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Premiere für den Großräschener Wein

Geschafft! Großräschen hat eigenen Wein. Mit dem rubinroten Pinotin stoßen die Winzer Dr. Andreas Wobar und Ehefrau Cornelia bei der Jungweinprobe an.
Geschafft! Großräschen hat eigenen Wein. Mit dem rubinroten Pinotin stoßen die Winzer Dr. Andreas Wobar und Ehefrau Cornelia bei der Jungweinprobe an. FOTO: Rasche/str1
Großräschen. Skeptiker sind bei der Großrä schener Jungweinprobe am Freitagabend eines Besseren belehrt worden: Der Großäschener Wein schmeckt. Nicht sauer oder bitter, wie mancherorts befürchtet, sondern fruchtig und frisch. Der Weiße nach einem Hauch Pfirsich, der Rote nach schwarzen Beeren. Andrea Budich

"Sie müssen riechen, Sie müssen schmecken!" So fordert Winzer Dr. Andreas Wobar die Jungwein-Trinker auf, mit allen Sinnen zu genießen, um sich an das typische Großräschener Bukett heranzutasten. Runde 1 eröffnet der Landwirt, der die 5000 Rebstöcke als Sonderkultur anbaut, mit einer echten Rarität. Es ist eine erste Kostprobe der Cabernet blanc-Trauben, die erst 2013 auf den Großräschener Weinhang gepflanzt wurden. Sie sollten eigentlich gar nicht gelesen werden, weil der Ertrag noch zu klein ist. Einige blieben trotzdem hängen und wurden bis in den späten Oktober von der Sonne verwöhnt. "Wir haben die gut 20 Kilogramm im Ballon ausgebaut", erklärt der Winzer. Die wenigen Flaschen reichen für eine erste Kostprobe und geben einen Vorgeschmack auf die eigentliche Cabernet blanc-Premiere im nächsten Frühjahr. Die Gäste in der Weinscheune sind begeistert. Der erste Tropfen, den sie vom Großräschener Weinberg probieren, hat den Test bestanden und lässt die Vorfreude auf die nächsten Proben steigen.

Vor dem ersten Schluck vom weißen Solaris und roten Pinotin lüftet das Winzerpaar zunächst das gut gehütete Geheimnis um das Etikett des ersten Jahrgangs. "Premiere Weiß" und "Premiere Rot" heißt es vielversprechend auf den vom Großräschener Grafiker Uwe Knauth entworfenen Aufklebern. Enttäuscht sind die, die erwartet hatten, dass Großräschener Wein draufstehen würde. "Wir haben das Rebrecht für Brandenburger Landwein", erklärt Dr. Cornelia Wobar den verordneten Verzicht auf die exakte Ortsangabe. Was aber ins Auge springt, ist der Hinweis auf die besondere Lage, die es im Land Brandenburg nur in Großräschen gibt. Mit bis zu 33 Prozent Neigung an der Viktoriahöhe ist der Weinberg unterhalb der IBA-Terrassen der steilste Brandenburgs. Nach deutschem Weinrecht handelt es sich ab 30 Prozent um Weinanbau in Steillagen.

Den ersten Geschmackstest bestehen der Weiße und Rote mühelos. Dass er so wohltuend auf der Zunge liegt, nehmen viele Gäste sichtlich überrascht zur Kenntnis. Großräschens Unternehmer Thomas Adam zeigt sich erstaunt, wie fruchtig ein trockener Weißwein schmecken kann. Als Stadtverordneter ist er jetzt davon überzeugt, bei der Vergabe des Pachtvertrages unter den damals fünf Bewerbern den Richtigen ausgewählt zu haben. "Mehr kann man für seine Heimatstadt nicht tun", lobt er Herzblut und regionale Verbundenheit des Winzerpaares. Der leichte Hauch von Pfirsich überzeugt auch Familie Wendland aus Neudöbern. "Der Wein wird ein Hit", ist sich Heike Kockejei nach einem tiefen Schluck sicher. Beim samtigen Pinotin gefallen ihr besonders die fruchtigen Aromen nach schwarzen Johannisbeeren und Kirschen. Die Marktleiterin will den Wein so schnell wie möglich in ihren Regalen stehen haben. "Der findet reißend Absatz", sagt sie und verhandelt noch am selben Abend mit den Winzern. Dass sein Wein gut geworden ist, hat Winzer Wobar schon geahnt. "Der hält den Vergleich mit Meißner Weinen stand", zeigt er sich selbstbewusst. Von der außergewöhnlich guten Qualität des Lesegutes war im Vorjahr selbst der erfahrene Kellermeister Jacques du Preez im Weingut Prinz zur Lippe in Meißen erstaunt. Was wohl auch an den besonderen Merkmalen des Bergs am Fuß der IBA-Terrassen liegt. Die Südhanglage wird zusätzlich verstärkt durch die Wirkung des Großräschener Sees als Wärmespeicher. Der Rote und Weiße, den Winzer Wobar dort wachsen lässt, hat aus der Seestadt jetzt auch eine Weinstadt gemacht.

Zum Thema:
14. April 2010 - Antrag der Stadt Großräschen beim Land auf Zuteilung von Rebrechten29. März 2011 - Bescheid des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft über einen Hektar Rebrechte22. Juli 2011 - In der Lausitzer RUNDSCHAU wird ein Pächter für den Weinberg gesucht7. September 2011 - Die Stadtverordneten beschließen den Vergabe des Pachtvertrages an den Großräschener Landwirt Dr. Andreas Wobar20. April 2012 - Aufrebung des Großräschener WeinbergsMai 2013 - Pflanzung weiterer Reben2014 - Erste Lese2015 - Erster Jahrgang in FlaschenDer Weinverkauf startet nach der Brandenburger Jungweinprobe am 9. Mai auf den IBA-Terrassen sowie im Hofladen des Hauses der Landwirtschaft am Markt.

Getestet und für erstaunlich gut befunden. Die Großräschener lassen sich den fruchtigen Solaris schmecken.
Getestet und für erstaunlich gut befunden. Die Großräschener lassen sich den fruchtigen Solaris schmecken. FOTO: Rasche/str1