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Aus dem Gericht
Raub-Prozess beginnt mit Schocknachricht für Angeklagten

Am Cottbuser Landgericht läuft derzeit ein Prozess gegen drei Männer aus Lauchhammer, denen schwerer Raub vorgeworfen wird.
Am Cottbuser Landgericht läuft derzeit ein Prozess gegen drei Männer aus Lauchhammer, denen schwerer Raub vorgeworfen wird. FOTO: Jan Augustin / LR
Lauchhammer/Cottbus. Der Bundesgerichtshof bestätigt die Haftstrafe für einen Lauchhammeraner, der schon wieder vor dem Kadi steht. Von Jan Augustin

Im Prozess um zwei brutale Raubüberfälle in Lauchhammer hat der Vorsitzende Richter André Simon am Donnerstag zwar noch kein Urteil gesprochen, jedoch ein anderes nun rechtskräftig bestätigt bekommen – vom Bundesgerichtshof. Für den mit 26 Jahren jüngsten der drei angeklagten Männer dürfte diese Nachricht zu Beginn des zweiten Verhandlungstages ein Schock gewesen sein. Denn fest steht für ihn damit, dass er wegen eines anderen, früher begangenen Raubüberfalls für dreieinhalb Jahre hinter Gitter muss.

Und es könnten noch mehr werden. Denn die Cottbuser Staatsanwaltschaft wirft den drei Männern aus Lauchhammer zwei Raubtaten unter Anwendung von Gewalt und der Androhung mit einer Waffe vor. Das Strafgesetzbuch fordert dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren.

Besonders brutal soll der Überfall im März vergangenen Jahres gewesen sein. Faustschläge ins Gesicht und eine an den Hals gehaltene Machete stehen zu Buche. Wenn er etwas sage, dann werde er abgestochen, soll einer der drei Angeklagten sein Opfer bedroht haben. In der Zwischenzeit sollen die beiden anderen Täter ein Notebook, ein Smartphone, eine Playstation und ein paar Computerspiele eingesteckt und mitgenommen haben.

Das vermeintliche Opfer ist am Donnerstag als Zeuge geladen. Als Richter André Simon ihn belehren will, dass er die Wahrheit sagen muss und nichts verschweigen darf, fällt dieser ihm einfach ins Wort. Er wolle von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Kurze zweifelnde Stille, dann zieht sich die 2. Große Strafkammer zurück, berät zehn Minuten lang und kommt schließlich zu dem Schluss, dass der Zeuge einen Rechtsbeistand erhalten sollte, bevor er etwas vor Gericht aussagt. Dem jungen Mann ist das recht.

Auf die Hilfe eines Anwaltes verzichtet derweil ein anderer Zeuge – ein Nachbar, der die Geschehnisse in der Tat-Nacht zumindest zum Teil mitverfolgt hat. Der 59-jährige Mann sei von einer Nachbarin aus dem Block angerufen worden, die Krawall in einer Wohnung wahrgenommen habe. Der Landschaftsgärtner-Gehilfe habe auf dem Weg zu ihr nur diesen einen Satz aus der besagten Wohnung im dritten Stock gehört: „Ich habe kein Geld mehr“. Die Stimme seines Nachbarn habe er dabei erkannt. Nicht identifizieren konnte er indes die drei Personen, die kurz darauf aus der Wohnung gestürmt sein sollen. Die Kapuzen ihrer Pullis sollen tief ins Gesicht gezogen gewesen sein. „Ob es die drei Herren waren, kann ich nicht sagen, da ich sie nur von hinten gesehen habe“, erklärt er mit Andeutung auf die drei Angeklagten. Die Wohnung habe er im „Chaos“ und seinen Nachbarn „psychisch fertig und niedergeschmettert“ vorgefunden. „Er war am Boden zerstört“, erinnert sich der Lauchhammeraner. Auf seine Fragen, was passiert sei, habe er nicht geantwortet. Dass er die Polizei gerufen habe, sei bei seinem Nachbarn nicht unbedingt mit Begeisterung aufgenommen worden.

Die drei Angeklagten schweigen bisher. Am 21. Dezember soll am Cottbuser Landgericht weiterverhandelt werden. Erwartet wird als Zeuge auch das Opfer eines weiteren Raubüberfalls, der bisher krankgeschrieben war.