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| 21:53 Uhr

Lausitzring
Mit Aktenkoffer zum Motorradrennen

Das wichtigste Arbeitsgerät für den Dateningenieur Jens Schulze ist sein Notebook. Mit ihm liest er alle Daten. Ob Fahrdaten oder Motordaten – er weiß über jede Einzelheit des Rennens seiner Piloten Bescheid.
Das wichtigste Arbeitsgerät für den Dateningenieur Jens Schulze ist sein Notebook. Mit ihm liest er alle Daten. Ob Fahrdaten oder Motordaten – er weiß über jede Einzelheit des Rennens seiner Piloten Bescheid. FOTO: Peter Aswendt
Klettwitz. Jens Schulze sorgt für schnelle Motorräder. IDM auf dem Lausitzring mit mäßigem Zuschauerzuspruch Von Peter Aswendt

Am vergangenen Wochenende gastierte die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) auf dem Lausitzring. Nicht nur der neue Eigentümer Dekra empfing die Sportler und Motorradfans auf dem Lausitzring, sondern auch die IDM, die mit ihrem neuen Serienpromotor, der Motor Presse Stuttgart, an den Start ging. Für die wenigen treuen IDM-Fans sind diese Wechsel fast unbemerkt vollzogen worden, aber für die Teams und Fahrer trat damit nun wieder eine Planungssicherheit ein.

„Erstmal können wir für zwei Jahre planen“, freut sich Jens Schulze (38), der als Dateningenieur und Teamleiter im Alpha Racing Van Zon BMW-Team die Fahrer der Superbike 1000 betreut. Der gebürtige Oelsnitzer, der nach einem Gastspiel in Karlsruhe jetzt wieder in seiner Heimat lebt, hat quasi den Motorsport in die Wiege gelegt bekommen: „Mein Vater war als Mechaniker im Motorradsport tätig, und so habe ich viel Zeit meiner Kindheit am Sachsenring oder dem Schleizer Dreieck verbracht“, erinnert er sich. Für den Ingenieur, der eigentlich beim Karlsruher Unternehmen 2D Datarecording arbeitet, kam der Einstieg in den Motorsport im Jahr 2009: „Mein Einstieg war beim Team Holzhauer Racing Promotion (HRP)“, erzählt der Vater einer Tochter. Nach HRP, übrigens dem Team, in dem auch Formel-1-Legende Michael Schumacher seine Motorraderfahrungen machte, begleitete er in verschiedenen Teams den Holländer Danny De Boer, mit dem er im Jahr 2016 in der Superstock-1000-Klasse Meister wurde. Aktuell betreut er sozusagen einen einheimischen Piloten. Denn neben Iiya Mikhalchik aus der Ukraine sitzt Julian Puffe aus Schleiz auf einer BMW S 1000 RR im Team. „Wir sind sozusagen Nachbarn“, lacht der Renningenieur aus Oelsnitz.

Für Jens Schulze ist das Verhältnis Pilot und Renningenieur wie eine Symbiose: „Man muss ein Vertrauensverhältnis aufbauen“, stellt er klar. „Ich denke zwar, dass der Fahrer 80 Prozent und ich als Ingenieur 20 Prozent am Erfolg beteiligt bin, aber ich sehe anhand der Daten, wo die Reserven sind und wo es schneller geht“, fügt Jens Schulze hinzu. Dieses Wissen, wo zu früh gebremst wird oder zu spät in der Kurvenausfahrt beschleunigt wird, ist in unzähligen bunten Kurven auf einem Monitor dargestellt, die jeden Laien beim ersten Hinschauen verzweifeln lassen würden. Für Jens Schulze ein Buch, in dem er liest und dem Piloten wertvolle Erkenntnisse vermittelt. Natürlich ist jede Strecke anders, aber in den 40 Tagen im Jahr, in denen Jens Schulze in Sachen Motorradrennen unterwegs ist, kommt er oft an Strecken, wo schon gewisse Erfahrungswerte vorliegen. „Wir haben natürlich Streckenprofile und Richtwerte für Rundenzeiten in der Software“, so der Dateningenieur, der übrigens Assen in Holland und den Sachsenring als seine Lieblingsstrecken bezeichnet.

Der Lausitzring ist für Jens Schulze in zweierlei Hinsicht interessant: „Erstmal habe ich es nicht weit zur Arbeit und kann mit Laptop und Aktenkoffer anreisen“, lacht er. „Aber der Lausitzring hat viele langsame und winklige Passagen, aber auch schnelle Geraden, da ist sehr feine Abstimmungsarbeit gefragt“, weiß der Renningenieur. Für die Zuschauer natürlich ein Spektakel, denn manchmal kann auch ein Favorit bei der Abstimmung des Renngerätes daneben liegen.

In puncto Zuschauer gab es am vergangenen Wochenende ein leichtes sächsisches Übergewicht. Zuschauer aus Dresden, Riesa und Bischofswerda waren einerseits erfreut über die leeren Ränge und den Platz zum Flanieren im Fahrerlager, aber andererseits fehlte natürlich das Flair einer mit Fans voll belegten Tribüne. „Wir schauen uns die IDM in Ostdeutschland komplett an“, bestätigt Jens Kircheisen aus Pirna sein Fan-Dasein. „Schleiz, Sachsenring und Lausitzring sind unsere Stationen“, so der Familienvater, der mit Sohn und Frau komplett im nostalgischen MZ-T-Shirt im Fahrerlager flanierte. Auf der Tribüne hatte auch Horst Klingmann aus Dresden eine ganze Reihe für sich alleine: „Wir machen oft eine Motorradausfahrt ins Lausitzer Seenland, da gehört regelmäßig auch der Besuch des Lausitzrings dazu“, so der Fahrer einer Honda GL1800 Gold Wing. Schließlich gab es doch noch einen Lokalmatadoren im Zuschauerbereich: „Ich bin ein wenig enttäuscht über die leeren Ränge, zumal ja auch die Preise erschwinglich sind“, zeigt sich Daniel Bergwald aus Calau erstaunt. „Wahrscheinlich fehlen die großen Namen im Starterfeld“, gibt er zu bedenken.

Sicherlich ein Argument, welches einige Zuschauer mehr in die Lausitz ziehen würde. Trotzdem hat die IDM ein großes Unterhaltungspotenzial für alle Motorradfans. Ob Markenpokal oder die spannenden Sidecar-Rennen, jeder kommt auf seine Kosten. Und eine Sache unterscheidet die IDM von den anderen Hochglanzveranstaltungen der Branche: Man kommt an alle Teams im Fah­rerlager hautnah heran. Vielleicht kann mancher sogar Jens Schulze über die Schultern schauen und über das bunte Kurvengewirr auf seinem Monitor staunen.