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Räschen klagt gegen Sorben-Aufnahme

Großräschen. Die Seestadt Großräschen will gegen ihre Aufnahme ins angestammte Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden beim Verwaltungsgericht Cottbus klagen. Das hat der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung mit großer Einstimmigkeit beschlossen. Andrea Budich

Zur rechtlichen Prüfung des Bescheids will Großräschen ein Rechtsanwaltsbüro aus Cottbus beauftragen.

Großräschens Stadtväter haben im Mai aus der Zeitung erfahren, dass sie nach einem Feststellungsbeschluss des Hauptausschusses des Landtages ins sorbisch/wendische Siedlungsgebiet kommen. Seitdem fühlen sie sich überrumpelt. "Wir werfen dem Kulturministerium vor, gegen das Prinzip der Freiwilligkeit verstoßen zu haben. Hier wird jedwede Demokratie und qualifizierte Meinungsbildung vor Ort ausgehebelt", ringt der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Christoph Schmidtchen, um Fassung.

Schon im November des Vorjahres hatte sich das Parlament gegen eine Zugehörigkeit gestemmt. Dieses Votum hatte sich die Seestadt nicht leicht gemacht. Das Thema ist lange intensiv und sogar wissenschaftlich begleitet diskutiert worden. "Wir haben eine sensible Entscheidungsfindung hinter uns", bestätigt Bürgermeister Thomas Zenker (SPD). Mit dem Ergebnis, dass es in den letzten 100 Jahren im Siedlungsgebiet der Stadt keine nachweisbaren sorbisch/wendischen Spuren gibt. Für den Ortsteil Saalhausen ist beispielsweise verbrieft, dass der letzte sorbisch sprechende Lehrer im Jahr 1850 in Pension gegangen ist. Die wendischen Gottesdienste haben in der evangelischen Kirche in Großräschen 1868 völlig aufgehört. Nur eine Bewohnerin aus Wormlage ist eine bekennende Sorbin. "Wir sind zum sorbischen Siedlungsgebiet ohne Sorben deklariert worden", unterstreicht der Bürgermeister.

Bei den angeführten sorbisch/wendischen Wurzeln wie Zampern, Stollenreiten, Wallauern und Maibaumaufstellen, handelt es sich aus Sicht der Stadtverordneten um ländliches Brauchtum, das keinen Bezug zum Sorben-/Wendentum habe. Mit Kopfschütteln haben die Hauptausschussmitglieder eine erste Hochrechnung zu voraussichtlichen Folgekosten quittiert. Für die zweisprachige Beschilderung würden mehr als 100 000 Euro auf die Stadt zukommen. Das größte Problem sieht der Bürgermeister jedoch darin, Sorbisch als zweite Amtssprache einzuführen.