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| 02:44 Uhr

Problemzone unter Denkmalschutz

Denkmalgeschützte und Gebäude der Wohnstadt 1, die den strengen Auflagen nicht unterliegen, stehen am Platz der Solidarität in Lauchhammer-Mitte nebeneinander. Das Ensemble im ursprünglichen Antlitz so modern zu sanieren, dass am schwierigen Wohnungsmarkt auch eine Nachfrage erzeugt werden kann, ist jetzt die große Herausforderung.
Denkmalgeschützte und Gebäude der Wohnstadt 1, die den strengen Auflagen nicht unterliegen, stehen am Platz der Solidarität in Lauchhammer-Mitte nebeneinander. Das Ensemble im ursprünglichen Antlitz so modern zu sanieren, dass am schwierigen Wohnungsmarkt auch eine Nachfrage erzeugt werden kann, ist jetzt die große Herausforderung. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Die Neustadt 1, die in den 50er-Jahren mit dem Aufbau der Großkokerei Lauchhammer für die Arbeiter erbaute Wohnsiedlung, ist Segen und Fluch zugleich. Die alte Schönheit ist zwar noch erkennbar. Doch das Wohnquartier ist vom Verfall stark gezeichnet. Kathleen Weser

Die Hoffnungen für das teilweise denkmalwerte Ensemble mit den Wohnungen in mehrgeschossigen Häusern, mit Ladengeschäften, großzügigen Hinterhöfen und Grünflächen liegen im Stadtumbau der weiter schrumpfenden Stadt Lauchhammer. Der Rettungsplan ist ein hartes Stück Arbeit. Das bestätigt Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos). Noch prallen Wunsch und Realität praktisch unversöhnlich aufeinander. Der Denkmalschutz und die Ansprüche an modernes Wohnen sind ein ungleiches Paar. "Geld für die Sanierung allein ist hier kein Garant für den Erfolg. Um die ehrgeizigen Ziele im Stadtumbau trotz des Denkmalschutzes zu erreichen, brauchen wir einen Kompromiss", betont Roland Pohlenz - auch sichtlich kämpferisch. Das Problem: Die Ansprüche an modernes Wohnen haben sich verändert. Der Wärmeschutz und damit die energetische Sanierung der alten Gebäude sind auch für Mieter längst zum entscheidenden Element geworden. Von den Holzfenstern und den nicht von außen dämmbaren Fassaden denkmalwerter Wohnhäuser bis zu Parkplätzen in Sichtweite der erst wieder in die Neustadt 1 zu lockenden Mieter sind Konflikte aufzulösen. Die großzügigen Grünanlagen vor den Häusern an der breit ausgebauten Grünewalder Straße, die seinerzeit auch für eindrucksvolle Aufmärsche der Werktätigen so geplant worden war, bieten zwar den Platz für den gewünschten Mieter-Komfort. Das Auge des Historikers aber tränt schon bei der Vorstellung.

Innendämmungen kosten wiederum Platz in den Räumen. Die Grundrisse zu verändern, ist schwierig. Große Balkone, die in der Erbauungszeit in unmittelbarer Nähe der Fabrikschlote und des strengen Duftes aus den Kokerei-Anlagen überhaupt nicht zur Debatte standen, sind nun nachgefragt. Mit den Auflagen der Landesdenkmalbehörde aber steht das nicht im Einklang. "Wir holen uns nun Rat und damit hoffentlich überzeugenden fachlichen Beistand", erklärt das Stadtoberhaupt. Ein Architektenbüro und Freiraumplaner sollen jetzt Kompromissvorschläge für die denkmalwerte Wohnstadt 1 erarbeiten.

Zum Thema:
Im Jahr 1952 wurde entschieden, die Wohnstadt I in Lauchhammer-Mitte und den Wohnkomplex Friedenseck in Lauchhammer-Ost zu bauen. Die sozialistische Arbeitersiedlung sollte modern und von viel Grün umgeben sein. Mieter der Werkswohnungen mit zwei bis fünf Zimmern waren Beschäftigte der Großkokerei, des Braunkohlenwerkes (BKW) Friedenswacht und des Volkseigenen Betriebes (VEB) Bagger-, Förderanlagen- und Gerätebau (BFG) Lauchhammer. Parallel dazu entstanden Kindergarten, Schule, Betriebspoliklinik, Betriebsberufsschule, Kultur-, Sport- und Sozialeinrichtungen für die wachsende Bevölkerung in der aufstrebenden Industriestadt. Anfang der 1960er-Jahre wurde die Wohnstadt II gebaut, bis in die 80er folgte die Wohnstadt III. Nach der Wende ist Lauchhammer durch den Verlust der Kohle-Arbeitsplätze seit den 90er-Jahren noch rasanter geschrumpft.