ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:34 Uhr

Lausitzer in London
Premierenfahrt fürs Seenland-Mobil

Schieben gemeinsam den Traum vom Seenland-Mobil voran: Das Team Lausitz Dynamics mit dem neuen Piloten Niklas Richter.
Schieben gemeinsam den Traum vom Seenland-Mobil voran: Das Team Lausitz Dynamics mit dem neuen Piloten Niklas Richter. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Lausitzer Studenten greifen wieder beim Shell Eco-Marathon an. Dieses mal mit „Mammut“ - einem alltagstauglichen Gefährt, das auch durchs Seenland düsen soll. Von Jan Augustin

Viel Zeit ist nicht mehr. Zwei Monate bleiben den Studenten vom Team Lausitz Dynamics noch, um ihr neues Fahrzeug flott zu machen für den Shell Eco-Marathon vom 5. bis zum 8. Juli in London. Doch noch ist „Mammut“ nicht fertig. Das Fahrgestell lässt sich zwar schieben, hat schon Räder, Sitz und Lenkrad. Was fehlt, sind aber noch die Elektronik, das Getriebe und die Karosserie. Lieferprobleme beim Produzenten wirbeln den Zeitplan durcheinander, erklärt Christin Faulstich, die Organisationschefin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der BTU Cottbus-Senftenberg. Aber die Nachwuchswissenschaftler sind optimistisch, pünktlich in die Zielgerade des Queen-Elizabeth-Olympic-Parks einzubiegen und beim Eco-Marathon mitzufahren.

Ziel dieses Wettbewerbs ist es, auf einer bestimmten Distanz mit möglichst wenig Kraftstoff auszukommen. In die Wertung kommt, wer eine festgelegte Zahl von Runden des Parcours innerhalb einer Maximalzeit absolviert. Gefahren wird in zwei Kategorien: Im Gegensatz zur Kategorie der „Prototypen“, bei der den Teams in der Konstruktion kaum Grenzen gesetzt sind, müssen die Fahrzeuge der Kategorie „UrbanConcept“ auch für den Straßenverkehr geeignet sein.

Genau das soll auch der Lausitzer „Mammut“ sein. Erstmals startet das BTU-Team in dieser Kategorie. „Der große Unterschied: Es muss alltagstauglich sein“, erklärt der technische Leiter Daniel Britz (28). „Mammut“ fährt sicher auf vier Rädern. Scheinwerfer, Scheibenwischer und Kofferraum gehören zur Ausstattung. „Es ist deutlich komfortabler geworden“, betont der Chefkonstrukteur.

Seit zwei Jahren tüftelt das 18-köpfige Studententeam unter Mithilfe von Professoren an dem wegen seiner Aufgabenvielfalt bezeichneten Projekt. Nun steht ein erster Prototyp kurz vor Vollendung. Das Modell aus dem 3D-Drucker verspricht ein ausgefallenes Design. Während der Frontbereich einem VW Käfer, Baujahr 2025, gleicht, ähnelt das Heck dem Bat-Mobil aus dem bekannten Fantasyfilm. Klar, will man in London gut abschneiden, sagt Daniel Britz. Was die jungen Forscher aber noch mehr antreibt, ist der Wille ein einzigartiges Auto aus der Region und für die Region zu erschaffen. „Es bleibt unser langfristiges Ziel: Wir wollen ein Seenland-Mobil“, sagt die 33-jährige Christin Faulstich. Ihre Vision: Vor allem Touristen sollen irgendwann einmal mit „Mammut“ regengeschützt auf den Lausitzer See-Radwegen entlang fahren können.

Die Londoner Premierenfahrt des möglichen Seenland-Mobils wird Niklas Richter übernehmen. Der 22-Jährige war im vergangenen Jahr schon als Ersatzpilot mit in die englische Hauptstadt gereist. Doch die Jury dort untersagte ihm wegen seiner Größe einen eventuellen Start in der viel kleineren und unbequemeren „Lady“. Nun bringt er die optimalen Voraussetzungen mit: Sein Kampfgewicht liegt genau beim geforderten Minimum von 70 Kilogramm. Als neuer Pilot des wasserstoffbetriebenen Autos löst der Maschinenbau-Student die Biotechnologie-Studentin Anastasia Skifov (21) ab. Sie ist jetzt die Team-Chefin. Der großen Verantwortung sei sich bewusst. „Aber es macht ja auch Spaß“, sagt sie.

Mithilfe eines 3D-Druckers ist dieses Modell des Seenland-Mobils entstanden. Studenten und Lehrkräfte tüfteln seit zwei Jahren an einem alltagstauglichen Fahrzeug.
Mithilfe eines 3D-Druckers ist dieses Modell des Seenland-Mobils entstanden. Studenten und Lehrkräfte tüfteln seit zwei Jahren an einem alltagstauglichen Fahrzeug. FOTO: LR / Jan Augustin