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| 14:46 Uhr

Revisionsprozess gegen Senftenberger Großdealer
Crystal-Lieferant genießt offenen Vollzug

 Als Zeuge hat am Montag am Landgericht Cottbus ein zu neun Jahren verurteilter Crystal-Lieferant aus Senftenberg ausgesagt. Der 30-Jährige kann die Freizügigkeiten des offenen Vollzugs genießen.
Als Zeuge hat am Montag am Landgericht Cottbus ein zu neun Jahren verurteilter Crystal-Lieferant aus Senftenberg ausgesagt. Der 30-Jährige kann die Freizügigkeiten des offenen Vollzugs genießen. FOTO: Fredrik Von Erichsen
Cottbus/Senftenberg. Ein verurteilter Drogenkurier hat am Montag im Revisionsprozess gegen den Senftenberger Großdealer Sven M. ausgesagt. Von Jan Augustin

Während Sven M.* mit Handschellen in den Saal geführt wird, spaziert einer seiner ehemaligen Drogenlieferanten mit Basecap auf dem Kopf in Richtung Zeugenstuhl. Er setzt sich und nimmt nach einem Flüstergespräch mit seinem Beistands-Anwalt den Hut ab. Zeuge und Angeklagter schauen sich kurz ins Gesicht. Dann grüßen sie sich mit einem Nicken: Am Montag ist am Cottbuser Landgericht der Prozess gegen den Senftenberger Sven M. fortgesetzt worden – mit einem verurteilten Drogenkurier als geladenen Zeugen. Trotz der gemeinsamen Vergangenheit ein Wiedersehen mit unterschiedlichen Vorzeichen. Während Sven M. seit seiner Festnahme vor zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzt, genießt sein ehemaliger Kumpan in Berlin die Freizügigkeiten des offenen Vollzugs. Dabei ist auch er zu einer langen Gefängnisstrafe von neun Jahren verurteilt worden.

Sein Prozess am Cottbuser Landgericht vor einem halben Jahr hatte für Aufsehen gesorgt. Verurteilt wurde neben dem heute 30-Jährigen auch sein Vater, der Revision einlegte. Die Cottbuser Richter hatten dem Senftenberger Vater-Sohn-Gespann drei Fälle nachgewiesen, in denen es je etwa anderthalb Kilogramm Crystal Meth aus Tschechien eingeführt und dann vor allem im Oberspreewald-Lausitz-Kreis verkauft hatte. Bei der vierten Tat Ende Juni 2017 schlug ein Sondereinsatzkommando der Polizei zu und stellte weitere knapp zwei Kilo Crystal sowie knapp 20 000 Euro sicher.

In mindestens zwei Fällen war Sven M. nach eigener Auskunft ein Großabnehmer des ausgeklügelten und illegalen Familienbetriebes. Auch wenn er ein Aussageverweigerungsrecht hat, bestätigt der Zeuge: „Im Kilobereich habe ich ihn beliefert.“ Zum verlangten Preis will er auf Nachfrage von Staatsanwalt Olaf Jurtz jedoch „keine Aussage“ treffen. Die kurze Verhandlung am Montag ist damit beendet. Beim nächsten Termin an diesem Freitag soll nun ein Polizist aussagen, später noch weitere Kriminalbeamte und ein anderer Lieferant, der sich gerade an einem Drogen-Entzug versucht. Der Prozess zieht sich, was von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gleichermaßen infrage gestellt wird.

Denn die Fakten liegen scheinbar alle auf dem Tisch: Sven M. war im Januar 2018 wegen Drogenhandels in insgesamt 114 Fällen und des unerlaubten Besitzes einer Pistole zu einer Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. Nun läuft seit gut drei Wochen der Revisionsprozess am Landgericht, bei dem sich alle Beteiligten auf einen Deal geeinigt haben: Sven M. soll gestehen. Dafür spart er drei Jahre Gefängnis. Im Gegensatz zum ersten Prozess hat sich der heute 38-Jährige auf den Deal eingelassen.

Der Senftenberger war vor zwei Jahren bei einer Razzia festgenommen worden. Einsatzkräfte vom Spezialeinsatzkommando stellten ihn, als er 200 Gramm Crystal an einen Dealer aus Lübben verkaufte. Die Ermittler fanden in einer Wohnung, die Sven M. als Bunkerort genutzt haben soll, kiloweise Drogen. Unter anderem soll er im Eigentum von 1,7 Kilo Crystal, 122 Gramm Kokain, 700 Gramm Haschisch und 738 LSD-Trips gewesen sein. In einem Keller fanden die Beamten eine scharfe Pistole mit Schalldämpfer, passende Munition, eine Geldzählmaschine und 12 000 Euro Bares.

⇥*Name geändert