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Reformationsjahr
Im Reformationsjahr wird Luthers Apfel neu geboren

Luther-Apfelbäumchen Andreas und Cornelia Worba
Luther-Apfelbäumchen Andreas und Cornelia Worba FOTO: Rudow / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Wittenberg/Großräschen . Vom Hof der alterwürdigen Universtät Leucorea tragen 95 Paten die Thesen ins Land - auch nach Großräschen. Von Birgit Rudow

95 Apfelbäumchen der Sorte „Martin Luther“ werden im 500. Reformationsjahr deutschlandweit gepflanzt. Einer am Großräschener See. Auf dem Hof der alten Wittenberger Universität Leucorea haben auch Cornelia und Andreas Wobar sowie Susanne und Norbert Schulz aus Burg im Spreewald dem großen Moment am Wochenende entgegen gefiebert. Mit der Übergabe der Bäume ist ein acht Jahre währendes Projekt der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel zu Ende gegangen.

2008 hatte die Religionspädagogin Gisinda Eggers aus Berlin die Idee, eine Apfelsorte „Martin Luther“ aus alten Sorten zu züchten und dem Luther-Ausspruch „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ einen aktuellen Bezug zu geben.

„Wenn Martin Luther jetzt von oben herunter schauen würde, würde er sich wundern, was so alles mit und in seinem Namen geschieht und was er gesagt haben soll oder auch nicht“, hat  Dr. Peter Luther, Nachfahre des großen Reformators in 14. Generation am Sonnabend in der Lutherstadt Wittenberg bemerkt. Aber kein anderer als der Apfelspruch treffe so sehr Wesen und Charakter Martin Luthers. „Ohne eine große Zuversicht hätte er nie und nimmer den Kampf gegen Kaiser und Papst führen können“, so Peter Luther.

Der Luther-Apfel geht auf den Borsdorfer Apfel zurück, eine alte Sorte, die 1177 erstmals Erwähnung fand. Gezüchtet wurde sie in der Obstbau-Versuchsstation Müncheberg und gewachsen sind die 95 Bäume, denen jeweils eine Luther-These zugeordnet ist, in der Barnimer Baumschule Biesenthal, die in ihren Hoffnungstaler Werkstätten behinderten Menschen eine Aufgabe gibt und zu den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gehören.

Das alles wissen die Familien Wobar und Schulz natürlich bereits. Seit Jahren haben sie die Entwicklung der Bäumchen und des Projektes verfolgt. Für 500 Euro konnten sie einen dieser Patenbäume erwerben und mit dem Geld die Zucht mitfinanzieren. Das allein, so der Leiter der Baumschule Thomas Keller, sei schon ein großes Experiment gewesen.Und die glücklichen Gesichter haben gezeigt, dass es gelungen ist. Die Luther-Apfelbäume haben jetzt ihre Reise von Wittenberg bis nach Oslo und in den Schwarzwald angetreten. Die Besitzer sind vor allem Kirchengemeinden, Kommunen, Unternehmenund auch Privatpersonen. Susanne und Norbert Schulz wollen ihren Baum zu Hause in Burg in den Garten pflanzen. Das soll am Reformationstag geschehen. Dann kommt die Familie zusammen. „Der Baum soll auch ein Symbol für unsere Nachfahren sein“, so Norbert Schulz.

Der Apfelbaum der Familie Wobar ist am Sonntag in Großräschen auf dem Weinberg gepflanzt worden. Zur Übergabe in Wittenberg haben sich Cornelia und Andreas Wobar reichlich Unterstützung von Mitgliedern des Fördervereines „Haus der Landwirtschaft und Großräschener Weinbau“ mitgebracht. Die Weinbauern vom See hat die 41. These gezeichnet. Sie richtet sich gegen den Ablasshandel. Cornelia Wobar nennt dafür einen plausiblen Grund:  „Die These sollte einen aktuellen Bezug zur Gegenwart haben.“ Sie meint damit auch den Verlust landwirtschaftlicher Fläche durch andere Interessen.