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| 17:16 Uhr

Sicherheitsbedenken am Senftenberger See
Risiko am See-Radweg in Niemtsch

 Für Hans-Dieter Hebing ist es die vorerst letzte gewohnte Runde um den Senftenberger See gewesen. Seit Dienstag ist der Weg in Niemtsch gesperrt.
Für Hans-Dieter Hebing ist es die vorerst letzte gewohnte Runde um den Senftenberger See gewesen. Seit Dienstag ist der Weg in Niemtsch gesperrt. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Zwei Tage vor Himmelfahrt haben die Bergbausanierer ein etwa 500 Meter langes Stück der beliebten Strecke um den Senftenberger See sperren lassen. Grund sind Sicherheitsbedenken. Von Jan Augustin

Gut gelaunt radelt Hans-Dieter Hebing durch ein kleines Waldstück in Niemtsch, als er plötzlich von seinem Drahtesel absteigen muss. Ein rot-weißes Bakenfeld versperrt dem fitten Senftenberger Senior den Weg. Der 79-Jährige runzelt die Stirn, steigt ab und schiebt sein Rad um die Absperrung herum. „Sie sind der letzte Radfahrer“, ruft ihm Steffen Gerstdorf zu. Gerstdorf ist Vorarbeiter der Sanierungsfirma TDE. Mit zwei Kollegen schraubt er am Dienstagnachmittag ein Schild an den Wegesrand. „Sperrbereich – Betreten Verboten – Lebensgefahr“ ist dort aufgedruckt. Die drei Herren in Blaumann-Montur setzen sich in ihre Bauautos, fahren 500 Meter den Radwanderweg entlang und wiederholen dort die Prozedur.

Der beliebte Rundweg um den Senftenberger See ist seit Dienstag nun unterbrochen. Eine Umleitung erfolgt durch den Ort Niemtsch entlang der Dorfstraße oder alternativ über die Seestraße und Senftenberger Straße. „Ursache für die Sperrung sind neue geotechnische Bewertungen“, teilt Stefanie Klein, Sprecherin der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) mit. Das Sachverständigen-Gutachten sei erst wenige Tage alt. Auch wenn die Entscheidung so kurz vor den Feiertagen unpopulär ist, der LMBV sei nichts anderes übrig geblieben.

Gekippter Boden unterm Radweg

 Der Senftenberger See-Rundweg in Niemtsch ist seit Dienstag auf einer Länge von etwa 500 Metern gesperrt. Eine Umleitung führt durch den Ort entlang der Dorfstraße oder alternativ über die Seestraße sowie Senftenberger Straße.
Der Senftenberger See-Rundweg in Niemtsch ist seit Dienstag auf einer Länge von etwa 500 Metern gesperrt. Eine Umleitung führt durch den Ort entlang der Dorfstraße oder alternativ über die Seestraße sowie Senftenberger Straße. FOTO: LMBV

Hintergrund der vom Landesbergamt getragenen Maßnahme liegt in der Historie des Senftenberger Sees, in dem früher Braunkohle abgebaggert wurde. „Neben der Insel, die komplett aus gekipptem Boden besteht, handelt es sich auch in Niemtsch um einen aufgefüllten Bereich, über den der Radweg führt“, erklärt Stefanie Klein. Wie gefährlich das sein kann, machte die Rutschung im September vergangenen Jahres deutlich, als unweit von Niemtsch eine 250 mal 200 Meter große Fläche der Insel ins Wasser abgebrochen war.

Je nach Bodenbeschaffenheit und mit dem Aufsteigen des Grundwassers stellen die gekippten Böschungen und Flächen „einen zu berücksichtigenden Einflussfaktor hinsichtlich der Standsicherheit dar“. Deshalb ist auch das Betreten der unter Naturschutz stehenden Insel untersagt, schildert die LMBV-Sprecherin: „Die Pflugkippe Niemtsch, über die der Radweg führt, wurde in der Vergangenheit bereits zum Teil gesichert.“ Der Weg müsse während der Sicherungsarbeiten längerfristig gesperrt bleiben – „zur Gewährleistung der Sicherheit der Bürger“, betont sie. Wie lange das genau dauert und welche Technik zum Einsatz kommt, werde derzeit ermittelt.

Der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) reagiert gelassen auf die Nachricht. Negative Auswirkungen auf den Tourismus erwartet LSB-Sprechern Dana Hüttner nicht. „Es handelt sich hierbei um ein nur kurzes Teilstück des Radweges, welches gut umfahren werden kann. Die Sicherheit der Besucher und Bürger hat auch für uns Priorität.“

Niemtscher Ortsvorsteher ärgert sich

Ähnlich urteilt auch Ortsvorsteher Sven Muntel. Verstimmt ist er trotzdem. Muntel befürchtet, dass Radfahrer womöglich nicht mehr die demnächst wieder geöffnete Niemtscher Mühle oder den Liegeradverleih ansteuern könnten. Außerdem ärgert er sich darüber, dass er als Ortsvorsteher nicht direkt über die Sperrung informiert wurde.

Für den Senftenbeger Hans-Dieter Hebing, der täglich 20 Kilometer runterspult, ist der Umweg kein großes Problem. „Wenn es der Sicherheit dient, ist das in Ordnung“, sagt er, schwingt sich wieder auf sein Damenrad und düst davon.