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| 14:56 Uhr

Gartentier 2018
Prämierte Erdhummeln mögen die Lausitz besonders

Gartentier des Jahres 2018: die Dunkle Erdhummel, die ihren Nektar auch in der Lausitz tankt.
Gartentier des Jahres 2018: die Dunkle Erdhummel, die ihren Nektar auch in der Lausitz tankt. FOTO: Mark Horton/shutterstock
Lauchhammer. Die Sielmann-Stiftung hat die Dunkle Erdhummel zum Gartentier 2018 gekürt. In der Lausitz fühlen sich die Insekten besonders wohl. Von Torsten Richter-Zippack

Sie besitzt einen rund einen Zentimeter langen Körper mit einer einen Millimeter starken gelben Brustbinde sowie weiße Haare am Hinterleib. Die Dunkle Erdhummel ist von 2670 Naturfreunden zum Gartentier des Jahres 2018 gewählt worden, informiert die auftraggebende Heinz-Sielmann-Stiftung. Die Tiere sind in Deutschland sehr häufig, dementsprechend auch in der Lausitz, sagt der Lauchhammeraner Insektenkundler Thomas Wiesner. „Überall, wo es Blüten gibt, leben auch diese Erdhummeln“, erklärt der Fachmann. Besonders wohl fühlen sich die Insekten in der Bergbaufolgelandschaft. Denn die dort vorkommenden Trockenrasen-Gesellschaften bieten ideale Lebensbedingungen. Darüber hinaus bevölkern die Dunklen Erdhummeln bevorzugt Gärten. „Allerdings sollte es dort viele Blüten geben und keinen Zwei-Zentimeter-Rasen“, schränkt Wiesner ein.

Obwohl die Dunklen Erdhummeln neben der Stein- und der Ackerhummel sehr häufig vorkommen, droht ihnen Gefahr. „Besonders die Mahd von Straßenrändern, die kaum mehr vorhandenen Feldraine, der massive Gifteinsatz in der Landwirtschaft und nicht zuletzt die Blütenarmut machen diesen Insekten zu schaffen“, weiß Experte Thomas Wiesner. Um den Hummeln, die an bislang 220 Wildpflanzenarten beobachtet wurden, zu helfen, sollten Besitzer von Gärten wilde Ecken mit vielen Blütenpflanzen erhalten, ebenso Sandstellen sowie Totholz, empfiehlt Hannes Petrischak von der Heinz-Sielmann-Stiftung. Die Bedeutung der Dunklen Erdhummel ist indes enorm: „Sie gilt als Botschafterin für eine Vielzahl von Wildbienen und anderen Insekten, ohne die unsere Nahrungsmittelproduktion undenkbar wäre“, erklärt Michael Beier, geschäftsführender Vorstand der Sielmann-Stiftung. In Brandenburg gibt es nach Angaben von Thomas Wiesner 30 Hummelarten. Bis auf die Vierfarbige Kuckuckshummel, die landesweit als verschollen gilt, kommen alle Arten auch in der Niederlausitz vor. In Deutschland leben 36 Hummelarten, weltweit sind es rund 250.

Die Dunkle Erdhummel ist nicht sehr wählerisch. Auf ihrer Speisekarte stehen Nektar und Pollen unterschiedlichster Pflanzen. Sie wurde an über 220 Wildpflanzenarten beobachtet. Beim Pollensammeln wenden die Hummeln einen Trick an. Um nicht mühsam die einzelnen Staubbeutel mit dem Pollen ernten zu müssen, schütteln die Tiere die begehrten Pollenkörnchen aus der Blüte heraus. Durch verlangsamtes Flügelschlagen erzeugen sie eine Frequenz, die die Blüte erzittern lässt. Die Hummel wird von Kopf bis Fuß mit Pollen eingepudert. Viele Nutzpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen, die auf der richtigen Frequenz brummen. Nachtschattengewächse wie Tomate, Kartoffel, Zucchini, Kürbis, Paprika und Aubergine aber auch Blaubeeren und Preiselbeeren lassen vorzugsweise vibrierende Hummeln an den nahrhaften Pollen ran. Daher werden Erdhummeln auch im industriellen Maßstab als Bestäuber in der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. Die Sammelhummeln arbeiten täglich von Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang.