ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Reine Herzenssache

Ja, da hängt einer an der Angel , ruft Anja Burandt (4.v.l.) der Anglerin Franziska Gerasch (Mitte) von der Schule der Lebensfreude in Lubolz zu. Die Betreuerin vom Kreissportbund hat am Sportfest ebenso viel Freude.
Ja, da hängt einer an der Angel , ruft Anja Burandt (4.v.l.) der Anglerin Franziska Gerasch (Mitte) von der Schule der Lebensfreude in Lubolz zu. Die Betreuerin vom Kreissportbund hat am Sportfest ebenso viel Freude. FOTO: Birgit Keilbach
Freude an der Bewegung, Spaß bei sportlichen Wettbewerben und herzliche Begegnungen haben vorgestern die Atmosphäre auf dem Sportplatz der SG Grün-Weiß 72 Groß Beuchow bestimmt. Körperlich und geistig behinderte Menschen trafen sich zum 15. Spiel- und Sportfest des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Von Birgit Keilbach

„Heute ist die Welt zu Gast in Groß Beuchow“ , wandelte Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel, Schirmherr der Veranstaltung, den Slogan der Fußball-WM kurzerhand ab. Damit die übrige Welt auch davon erfährt, ließen die Teilnehmer zur Eröffnung Luftballons und Tauben in den Himmel aufsteigen.
Insgesamt 450 Behinderte waren zu diesem jährlichen Höhepunkt angereist. Sie wurden von 120 Betreuern begleitet. „Die Teilnehmer kommen aus Integrationswerkstätten, aus Förderschulen, aus der Integrationskita ,Wichtel' in Lübbenau sowie aus Behinderteneinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt in unserem Landkreis, aber auch aus Luckau und Lübben“ , teilte Gabriele Finkenstädt vom Kreissportbund OSL mit. Die jüngsten Teilnehmer waren Vorschulkinder aus der Frühförderstelle in Lübben.
Seit 1992 richtet der Kreissportbund das Sportfest mit der SG Groß Beuchow aus. Finanziert werde es vom Landkreis, dem Bildungsministerium und zahlreichen Sponsoren, erklärte Gabriele Finkenstädt. „Dadurch ist es uns möglich, allen Teilnehmern eine Erinnerungsmedaille an das 15. Spiel- und Sportfest zu überreichen.“
Die kleinen und großen Sportler absolvierten indes an den einzelnen Stationen Slalomlauf, Zielwurf, Medizinballstoßen und Schlussweitsprung. Für die Rollstuhlfahrer war eine spezielle Wettbewerbsstrecke in der Turnhalle aufgebaut worden. Bei diesem Sportfest steht die Freude an der Bewegung und am gemeinsamen Spiel im Vordergrund, weniger die Punkte und Platzierungen , so Renate Schmidt, Vorsitzende des Kreissportbundes OSL.
Die Idee zu diesem Fest hatte vor 15 Jahren Jürgen Bahro von der Sportgemeinschaft in Groß Beuchow: „Wichtig war uns damals, dass wirklich jeder mitmachen kann und es ein Spiel- und Sportfest für alle ist.“ 70 Teilnehmer seien zur ersten Veranstaltung gekommen, dann habe diese sich herumgesprochen und sei inzwischen ein richtig großes Ereignis für die behinderten Menschen im Landkreis und darüber hinaus geworden. „Es ist für uns alle ein schönes Gefühl, wenn sie in jedem Jahr wieder kommen und uns begrüßen“ , schilderte er das, was die 70 Helfer aus der Sportgemeinschaft und von der Feuerwehr aus Groß Beuchow, aber auch von der AWO-Fachschule für Sozialwesen und dem Lübbenauer Gymnasium bewegte.
Viele Groß Beuchower Organisatoren geben dafür gern einen Tag Urlaub für das Sportfest. „Heute passt es gerade, aber ich habe auch schon die Schicht dafür getauscht“ , sagte Karsten Müller von der Groß Beuchower Feuerwehr. „In den ersten zwei Jahren hatten wir nur unsere Fahrzeuge zum Besichtigen hingestellt, dann haben wir das Zielspritzen auf leeren Dosen angeboten“ , erzählte Ortswehrführer Hardy Kossatz, der von Anfang an mit dabei war.
Die Stationen Medizinballstoßen und Schlussdreisprung wurden von Azubis der AWO-Fachschule betreut. Zum zweiten Mal mit von der Partie war Loretta Klinkmüller, die gerade ihr erstes Lehrjahr absolviert: „Ich habe hier viele Kinder getroffen, die ich im Praktikum an der Förderschule in Lubolz betreut habe. Die Mädchen und Jungen geben sich viel Mühe, keiner drängelt.“
Nach dem sportlichen Teil standen alle in langer Schlange vor der Essenausgabe. „Nudeln mit Tomatensoße gibt es seit Beginn der Feste. Seit fünf Jahren kocht meine Mutter mit einer Freundin das Mittagessen für alle“ , berichtete Jürgen Bahro. Inzwischen nutze sie dafür den großen Waschkessel zu Hause. Schon am Tag zuvor habe die ehemalige Köchin mit der Vorbereitung begonnen. „Die glücklichen Gesichter sind für uns alle das größte Dankeschön“ , nannte er den Grund dafür, warum dieses Spiel- und Sportfest für alle längst zu einer Herzenssache geworden ist.