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Preisgekrönte Italienerin aus dem Hohenbockaer Stall

Willy Mulka (82) züchtet seit 1966 Schwarze Italiener. In diesem Jahr hat er wieder eine preisgekrönte Schönheit gezüchtet.
Willy Mulka (82) züchtet seit 1966 Schwarze Italiener. In diesem Jahr hat er wieder eine preisgekrönte Schönheit gezüchtet. FOTO: Steffen Rasche/str1
Hohenbocka. Glückliche Schwarze Italiener legen auf dem Hof von Willy Mulka in Hohenbocka fleißig arschfrische Eier. Und die Hühner machen sich auch im Suppentopf hervorragend. "Das gehört dazu zum Leben auf dem Land", sagt der 82-Jährige. Am meisten freut sich der langjährige Züchter aber, wenn sein selten gewordenes Federvieh sich fein herausgeputzt als Sieger präsentiert – wie am Wochenende zur Rassegeflügelausstellung. Kathleen Weser

Das große Schnattern, lautstarke Krähen und akkurate Aufstellen des prächtigen Federkleides lockt am Wochenende zahlreiche Züchter von Geflügel und Schaulustige nach Hohenbocka. Unter den mehr als 30 Ausstellern ist Willy Mulka, der im Dorf zu Hause und im heimischen Verein ein Mann der ersten Stunde ist. "Ich bin seit 1966 dabei", erklärt er mit einem verschmitzten Lachen. Denn das Gründungsdatum wird auf 1967 datiert. Gefunden hatten sich die Kleintierhalter des Dorfes frühzeitig. Doch der Kreisvorsitzende kränkelte damals - was die Gründungsveranstaltung über den Jahreswechsel hinaus verschob.

Aus Februar-Ei schlüpft Sieger

Im Februar ist das Ei für das nunmehr taufrisch als bestes preisgekröntes Huhn von Willy Mulka im heimischen Stall gelegt worden. Im März ist das Küken geschlüpft. Dass es sich prächtig und zu einer echten Schönheit entwickelt, kann der Züchter erst erkennen, wenn sich das Tier das zweite Federkleid zulegt. Da hatte Willy Mulka schon die Hoffnung, dass das Huhn ganz vorn mitmischen könnte. Über die Höchstnote vorzüglich (97 Punkte sind die erreichbare Bestnote) und einen Ehrenpreis freut sich der Züchter jetzt sehr.

Große Hühner wie seine Italiener stehen auf der Liste gefährdeter Haustierrassen "und sind auf vielen Ausstellung schon nicht mehr zu sehen", erklärt er. "Wir wollen alte Rassen erhalten", ergänzt Willy Mulka. Und das ist mit viel Arbeit, Geduld - aber auch großer Freude verbunden.

Strenge Kriterien

Schlappe 15 Jahre hat der Hohenbockaer zunächst gebraucht, bis die strengen Preisrichter seine besten Tiere als weitestgehend makellos bewertet haben. Die Hühner, die auf Ausstellungen gezeigt werden, müssen ein vollständiges Federwerk tragen, das rassespezifisch ausgeprägt ist. Der Kammaufbau muss exakt sein. Knochenbedingte Fehlbildungen werden gnadenlos mit Punktabzug bestraft.

Das mittelgroße, kräftige Huhn aus dem Mulka-Stall zeigt ein schwarzes volles Federkleid, das käfergrün glänzt und wohl geformt ist. Es darf als figurbetont beschrieben werden. Denn es liegt fest an und lässt kein helles Untergefieder hervorblitzen. Der Schwanz ist einem Fächer gleich ausgebildet. Die Läufe sind gelb, die Schnabelfarbe ist kräftig und der Kamm ebenso korrekt rot wie die Iris der Augen. Die Schenkel sind voll befiedert und kommen gut zum Vorschein. An den Proportionen ist nichts auszusetzen. Die Preisrichter zeigen sich beeindruckt. Kein einziger Fehler oder Mangel wird vermerkt. Der Züchter kann rundum zufrieden sein. Willy Mulka erwägt deshalb, sich nun auch bei einer Sonderschau in Mittelherwigsdorf (bei Zittau) mit anderen Züchtern zu messen. "Hier werden nur Hühner der Rasse Italiener gezeigt in allen Farbschlägen aus ganz Deutschland. Das reizt mich schon", sagt er. In Spitzenzeiten hatte der Hohenbockaer bis zu 35 Schwarze Italiener auf dem Hof. Derzeit sind es acht.

Teil der Gemeinschaft

Der Züchter ist stolz auf seine Erfolge, sieht sich aber immer als Teil der Gemeinschaft. Und er kennt sich beim Geflügel aus. Von der Weißen Warzenente über Laufenten, die als eifrige Schneckenfresser gelten, bis zum Strupphuhn. "Mit der Rasse muss sich jeder Züchter wirklich intensiv befassen. Und jeder Hinweis der Preisrichter hilft weiter, auch wenn das Urteil zunächst bitter ausfallen sein kann", sagt er.

Das wird im Verein auch an Jungzüchter Erik Espenhahn (11) weitergegeben. Das betont Vereinschef Gerold Schröder sichtlich stolz auf den Filius in den Reihen der erfahrenen Züchter. Zwei große Preise hat der Spross des Vereins abgesahnt. Dabei hat er mit der Taubenzucht erst im vergangenen Jahr begonnen. Nach der Ausstellung in Hohenbocka wollte er unbedingt selbst mitmachen.

Vereinsspross ein kühler Rechner

19 Tauben hat er jetzt. Und die pflegt der Elfjährige akribisch. "Schnabelpflege und das Säubern der Füße sind für die Ausstellung wichtig", erzählt er. Den Schnabel akkurat zu kürzen und mit Sandpapier in Form zu feilen, sei kein Problem für ihn. Zwei ausgezeichnete Tauben gurren im Käfig. Über einen Sack Futter, den er auch gewonnen hat, freut sich der Junge besonders. "Meins ist fast alle", erzählt er vergnügt. Der Gewinn erspart ihm Taschengeld. "Auch die Standgebühr bezahle ich selbst", betont er. Das Preisgeld streicht er neben dem Erfolg auch gern ein. "Ich mag es, die Tauben zu beobachten", sagt er schlicht. Von seinem Schlag wünscht sich der Verein noch mehr Kinder und Jugendliche in den eigenen Reihen, damit die ländliche Tradition der Geflügelzucht fortgeführt und vor allem im Dorf weiter gelebt wird. Das hat einen Namen unter den Züchtern von Haustieren: Hohenbocka ist zu DDR-Zeiten eine Hochburg der Gänsezüchter gewesen. 14 der 18 Zuchten waren anerkannt und im Osten damit auch sehr bekannt.

Zum Thema:
Bestnoten und damit Ehrenpreise haben bei der Rassegeflügelausstellung in Hohenbocka erhalten: Steffen Moschke aus Wiednitz, Karsten Bennewitz aus Schwarzheide, Lothar Schiebel aus Hohenbocka und Heiko Mattuschka aus Altdöbern. Insgesamt sind am Wochenende 314 Tiere vom Geflügel über Enten und Hühner sowie Tauben gezeigt und bewertet worden.