Geburtstag des Künstlers ist Anlass für das Rietschel-Jahr 2004. Neben großen Ereignissen an unterschiedlichen Schauplätzen, die mit dem Leben des Bildhauers in Verbindung stehen, ist in diesem Jahr auch das traditionelle Gießereifest dem mit Lauchhammer eng verbundenen Künstler gewidmet. Eine Ausstellung im Kunstgussmuseum lenkt den Blick auf Menschen, die im Leben von Ernst Rietschel eine wichtige Rolle gespielt haben. Dabei werden auch seine beruflichen und privaten Beziehungen zu Lauchhammer deutlich.
Der am 15. Dezember 1804 in Pulsnitz geborene Sohn eines Handschuhmachers zeichnete bereits als Kind mit großer Begeisterung und deutlich erkennbarem Talent. Seine Eltern förderten ihn. Schon bald konnte der Junge mit kleinen Zeichnungen zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.
Ab 1820 studierte Rietschel an der Königlich Sächsischen Kunstakademie. Dort wurde Detlev Graf Einsiedel, der Eigentümer der Lauchhammer Eisenwerke, auf den jungen Künstler aufmerksam. Er schlug ihm vor, auf seine Kosten die Bildhauerei zu studieren, um danach als Modelleur in der Eisengießerei Lauchhammer zu arbeiten. Rietschel nutzte diese Chance, obwohl eine feste Anstellung in dem Werk nicht seinen Vorstellungen entsprach.
Aufgrund seiner großen Begabung stellte Einsiedel den Künstler später von der Verpflichtung als Modelleur frei, unterstützte ihn jedoch weiterhin bei dessen Studien. Sein erstes Auftragswerk, das Monument König Augusts I., hatte der Künstler vor allem dem Besitzer des Eisenwerkes in Lauchhammer zu verdanken.
Rietschel war auch privat mit Lauchhammer verbunden. Seine erste Frau Albertine war die Tochter des langjährigen Oberfaktors Johann Friedrich Trautscholdt. „Hier erst lernte ich kennen, was die reinste Liebe ist“ , schrieb der frisch verlobte Rietschel 1831 einem Freund. Nach nur drei Ehejahren verstirbt Albertine. Die Beziehung des großen Bildhauers zu Lauchhammer blieb aber bis zu seinem Lebensende bestehen. Zwischen ihm und seinem Schwager Eduard Heinrich Theodor Trautscholdt, der das Einsiedelsche Werk als Oberhüttenmeister leitete, bestand eine lebenslange, herzliche Freundschaft.
Ein großer Teil von Rietschels bekannten Skulpturen wurde in der Kunstgießerei gegossen. Eines der berühmtesten Denkmale schuf er kurz vor seinem Lebensende: das Lutherdenkmal zu Worms, bestehend aus zwölf Statuen, acht Reliefbüsten, sechs Reliefbildern und 24 Stadtwappen. Es wurde 1868 von den Schülern des Künstlers fertig gestellt und galt seinerzeit als größte Denkmalsanlage der Welt. So wie damals üblich, wurde das fertige Werk zunächst in der Kunstgießerei für die Öffentlichkeit ausgestellt. Dieses Ereignis gestaltete sich zu einem großen Lutherfest in Lauchhammer und brachte dem Künstler und der Manufaktur reichlich Anerkennung ein.
Anlässlich des heutigen Gießereifestes gestaltet das Schlossbergmuseum Chemnitz eine Rietschel-Ausstellung im Auftrag der Stiftung Kunstguss. Zur heutigen Eröffnung um 14 Uhr werden zahlreiche Gäste erwartet.