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| 19:44 Uhr

Rätsel um die Nischen ist gelöst

Beim Abrüsten erster Blick auf das renovierte Gewölbe der Peter-Paul-Kirche. Foto: Gabriele Philipp/gph1
Beim Abrüsten erster Blick auf das renovierte Gewölbe der Peter-Paul-Kirche. Foto: Gabriele Philipp/gph1 FOTO: Gabriele Philipp/gph1
Senftenberg. Wie rasant sich eine Baustelle verändern kann, ist an der Senftenberger Peter-Paul-Kirche zu verfolgen. Die drei Bauabschnitte Turm, Kirchenschiff und Sakristei sind nach dem Sommer nicht wiederzuerkennen. Die oberste Etage des Turmgerüstes ist bereits abgebaut, die nächsten folgen. Gabriele Philipp / gph1

Die letzten Reparaturarbeiten, wie das Füllen der losen Fugen im Feldsteinmauerwerk, die Sanierung des Eingangsportals und die Ausbesserung der unteren Putzblenden, werden derzeit durch die Firma Neusch erledigt.

Der Kircheninnenraum zeigt jeden Tag ein Stück mehr von seiner neuen Schönheit, denn die Gerüstbauer schaffen Freiraum mit dem Abbau des 700 Quadratmeter großen Arbeitsgerüstes. Scheint die Sonne durch die inzwischen teilweise reparierten, gesäuberten und wieder eingebauten Bleiglasfenster, ist die neue Farbe der Deckengewölbe, Säulen und Wände zu erkennen. Schmutz und Wasserflecken sind verschwunden. Der frische Eindruck der nun "sauberen" Kirche ist nun sehr auffällig.

Sichtbares und Verstecktes

Viele Handwerkerleistungen sind nicht so offensichtlich. Während Tischlermeister Bialas vor dem Wiedereinbau in der Werkstatt die vielen Bänke und Stühle bearbeitet, hat die Firma TeGeMa für Beleuchtung, Heizung und Akustik verschiedene Kabel in die Säulen und auf der Orgelempore verlegt. Nun gilt es, sie unter die Fußbodenplatten zu bringen und mit diversen Schaltern und Sicherungen in den neuen Elektroschränken unterzubringen.

Den erhofften Gold- oder Silberschatz hat leider bisher niemand gefunden. Allerdings gehören die nach der Putzentfernung entdeckten spätgotischen Wandschränke und Nischen in der Sakristei zu den besonderen Kostbarkeiten des Baus. Der eiligst gerufene Görlitzer Bauhistoriker Ernest Nitzsche machte durch seine Befundfeststellung die Entscheidung des Gemeindekirchenrates leicht, den Fußboden mit handgestrichenen Backsteinen nicht zuzubauen, sondern nach der Säuberung sichtbar zu belassen.

Das Rätselraten um die im Mauerwerk zu sehenden Nischen, Türen und Wandschränke ist auch geklärt. Ein Großteil wird unter fachkundiger Leitung komplett geöffnet und kann später als Abstellfläche genutzt werden. Auch die ursprüngliche Tür ins Kirchenschiff, die vermutlich um 1890/91 vermauert wurde, wird nach steinkonservatorischen Maßnahmen reaktiviert.

Neue Fragen

Es stellen sich nun aber viele unvorhersehbare Fragen, deren Antworten neu zu bedenken sind. Wie wird die Sakristei beheizt? Kann das gefunden Lavarium (Wasch- und Ausgussbecken) wieder genutzt werden? Welche zusätzlichen finanziellen Mittel sind nötig, um die geforderten denkmalpflegerischen Aspekte zu gewährleisten? Ist zur geplanten Wiedereinweihung der Kirche im Advent die Sakristei inbegriffen?

Das Gefühl der Freude und Einigkeit bleibt trotzdem ein ständiger Begleiter der wöchentlichen Bauberatungen. Wie anstrengend waren die Malerei des Deckengewölbes oder die Maurerarbeiten am Turm bei über 35 Grad Hitze! Welche Schwierigkeiten haben die Elektroinstallateure bereitet aufgrund der völlig veralteten und nirgends verzeichneten Leitungen! Wie viel Geduld und fachmännisches Können brauchten Handwerker für die Restaurierung der verwitterten Fenster! Architekt Klaas Fiedler und Pfarrer Manfred Schwarz haben sowohl für die Bauarbeiter als auch die Planer stets ein Mut machendes und freundliches Wort übrig, zumal jetzt auch die ersten deutlichen Veränderungen des altehrwürdigen Gebäudes sichtbar werden und die Herzen höher schlagen lässt.