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Protest in Schwarzheide gegen Art und Weise des Kita-Trägerwechsels

Schwarzheide. Nach der Pleite des Wequa-Vereins aus Lauchhammer sollte der unter Zeitdruck stehende Trägerwechsel der Kindertagesstätte "Micky Maus" in Schwarzheide-Ost eigentlich ein nahtloser Übergang werden. Weil Eltern, Erzieher und Abgeordnete in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen wurden, ist die Situation eskaliert. Der von den Fraktionschefs einberufene Runde Tisch am Mittwochabend drohte zu kippen. Manfred Feller

Es steht außer Frage, dass der seinerzeitige vorläufige Insolvenzverwalter des Wequa-Vereins, die Stadtverwaltungen Lauchhammer und Schwarzheide sowie die Jugendämter auf Landes- und Kreisebene alles getan haben, um drei Kindertagesstätten vor dem Aus zu retten. Das ist mit dem Segen der Abgeordneten in aller Eile auch geschehen.

Die Akteure vergessen

Doch auf dem Weg dorthin, das beklagen zahlreiche Eltern der Kita "Micky Maus" in Schwarzheide und Stadtverordnete, sind sie nicht mitgenommen worden. Am Ende hatte das Parlament nicht die Wahl zwischen den vier Bewerbern, sondern nur zwischen dem Vorschlag der Verwaltung, die A-Fi-Neu gGmbH als etabliertem Betreiber zu akzeptieren, oder das Aus der Kita zum 1. März zu riskieren. So ähnlich ist es den Abgeordneten in der entscheidenden Parlamentssitzung am 24. Februar von Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos) erläutert worden.

Weil die Kiste verfahren ist, hatten die Schwarzheider Fraktionsvorsitzenden am Mittwochabend zum klärenden Runden Tisch in das Bürgerhaus eingeladen. Gekommen waren zahlreiche Eltern, die Verwaltung, Abgeordnete, Erzieher beider A-Fi-Neu-Kitas und das Jugendamt.

Was da abgelaufen ist, war teilweise erschreckend. Ein Abgeordneter wird laut und deutlich, der Bürgermeister noch lauter. Er wirft Parlamentariern Wahlkampf auf dem Rücken der Kinder vor. Einige Eltern sehen keine andere Wahl, verlassen den Saal und wollen sich um einen anderen Kitaplatz bemühen, weil das Vertrauen dahin ist. Wenn in dieser Situation die Vernunft nicht siegt, könnte die Zukunft der kleinen Waldkita in Gefahr geraten, ist zu vernehmen.

Auch wenn der Bürgermeister in der großen Runde immer wieder betont, dass es eine demokratische Entscheidung mit deutlicher Mehrheit gegeben hat, hatten die Abgeordneten nicht wirklich die Wahl zwischen den vier Bewerbern. "Wir haben einen Träger vorgeschlagen, der in Schwarzheide einen Namen hat. Wir wollten kein Risiko eingehen", erläutert Hauptamtsleiter Manfred Richter das umstrittene Prozedere. "Der Bürgermeister hat uns Mitspracherecht versprochen. Wir hatten gar nichts", entgegnete eine empörte Mutti.

Die Ungewissheit und die Beruhigungsspillen für Eltern, Erzieher und Abgeordnete, wonach schon alles gut werden würde, führten nach Ansicht einiger Eltern zu unnötiger Verunsicherung, Spekulationen und sogar zu Angst um das Wohl der Kinder. Die teilweise negative Stimmung habe sich an jeder Kleinigkeit hochgeschaukelt. Prellbock ist nun der neue Träger, hinter dem Annett Fischer-Neumann steht.

Versöhnlicher Abschluss

Trotz der lautstarken Diskussion, der Proteste, Widerworte und Abkehr einiger weniger Eltern endet das Rundtischgespräch im gut besetzten Bürgerhaussaal versöhnlich. "Es ist doof gelaufen. Lasst es uns bitte besser machen", rief eine Mutti, deren Kind die Kita "Micky Maus" mit dem neuen Träger besucht, zu einem Neuanfang auf. Sie erhielt Beifall von allen Seiten.