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Aus dem Gericht
Über Stunden eingesperrt und bewusstlos geprügelt

Cottbus/Senftenberg. Zwei Frauen und ein Mann aus Lauchhammer stehen seit Dienstag vor Gericht. Das Trio soll sein Opfer schwer misshandelt haben. Von Jan Augustin

Es ist ein weiterer Fall aus dem Senftenberger Drogenmilieu. Und er ist ungewöhnlich brutal: In einer Wohnung sollen die drei in Lauchhammer geborenen Angeklagten gemeinsam mit einem weiteren Mann ihr Opfer körperlich schwer misshandelt haben. Sie sollen von ihm die ­He­rausgabe von Geld und Drogen verlangt haben. Der Geschädigte soll mehrfach um einen Rettungswagen gebeten haben, was ihm verwehrt worden sein soll. Erst zwei bis drei Stunden nach dem Ende der Quälerei soll er die Wohnung verlassen haben können.

Als Zeuge hat das 28-jährige Opfer aus Senftenberg zum Prozessauftakt am Dienstag am Landgericht Cottbus ausgesagt. Seine Beschreibung des Tatabends vor fast genau einem Jahr gleicht einem wahren Martyrium. Demnach verabredete er sich damals per SMS für ein Treffen mit einer der Angeklagten (37) in ihrer Senftenberger Wohnung. Doch als er dort ankam, war sie nicht allein. Eine weitere Frau (35), sie sitzt ebenfalls als Angeklagte im Gerichtssaal, und ein Mann standen ihm gegenüber. Mit den Worten „Heute hast du Geburtstag“ soll er von dem Mann - der, weil er bis vor Kurzem nicht auffindbar war, gesondert angeklagt ist - empfangen worden sein. Dann prasselten die ersten „heftigen Schläge“ auf ihn ein. Die Wohnungstür wurde verschlossen. Die Angeklagten sollen sein Handy an sich genommen und Szenen der mehrstündigen Misshandlung gefilmt haben. Auch die 300 bis 400 Euro, die der Zeuge zuvor in einem Dönerladen am Spielautomat gewonnen haben will, kassierten die Täter ein. Später soll der dritte Angeklagte (40) die Wohnung betreten und so stark auf ihn eingeprügelt haben, dass er bewusstlos wurde. „Er hat so fest, wie er konnte, zugeschlagen“, sagt der 28-Jährige. Als er wieder aufgewacht ist, soll ihn eine der Frauen angegrinst haben. Zwischenzeitlich habe er seine Peiniger immer wieder um einen Krankenwagen angefleht, was sie nicht taten. „Ich hatte Angst um mein Leben“, sagt er. In der Verzweiflung wollte er sogar vom Balkon aus dem vierten Stock springen. „Lasst ihn doch“, sollen sie ihm zugerufen haben. Er tat es nicht. Nach zwei bis drei Stunden hatte die Gewalt ein Ende. Er durfte die Wohnung verlassen, schleppte sich blutend und mit Schmerzen am ganzen Körper die Treppen runter und klingelte bei einem Freund in der Nähe. Der rief ihm ein Taxi, das den Schwerverletzten ins Klinikum brachte. In Lauchhammer wurde er notoperiert. Die gerissene Milz wurde ihm entfernt. Für den Zeugen steht fest, dass die Tat geplant war. Dass sie ihn zusammenschlagen oder gar umbringen wollten.

Alle drei Angeklagten geben zu, damals auf den Zeugen eingeprügelt zu haben. Dass sie Geld forderten, sei allerdings nicht richtig. Die Motivation für die Tat ist noch unklar. Die 37-jährige Angeklagte schildert vor Gericht eine Zusammenkunft mit dem Zeugen eine Nacht zuvor: „Ich wollte mich von ihm trennen. Die ganze Nacht hat er mich geschlagen. Ich hatte Angst vor ihm.“

Für mehr Klarheit soll jetzt das Handyvideo sorgen, das der Zeuge als Kopie noch habe. Als Asservat war dieses zwar von der Polizei sichergestellt worden, erläutert der Vorsitzende Richter André Simon. Allerdings befinde es sich weder in der Akte noch sei es bei der Staatsanwaltschaft gefunden worden. „Wir wissen nicht, wo es ist“, sagt Simon.