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Pulsnitz in Ortrand noch nicht für den Hochwasserfall gerüstet

Die Gefahr an der Pulsnitzbrücke in Ortrand ist immer noch nicht gebannt. Die zugewucherte, marode Uferbefestigung droht einzustürzen.
Die Gefahr an der Pulsnitzbrücke in Ortrand ist immer noch nicht gebannt. Die zugewucherte, marode Uferbefestigung droht einzustürzen. FOTO: Feller
Ortrand. Die Pulsnitz von der Landesgrenze bei Kroppen bis zur Kreisgrenze bei Tettau ist längst noch nicht fit für das nächste Hochwasser. Manche Probleme gibt es seit Jahren, ohne dass sich etwas ändert. Manfred Feller

In Kroppen geht es bei der diesjährigen Fluss- und Deichschau mit Behördenvertretern von Land, Kreis und Kommunen schon gut los. Nach dem letzten Hochwasser waren die ausgespülten Uferbereiche flussabwärts der Heinersdorfer Brücke im Auftrag des Landes als Gewässereigentümer ordentlich befestigt worden. Jetzt droht neue Gefahr. Auf der rechten Seite kippen einige Kroppener ihre Grünabfälle - und das nicht wenig - einfach auf die steile Böschung oder stapeln Holz in dem laut Wassergesetz frei zu haltenden Gewässerrandstreifen. Die betreffenden Grundstückseigentümer erhalten demnächst Post von der unteren Wasserbehörde.

Auf der anderen Seite der Heinersdorfer Brücke arbeitet das neue Wehr. Daneben entsteht die Fischaufstiegsanlage. Während der Bauarbeiten darf das Grundstück der Sägemühle Merbeth genutzt werden. Dafür sind die Behörden dankbar. Im Mai 2017, so sieht es der Bauzeitenplan vor, erläutert Planungsingenieurin Anja Kaussow vom Gewässerverband "Kleine Elster - Pulsnitz", soll alles fertig sein.

Doch es gibt ein ungelöstes Problem. Vor dem Wehr lagern sich Unmengen von Sedimenten ab, die die Pulsnitz aus Sachsen mitschleppt. Werden die Schütze gezogen, weil mehr Wasser durchfließen muss, wird der Sand in das Tosbecken gespült. "Das ist ein riesiger Unterhaltungsaufwand", weiß die Fachfrau.

Deshalb wird nach einer Lösung und einem Ort gesucht, die Sedimente zur Entlastung von Kroppen und Ortrand bereits kurz nach der Landesgrenze aus dem Fluss zu baggern. Dies sei nicht einfach, weil es sich um ein geschütztes Gebiet handelt.

Christian Harig, Bereichsingenieur beim Landesamt für Umwelt, weiß, dass es zu DDR-Zeiten auf dem sowjetischen Übungsgelände in der Königsbrücker Heide ein Wasserrückhaltebecken gab. Dieses diente der Wasserregulierung und hielt Sedimente zurück. Gäbe es das Becken heute noch, könnte man sich einige der Investitionen in den Hochwasserschutz auf Brandenburger Seite sparen, so die Ansicht. Doch beide Bundesländer hätten sich selbst auf ministerieller Ebene dazu nicht einigen können, wird allgemein bedauert.

Zudem können die Sedimente nicht einfach, zum Beispiel auf Landwirtschaftsflächen, ausgestreut werden. Aus dem von der Pulsnitz gespeisten Mühlgraben, der die Teiche im Kroppener Park und der Fischzucht Sieber speist, liegen etwa 500 Kubikmeter ausgebaggerte Sedimente bei Kroppen auf Halde, weil sie nicht unbedenklich sind. Das hat eine Beprobung ergeben.

In Ortrand gibt es nach wie vor keine Lösung für das Problemgrundstück an der Brücke Straße der Einheit. Es sei inzwischen zwar behördlich als herrenlos festgestellt worden, doch der ehemalige Eigentümer habe nach wie vor für die Verkehrssicherungspflicht, so Ortrands Bauamtsleiter Rico Heinze. Nichtsdestotrotz müsse mit dem Land angesichts der einsturzgefährdeten Mauer an der Gefahrenabwehr gearbeitet werden. Spundwände sollen dort in den Boden gerammt werden. Doch wann?

Ein Stück weiter ein Hindernis mit Rückstauwirkung. Die A 13-Brücke taucht im Hochwasserfall in die Pulsnitz, die Fahrbahnen werden überschwemmt. An diesem Problem werde gearbeitet. Das Planfeststellungsverfahren laufe, so Gunnar Soyka vom Referat investiver Wasserbau beim Landesamt für Umwelt.

Entwarnung gibt es auch in Lindenau nicht. Um Park und Sportanlagen zu schützen, wäre auf dieser Seite ein hoher Deich erforderlich. Diesen wird es laut dem Land nicht geben, weil keine Menschen in Gefahr sind. Zudem seien dort nachträglich Bauten außerhalb der vorhandenen alten Wälle auf dem Sportgelände errichtet worden. Alles zu sichern, würde Unsummen verschlingen. Dennoch bleibe es den Lindenauern überlassen, weiter für den Schutz ihrer Güter zu kämpfen oder sie siedeln alles um, heißt es.