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| 15:16 Uhr

Schwere Misshandlung in Senftenberger Wohnung
Angeklagter schildert stundenlange Quälerei

 Das Opfer wird über etwa drei Stunden in einer Wohnung in Senftenberg von zwei Männern und zwei Frauen so schwer misshandelt, dass ihm die gerissene Milz bei einer Notoperation entfernt werden muss.
Das Opfer wird über etwa drei Stunden in einer Wohnung in Senftenberg von zwei Männern und zwei Frauen so schwer misshandelt, dass ihm die gerissene Milz bei einer Notoperation entfernt werden muss. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Semftenberg. In Senftenberg wird vor zwei Jahren ein Mann schwer misshandelt. Einer der Täter muss sich jetzt am Landgericht Cottbus verantworten. Von Jan Augustin

Zynischer geht’s nicht: „Du hast heute Geburtstag“, sagt er zu seinem Kumpel, bevor er ihm mit der Faust heftig ins Gesicht schlägt. Die Szene läuft vor zweieinhalb Jahren in einer Senftenberger Wohnung ab – und sie ist der Auftakt einer langen und brutalen Misshandlung. Über etwa drei Stunden wird das Opfer von zwei Männern und zwei Frauen so schwer verletzt, dass ihm die gerissene Milz bei einer Notoperation entfernt werden muss. Während die beiden Frauen und einer der beiden Männer dafür im März 2018 zu Bewährungsstrafen verurteilt worden sind, steht seit Donnerstag nun der vierte Täter vor Gericht.

Der 37-Jährige räumt den von der Staatsanwaltschaft Cottbus gemachten Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung ein. „Ich habe damit angefangen. Ich habe ihm zuerst ins Gesicht geschlagen. Das gebe ich zu“, sagt er zum Prozessauftakt. Angeblich wollten sie ihr Opfer nur „zur Rede stellen“, weil eine der beiden Frauen am Vorabend von ihm geschlagen worden sein soll. Doch die Situation eskaliert. Wohl auch, weil eine Menge Drogen im Spiel sind.

Opfer wurde bis in die Bewusstlosigkeit geschlagen

Der Angeklagte gibt an, dass er fast 20 Jahre lang Crystal genommen hat. Auch an dem Abend seien von allen Anwesenden Drogen konsumiert worden. Das Opfer, das erneut als Zeuge aussagt, wurde weiter gequält, getreten und mit einem kabelähnlichen, etwa 40 Zentimeter langen Gegenstand bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen.

Als er wieder aufwacht, soll ihn eine der Frauen angegrinst haben. Zwischenzeitlich fleht er seine Peiniger immer wieder um einen Krankenwagen an. Doch der kommt nicht, obwohl seine damalige Freundin einen vermeintlichen Notruf absetzt. Ein Fake-Anruf, wie sie am Donnerstag dem Gericht beichtet.

Gerissene Milz wird bei einer Not-OP in Lauchhammer entfernt

In seiner Verzweiflung will der heute 30-jährige Lagerarbeiter damals sogar vom Balkon aus dem vierten Stock springen. „Lasst ihn doch“, sollen sie ihm zugerufen haben. Nach zwei bis drei Stunden hat die Gewalt ein Ende. Er darf die Wohnung, die während der Marter verschlossen gewesen sein soll, verlassen. Blutend und unter Schmerzen schleppt er sich die Treppen runter und klingelt bei einem Freund in der Nähe. Dieser ruft ihm ein Taxi, das den Schwerverletzten ins Klinikum bringt. In Lauchhammer wird er notoperiert und die gerissene Milz entfernt. Für den Zeugen steht fest, dass die Tat geplant war. Dass sie ihn zusammenschlagen oder gar umbringen wollten, erklärte er im ersten Prozess vor anderthalb Jahren.

„Ich kann nur sagen, dass es nicht meine Absicht war. Es tut mir sehr leid“, sagt der vierte Täter am Donnerstag. Die damalige Aggression erklärt er sich mit seinem starken Drogenkonsum. Bis zu einem Gramm Crystal und mehreren Gramm Marihuana habe er in dieser Zeit zu sich genommen – täglich. Dieses Leben habe er aber hinter sich gelassen. Er habe sich entgiftet und alle Senftenberger Kontakte abgebrochen.

Angeklagter soll in Großräschen mit Zange zugeschlagen haben

Zu der zweiten von der Staatsanwaltschaft gemachten Anschuldigung kann der Anklagte nicht viel Erhellendes beitragen. Auch dabei geht es um einen brutalen Vorwurf. So soll der Angeklagte im Juni 2017 in Großräschen einen Bekannten mit einer Zange gegen den Kopf geschlagen und die Herausgabe der Geldbörse verlangt haben. „Zum eigentlichen Tathergang kann ich nichts sagen. Da habe ich einen Filmriss“, sagt der Angeklagte. Vermutlich habe er an diesem Tag eine Menge Schnaps getrunken.

Kommenden Dienstag, 24. September, wird die Verhandlung am Landgericht Cottbus fortgeführt.