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Raser auf neuen Straßen beklagt

Die Freude der Anwohner über sanierte Straßen in der Ortrander Innenstadt weicht dem Ärger über Raser.
Die Freude der Anwohner über sanierte Straßen in der Ortrander Innenstadt weicht dem Ärger über Raser. FOTO: Sattler/sam1
Ortrand. Lange ist der schlechte Zustand der Friedhofsgasse und der Forstgartenstraße in der Ort rander Innenstadt beklagt worden. Im vergangenen Jahr hat die Stadt die Verkehrsadern weitgehend flottgemacht. Kathleen Weser

300 000 Euro wurden investiert. Doch die Freude der Anwohner ist seit dem Sommer schnell dem Ärger über die Fahrer gewichen, die hier der Beschilderung zuwider in verbotener Fahrtrichtung und mit dem Bleifuß in der Spur sind.

Grundstücksbesitzer beklagen, es sei jetzt vor allem in den Morgenstunden und am Nachmittag sowie samstags kreuzgefährlich, die Straße als Fußgänger überhaupt zu betreten. Zu befürchten sei, dass Senioren auf dem Weg zum Friedhof und zurück nach Hause, unter die Räder kämen. Mit Tempo 80 seien Autos unterwegs. Und nachts raube der Übergang vom neuen Asphalt auf den alten Verkehrsbelag auf dem Teil der noch unsanierten Fahrbahn der Forstgartenstraße den Anwohnern den Schlaf. Da kurzfristig mit dem weiteren grundhaften Ausbau des Verkehrsweges wohl nicht zu rechnen sei, solle doch eine einfache Deckenerneuerung erwogen werden. Auch das ist eine Bitte der hier lebenden Mitbürger.

Die hat die jüngste Ratsrunde in Ortrand jetzt aufgenommen. Die Beschilderung soll überprüft und aktualisiert werden. Und der digitale Polizist des Amtes soll zum Einsatz kommen, um Verkehrsfluss und Tempo zu erfassen. Denn der erhobene Zeigefinger der Anwohner wird von den Verkehrssündern konsequent missachtet, schildern Betroffene. Und Bürgermeister Niko Gebel (CDU) erklärt, die Ordnungsbehörde vor Ort ist machtlos. Für den fließenden Verkehr ist allein die Polizei zuständig. Die Beamten mit der Machtbefugnis, die unbelehrbaren Raser zu bestrafen, sollen mit den Daten der mobilen Messstelle jetzt Futter bekommen, um in Ortrand durchzugreifen.

Der Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung wird zum neuen Straßenbelag beraten. Die Ortrander erwägen zudem, sich für die technische Verkehrsüberwachung mit einer eigenen mobilen Messstelle auszurüsten. Der Betrieb des Gerätes, das die Amtsbrüder gemeinsam beschafft haben und wechselnd einsetzen, habe auch spürbare erzieherische Effekte.

Die geforderten Messungen an der Schulstraße und damit am Ort rander Bildungscampus haben in der Tempo-30-Zone maximal das Doppelte der erlaubten Geschwindigkeit ergeben. Auf der Ortsumfahrung sind auf Höhe der Kindertagesstätte und Schule oft ein Vielfaches mehr, sogar 120 Kilometer pro Stunde, aufgezeichnet worden.

In Mausewitz in Richtung Böhla indes ist das ausgewiesene Tempo akkurat eingehalten worden. Ein Zusammenhang mit dem mangelhaften Zustand der Straßen ist offensichtlich.

Die Kehrseite der Medaille gutausgebauter Verkehrsadern ist auch im Ortrander Stadtgebiet täglich nur zu spürbar.

Der Zustand der Friedhofsgasse ist lange beklagt worden. Die ausgebaute Verkehrsader ist jetzt kreuzgefährlich.
Der Zustand der Friedhofsgasse ist lange beklagt worden. Die ausgebaute Verkehrsader ist jetzt kreuzgefährlich. FOTO: Rasche/str1