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| 16:40 Uhr

Neue Mitte Lauchhammer
Lauchhammer streitet über neues Rathaus

 So könnte es künftig aussehen: das neue Rathaus in der Wilhelm-Pieck-Straße in Lauchhammer.
So könnte es künftig aussehen: das neue Rathaus in der Wilhelm-Pieck-Straße in Lauchhammer. FOTO: Stadt Lauchhammer
Lauchhammer. Rund zehn Millionen Euro soll das neue Rathaus von Lauchhammer kosten. Auf einer Bürgerversammlung muss der Siegerentwurf für den Neubau viel Kritik einstecken. Auch die künftige Parkplatz-Situation gefällt nicht jedem. Von Torsten Richter-Zippack

Ganze acht Minuten: So lange hat es gedauert, bis nach dem Einstellen des Siegerentwurfes zum neuen Rathaus Lauchhammer im Internet die ersten Reaktionen kamen. „Sie waren alles andere als erfreulich“, blickt Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) zurück.

Auch in der jüngsten Bürgerversammlung zum Großprojekt der kommenden Jahre sind die Kritiker schnell zur Stelle. Während einer das direkt an der Wilhelm-Pieck-Straße im Stadtteil Mitte geplante Hauptgebäude des Rathauses aufgrund der großen Dachflächen mit einer Scheune vergleicht, bezeichnet ein weiterer Einwohner das gleiche Haus als „Krematorium“.

Besonders bemängelt werden die kleinen Fenster. Stadtverordneter Mike Nothing (Pro Lauchhammer/VSL) spricht von „Schießscharten“, die überhaupt nicht in das Stadtbild passten.

Bürger kritisieren neues Rathaus von Lauchhammer

Neben dem repräsentativen Haupthaus an der Wilhelm-Pieck-Straße soll auf dem insgesamt einen halben Hektar großen, bislang unbebauten Grundstück eine Art Gartenarchitektur in Form von Pavillons entstehen. Somit könnten alle Mitarbeiter einen Blick ins Grüne genießen.

     So soll sich das neue Rathaus im Modell ins Stadtbild von Lauchhammer einfügen. Vorn das repräsentative Hauptgebäude, dahinter die Pavillons, die sich in Richtung der Nikolaikirche öffnen.
So soll sich das neue Rathaus im Modell ins Stadtbild von Lauchhammer einfügen. Vorn das repräsentative Hauptgebäude, dahinter die Pavillons, die sich in Richtung der Nikolaikirche öffnen. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Darüber hinaus stören sich die Lauchhammeraner an der künftigen Parkplatz-Situation am neuen Rathaus. Denn den Planern zufolge sollen Besucher in erster Linie die bereits vorhandenen Stellflächen im Stadtzentrum nutzen.

Lediglich für die Rathausmitarbeiter werde es direkt neben der Behörde Parkplätze geben. „Da tun mir die Anwohner der Alten Gartenstraße schon heute leid“, merkt jemand aus dem Publikum an. Die Alte Gartenstraße ist die Parallelverbindung zur Wilhelm-Pieck-Straße. Diese könnte, so die Befürchtung, dann komplett zugeparkt werden.

Auch Zustimmung zum Siegerentwurf für Rathaus Lauchhammer

Allerdings gibt es auch Zustimmung zum Siegerentwurf für das Rathaus-Projekt. Ein älterer Ex-Lauchhammeraner, der heute in Heidelberg lebt, beglückwünscht die siebenköpfige Jury zu ihrer Entscheidung. „Ich war damals sehr erschrocken, als die Stadtverwaltung nach der Wende nach Lauchhammer-Süd umzog. Ein Rathaus gehört immer ins Stadtzentrum.“

 Prof. Heinz Nagler hat vor mehr als 100 Gästen Aussehen und Funktion des neuen Rathauses von Lauchhammer erklärt. Er selbst bezeichnet den Siegerentwurf als "unorthodox, komplett durchgeplant bis zur Türklinke".
Prof. Heinz Nagler hat vor mehr als 100 Gästen Aussehen und Funktion des neuen Rathauses von Lauchhammer erklärt. Er selbst bezeichnet den Siegerentwurf als "unorthodox, komplett durchgeplant bis zur Türklinke". FOTO: Torsten Richter-Zippack

Bürgermeister Roland Pohlenz und Prof. Heinz Nagler als Jurymitglieder stellen indes klar, dass der jetzige Siegerentwurf längst nicht eins-zu-eins umgesetzt werden müsse. Die winzigen Fenster im Hauptgebäude könnten durchaus vergrößert werden.

Und zum Aussehen dieses Hauses erklärt Heinz Nagler: „Es soll ins Stadtbild passen, gleichzeitig aber etwas Besonderes darstellen. Die monolithische Form wirkt nobel.“ Letztendlich, so der bundesweit bekannte Städteplaner von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, dürften die Lauchhammeraner stolz auf ihr neues Rathaus sein.

Neues Rathaus Lauchhammer könnte zehn Millionen kosten

Laut Bürgermeister Pohlenz könnte das Vorhaben mit rund zehn Millionen Euro zu Buche schlagen. „Das Land Brandenburg steht dabei fest hinter uns“, sagt das Stadtoberhaupt. Thomas Rother von der Stadtverwaltung ergänzt, dass man versuche, den kommunalen Eigenanteil auf möglichst zehn Prozent abzusenken. „Dieses Ansinnen ist nicht chancenlos“, argumentiert Rother.

Während der Bürgerversammlung sind die Architekten des Siegerbüros AWB aus Dresden nicht zugegen. Sie hatten den von der Stadt ausgeschrieben Architekturwettbewerb für sich entschieden. Von den insgesamt 47 Bewerbungen waren zwölf in die engere Auswahl gekommen.

Lauchhammer will ein neues Rathaus bauen, da der jetzige Verwaltungssitz im Stadtteil Süd nicht mehr zeitgemäß ist. „Die Räumlichkeiten sind eine Zumutung“, fasst Roland Pohlenz zusammen. Statt für eine Sanierung habe man sich für den Neubau im Stadtzentrum entschieden.

Dabei käme eine höhere Millioneninvestition zusammen, ergänzt Rainer Lehmann von der Stadtplanungsgesellschaft EWS. Zudem gebe es in Lauchhammer keine geeigneten, bereits vorhandenen Gebäude, in denen die verwaltung untergebracht werden könnte.