| 02:44 Uhr

Räschen: Abrisskandidat blüht auf

Die großen Billard-Tische haben die "Lausitz" geprägt. Das echte Heraustragen vor dem großen Umbaustart überlassen die Akteure dann doch lieber den Bauleuten. Die Entkernung beginnt in zwei Wochen.
Die großen Billard-Tische haben die "Lausitz" geprägt. Das echte Heraustragen vor dem großen Umbaustart überlassen die Akteure dann doch lieber den Bauleuten. Die Entkernung beginnt in zwei Wochen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Großräschen. Die Kult-Gaststätte Lausitz wird bis zum Frühjahr für 1,8 Millionen Euro zur Begegnungsstätte "Haus der Caritas" umgebaut. Abrissfirma in den Startlöchern. Andrea Budich

Historischen stadtbildprägenden Gebäuden, die vom Verfall gezeichnet sind, eine Zukunft zu geben, darin ist Großrä schen inzwischen geübt. Nach Wettigs Hof, dem Kurmärker, dem Wohnheim der Ilse Bergbau AG für ledige Ingenieure, dem Haus der Landwirtschaft und dem Bahnhof beweisen Großräschens Stadtväter jetzt erneut ein goldenes Händchen mit der seit fünf Jahren leer stehenden Gaststätte "Lausitz". Aus der Insolvenz ersteigert, war ursprünglich der Abriss der Plan. Weil die Großräschener aber mit sehr viel Herzblut an dem Haus hängen, in dem über Jahrzehnte das kulturelle Herz der Stadt schlug, war der Abriss-Bagger für alle Beteiligten nie wirklich eine Option. "Alles, was eine Kleinstadt ausmacht, hat sich hier abgespielt. Die meisten Beziehungen wurden hier angebahnt", erklärt Bürgermeister Thomas Zenker (SPD), warum die Großräschener an der Ruine so hängen.

Für das neue, zweite Leben der "Lausitz" ist am Mittwoch symbolisch der Startschuss gegeben worden. Der Veranstaltungsort für Jugendweihen, Familienfeiern, Karneval und Diskoabende ist zwar Geschichte, das neue Nutzungskonzept aber gleichfalls sehr gefragt. Umgebaut wird die "Lausitz" zur Begegnungsstätte "Haus der Caritas" mit Sozialstation und Tagespflege. Bevor die Bauleute die Regie übernehmen, gestattete Bürgermeister Zenker am Mittwoch einen letzten Blick in die Kult-Räume. Dabei gab es auch einen Versuch, die beiden großen grünen Billard-Tische, die die Gaststätte lange Zeit prägten, herauszutragen. Bei dem Kraftakt waren sich alle Akteure schnell einig, dies lieber den Bauleuten zu überlassen. Im Schrottcontainer verschwinden die beiden Spieltische indes nicht. Großräschener Vereine haben ihr Interesse signalisiert.

Auch für die Caritas ist der Bau der Begegnungsstätte ein ganz besonderes Projekt, bestätigt Diözesancaritasdirektor Bernd Mones nach der Unterzeichnung des Mietvertrages. Die Sozialstation "Sankt Martin" in der Liebknechtstraße kann sich damit räumlich deutlich vergrößern. Mit drei Leuten im Dezember 1989 damals noch in der Barziger Straße an den Start gegangen, platzt die Sozialstation mit heute 50 Mitarbeitern inzwischen aus allen Nähten. Versorgt werden rund 200 Patienten. Viele davon werden mehrmals täglich besucht. Für die 16 Plätze in der Tagespflege gibt es schon vor dem Baustart reichlich Nachfrage. "Wir werden eine Warteliste anlegen müssen", sagt Leiterin Karin Lachmann mit viel Vorfreude auf den bevorstehenden Umzug.