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Premiere für das mobile Meldeamt

Student Kevin Wittchen hat seinen Hauptwohnsitz von Guben nach Senftenberg verlegt. Die Änderung im Personalausweis hat Anja Hagendorf-Mai mobil an der BTU vorgenommen.
Student Kevin Wittchen hat seinen Hauptwohnsitz von Guben nach Senftenberg verlegt. Die Änderung im Personalausweis hat Anja Hagendorf-Mai mobil an der BTU vorgenommen. FOTO: Groebe
Senftenberg. Für ein paar Tausend Euro hat sich die Stadt Senftenberg ein mobiles Einwohnermeldeamt, den sogenannten Bürgerkoffer, zugelegt. Die neuen Studenten der BTU Cottbus-Senftenberg waren am Dienstag die Ersten, die diesen neuen Service der Kreisstadt vor Ort auf dem Campus genutzt haben. Manfred Feller

Vorteil: Zum Anmelden des Wohnortwechsels müssen sie nicht in das Einwohnermeldeamt und dort die Wartezeiten noch mehr strapazieren. Immerhin haben sich zum Wintersemester mehrere Hundert Studenten neu an der Uni eingeschrieben.

Wie Anja Hagendorf-Mai, Sachgebietsleiterin Melde- und Personenstandswesen, erläutert, kann der bei der Bundesdruckerei erworbene mobile Arbeitsplatz mit Laptop und Meldesoftware, Änderungsterminal für Dokumente (für Adressänderungen), Scanner, Drucker, Fingerabdruckscanner und elektronischem Signaturpad zum Beispiel auch in Pflegeheimen, nach der Umbenennung mehrerer Straßen oder in Asylbewerberheimen eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind mit dem Koffer immer zwei Behördenmitarbeiter unterwegs. Zudem, so Anja Hagendorf-Mai, sind die Daten nicht auf dem mobilen Rechner, sondern auf dem Server im Rathaus hinterlegt.

Wer wie Studenten für eine längere Zeit seinen Wohnsitz verlagert, der muss sich binnen zwei Wochen ummelden, so die Sachgebietsleiterin. Auch Studierende würden dies gern vergessen. Was viele Zugezogene nicht wissen: Den Säumigen droht ein Bußgeld. Bis zu 120 Euro habe die Senftenberger Behörde deswegen schon verhängen müssen. Die Stadt bemühe sich über die Vermieter, die Studenten an deren Pflicht zu erinnern.

Die Neuen an der Uni haben die Möglichkeit, Senftenberg als Neben- oder Hauptwohnsitz zu beantragen. Student Kevin Wittchen aus Guben hat sich am Dienstag für Senftenberg als Hauptwohnsitz entschieden. Die Änderung in seinem Personalausweis hat Anja Hagendorf-Mai nach sofort ausgefülltem Antrag umgehend mobil vorgenommen.

Wer sich für die Hauptwohnsitzvariante entscheidet, erhält jedes Jahr von der Stadt einen 100-Euro-Gutschein. Diesen kann der Student in den freiwillig teilnehmenden Buchläden, im Theater, im Tierpark, für Schiffsfahrten, touristische Aktivitäten, in Fitnessstudios, Bäckereien, Cafés und Gaststätten einlösen. Der Vorteil liegt nach Auskunft von Stadtsprecher Andreas Groebe auf beiden Seiten: Die Studenten verlassen ihren Campus und lernen ihre neue Heimat auf Zeit kennen, und die Anbieter haben möglicherweise neue Kunden gewonnen.

Neu-Senftenberger machen sich auch deswegen für die Stadt bezahlt: Für jeden Einwohner gibt es Schlüsselzuweisungen vom Land in schwankender niedriger dreistelliger Höhe. Etwa 100 Studenten wählen jährlich Senftenberg als ihren Hauptwohnsitz.

Kevin Wittchen ist binnen zehn Minuten Senftenberger geworden. "Ich habe noch keine Veränderung gespürt", freut sich der Biotechnologiestudent darauf, die Stadt bald näher kennenlernen zu können. Der Gubener ist noch nie hier gewesen und kennt auch das Seenland nicht. Dass man hier gut Rad fahren, Kraftsport betreiben und ins Theater gehen kann, hört er gern. Obwohl seine Leidenschaft momentan eher den PC-Spielen gehört. Und er lernt fleißig, wirft sein mitgereister Vater Hans-Joachim Wittchen ein. Seinen Sohn hat der alleinerziehende Vater untergebracht. Zu Hause kümmert er sich noch um zwei schulpflichtige Töchter.