, sagt er. Jedoch: „Der Radweg ist sicher“, bestätigt die Sprecherin der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft, Stefanie Klein, auf Nachfrage. Und eine Schwallwelle, die nach einer möglichen erneuten Rutschung Richtung Ufer schwappen würde, könnte dem höher gelegenen Radweg auch nicht gefährlich werden.

Links und rechts vom Radweg in Niemtsch besteht laut Ausschilderung Lebensgefahr. Der wenige Meter breite Bereich dazwischen ist nicht gesperrt. Für Ortsvorsteher Sven Muntel (r.) ist das nicht nachvollziehbar.
Links und rechts vom Radweg in Niemtsch besteht laut Ausschilderung Lebensgefahr. Der wenige Meter breite Bereich dazwischen ist nicht gesperrt. Für Ortsvorsteher Sven Muntel (r.) ist das nicht nachvollziehbar. FOTO: LR / Jan Augustin