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Großräschener Tafel erhält neues Kühlfahrzeug
Lebensmittel für die Seele

Katrin Frank arbeitet seit acht Jahren überwiegend ehrenamtlich für die Großräschener Tafel. Endlich darf sie ein zweites Kühlfahrzeug in Empfang nehmen.
Katrin Frank arbeitet seit acht Jahren überwiegend ehrenamtlich für die Großräschener Tafel. Endlich darf sie ein zweites Kühlfahrzeug in Empfang nehmen. FOTO: Josephine Japke / LR
Großräschen. Die Mitarbeiter der Großräschener Tafel freuen sich auf das dringend benötigte Kühlfahrzeug. Von Josephine Japke

Am frühen Morgen, im Nieselregen, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt stapeln und schleppen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Tafel Großräschen schwere Kisten durch die Gegend und machen Platz für die heutige Lieferung. Dann geht’s erst richtig los: eine Stunde lang klappern sie alle möglichen Supermärkte im Ort ab und sammeln ein, was sie kriegen können. Über Mandarinen, Äpfel und Bananen freuen sie sich besonders. Aber auch Joghurt und Wurst sind gern gesehen. Um die notwendige Kühlung der Lebensmittel sicherzustellen, überreichte Ministerpräsident Woidke der Tafel nun ein zweites und lang ersehntes Kühlfahrzeug.

„Bei frischen Lebensmitteln darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Einige Supermarktketten geben ohne so ein Fahrzeug gar nichts mehr raus, weil sie das Risiko, dass doch etwas passiert, nicht eingehen wollen“, erklärt Katrin Frank. Im Winter ist die Runde durch die örtlichen Supermärkte wegen der kalten Temperaturen zwar möglich, im Sommer ist das mit einem Kühlfahrzeug allerdings ein logistischer Aufwand. Der neue Transporter für die Großräschener Tafel kostet etwa 30.000 Euro - 10.000 Euro kommen aus der Lidl-Pfandspende, 20.000 Euro sind Lottomittel des Ministerpräsidenten.

Mit dem neuen Transporter kann die Versorgung von etwa 750 Personen in drei festen und vier mobilen Ausgabestellen zwischen Vetschau und Schipkau sichergestellt werden. Dreimal die Woche öffnen sich in Großräschen die Türen. Freitags kommen dann mehr als 100 Personen vorbei um sich Lebensmittel für das Wochenende abzuholen. „Gefragt sind vor allem Obst und Gemüse, da das für die Menschen nicht finanzierbar ist. Aber auch frische Wurst und Käse, Joghurt und Haushaltswaren sind sehr beliebt“, stellt Katrin Frank fest.

Sie ist sicher, dass sich die Supermärkte gerne beteiligen: „Erstens können sie so anderen helfen und zweitens sparen sie sich selbst den Abfall“, erklärt Katrin Frank und betont, dass die gespendeten Lebensmittel keinesfalls Müll sind: „Es sind überschüssige oder nicht mehr einwandfreie Lebensmittel, die den Kunden in Supermärkten nicht genügen würden.“

Die Mitarbeiterinnen der Großräschener Tafel sortieren die Ware dann nach Datum und Frische und entscheiden, was zuerst ausgegeben werden muss. Zehn Tage nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums dürfen die Artikel noch verteilt werden. „Unser Lager ist gut gefüllt. Und selbst wenn ein Lebensmittel ausgeht, haben wir immer Ausweichmöglichkeiten parat“, erklärt sie. Die randvollen Körbe kosten nur zwei Euro – haben aber oftmals einen Wert von mehr als 30 Euro. „Neulich haben wir eine riesige Lieferung mit teurem Lachs bekommen, der sofort verteilt werden musste. Das war schon etwas Besonderes für unsere Kunden“, freut sich die Chefin.

Dass es aber auch nicht zu besonders werden darf, hat sie ebenfalls schon gemerkt: „Ausgefallene Sachen, wie Quinoa und vegane Snacks werden kritisch beäugelt. Was der Bauer nicht kennt, frisst er eben nicht“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Oftmals sind sie und ihre Mitarbeiter die Seelsorge des Ortes, denn die Menschen erzählen ihnen ihre Lebensgeschichte. „Viele kennen wir schon seit Jahren, da sind wir manchmal schon persönlich involviert und erleben einige schöne, aber auch traurige Momente gemeinsam mit ihnen“, erklärt sie. Manche berichten in den Gesprächen von ihren Familien, dem Alltag, von Streit mit Behörden und ihren Träumen.

Auch Katrin Frank hat trotz neuem Kühlfahrzeug nicht ausgeträumt: „Ganz oben auf unserer Wunschliste steht ein Dach für unseren aktuell offenen Innenhof. Denn hier sortieren wir bei Wind und Wetter, Schnee und sengender Hitze die Ware und das ist manchmal alles andere als schön.“ Vielleicht kann auch dieser Wunsch bald realisiert werden.