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Reformationsbrötchen gehören dazu

Seit den 60er-Jahren werden in der Bäckerei Roland Leisker (78) im Oktober Reformationsbrötchen gebacken. Ehefrau Ute bestätigt, heute ist der Tag, an dem die meisten Stücke des köstlichen Gebäcks – wie immer ofenfrisch – über die Ladentheke gehen.
Seit den 60er-Jahren werden in der Bäckerei Roland Leisker (78) im Oktober Reformationsbrötchen gebacken. Ehefrau Ute bestätigt, heute ist der Tag, an dem die meisten Stücke des köstlichen Gebäcks – wie immer ofenfrisch – über die Ladentheke gehen. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Reformationsbrötchen gehören als saisonales Gebäck seit den 60er-Jahren in jedem Oktober auch bei der Traditionsbäckerei Leisker in Lauchhammer dazu. Heute Morgen kommt die größte Ladung ganz frisch aus dem Ofen. Kathleen Weser

Um Mitternacht zieht in der Backstube der Traditionsbäckerei Leisker in Lauchhammer routinierte Betriebsamkeit ein. Denn sonnabends eilen die Frühaufsteher besonders zeitig zum Laden - heute auch, um die Reformationsbrötchen für das Wochenende zu erstehen, dem sich der evangelische Feiertag im Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther am Montag anschließt. Am Vorabend von Allerheiligen soll, so die umstrittene Überlieferung, der Mönch und Theologieprofessor in Wittenberg seine 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben. Er bestritt, dass eine Erlösung von Sünden gegen Geld möglich sei und leitete damit die Reformation der Kirche ein.

Ob die Reformationsbrötchen, die auch hierzulande im Oktober zum Sortiment der Bäckereien gehören, wirklich auf Luther zurückgehen, ist unbewiesen (siehe Info-Kasten). "Wir backen sie aber um die Zeit schon seit den 60er-Jahren", bestätigt Bäckermeister Roland Leisker. Das Gebäck "aus einem sehr leichten Stollenteig", wie Ute Leisker ergänzt, gehört einfach zu jedem Wochenende um den Reformationstag. Etwa drei Wochen werden sie schon täglich gebacken. Heute werden in der kleinen Traditionsbäckerei mindestens 150 Reformationsbrötchen hergestellt. Und sie bleiben bis zum Festtag haltbar und lecker, versichert die Fachfrau, die bereits 42 Jahre in der Backstube steht. Dank der kreativen Konditorin im Hause bekommen die gezuckerten oder glasierten Brötchen aber auch von Halloween-Spinnen-Muffins harte Konkurrenz am Kuchenbuffet.

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Die Herkunft des Reformationsbrötchens ist weitgehend ungeklärt. Vermutet wird: Es symbolisiert die Lutherrose. Die des Reformators Martin Luther hatte allerdings fünf Spitzen, das Reformationsbrötchen hat nur vier. Luther hatte seine Schriften immer mit der Lutherrose, einer Art Stempel, versehen, um diese als seine Originale zu kennzeichnen. Das rote Herz mit einem Kreuz in der Mitte wird bei der Köstlichkeit aus der Bäckerei mit einem Klecks Marmelade dargestellt. Eine weitere Theorie besagt, das Reformationsbrötchen stellt eine Bischofsmütze aus der Reformationszeit dar. Und schließlich könnten die vier Ecken aber auch je einem Mitstreiter Luthers gewidmet worden sein.