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Polizist mit Spürnase fasst Tabakdieb

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Senftenberg/Calau. Wegen besonders schweren Diebstahls hat das Amtsgericht Senftenberg einen Albaner (32) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Die Beweislage war erdrückend. Dass der Mann geschnappt werden konnte, ist einem Polizisten mit Spürnase zu verdanken. Jan Augustin

Als Staatsanwalt Andreas Marx eine Gefängnisstrafe von anderthalb Jahren vorschlägt, läuft Arben I. eine Träne ins Gesicht. Der Kopf ist gesenkt, die Hände gefaltet. Sein Dolmetscher übersetzt simultan. "Der Tatvorwurf hat sich bestätigt. Die Beweislage ist erdrückend", sagt Andreas Marx.

Arben I., das wird während der Verhandlung klar, ist im Juli dieses Jahres an einem Einbruchsdiebstahl in einen Tabakladen im Briesker Margahof beteiligt. Es gibt eine Zeugin. Eine Bäckerei-Angestellte beobachtet bei ihrer Kaffee- und Zigarettenpause kurz vor 3 Uhr nachts, wie eine Person mit über dem Kopf gezogenen, schwarzen Kapuzenpulli schnellen Schrittes und mit einem großen gelben Sack in den Armen über den Hof pirscht. Ob es ein Mann oder eine Frau ist oder sogar mehrere Personen vor Ort sind, kann sie nicht beurteilen, sagt sie dem Gericht. Weil sie ein Rascheln vernimmt, erhärtet sich ihr Verdacht. Mit einem Kollegen geht sie zum benachbarten Geschäft und entdeckt die Einbruchsspuren an der Eingangstür. Die Polizei kommt kurze Zeit später. Arben I. ist währenddessen längst auf der Autobahn, wieder zurück Richtung Berlin, wo er lebt. Seit einem Jahr wohnt er in Deutschland, ein Asylverfahren läuft. Er ist verheiratet. Ehefrau und drei Kinder leben in Albanien, sagt er.

Dass der Tabakdieb noch in der gleichen Nacht gefasst wird, ist dem Polizisten Mike Halbich zu verdanken. Als Leiter der Dienststelle Calau fährt er zu diesem Zeitpunkt Einzelstreife, ist auch auf dem Weg in die Hauptstadt. Er ist mit Tempo 100 unterwegs, als er im Rückspiegel ein schnell herankommendes Auto bemerkt. Doch statt zu überholen - die Strecke ist dort freigegeben - ordnet sich das Fahrzeug hinter ihm ein, "was mich verwunderte". Mike Halbich wird im Laufe der Kilometer immer misstrauischer. Er biegt auf einen kleinen Parkplatz ein, lässt seinen Verfolger vorbei, sodass er das Kennzeichen erkennt. Kollegen überprüfen es. Ein Mietwagen. Die Skepsis steigt, auch weil ihm die Fahrweise auffällig vorkommt. Arben I. gibt plötzlich Gas, versucht sich abzusetzen. Mike Halbich ist aber schneller, setzt sich vor ihn und schaltet das "Bitte Folgen"-Signalschild ein.

Auf dem Rasthof Berstetal kontrolliert Mike Halbich mit Kollegen der dortigen Wache den verdächtigen Fahrer und seinen Wagen. Ein Drogen- und Alkoholtest schlägt zwar nicht an, dafür ist er ohne Fahrerlaubnis unterwegs. Und im Kofferraum: ein gelber Sack mit Zigaretten. Schnell wird klar, dass die aus dem Einbruch kurz zuvor in Brieske stammen.

Die Ware hat einen Wert von knapp 4000 Euro und kann der Ladenbesitzerin später zurückgegeben werden. Auf dem Schaden an der Tür bleibt sie allerdings sitzen, weil die nicht versichert ist, sagt sie im Gerichtssaal. Knapp 3000 Euro habe die Reparatur gekostet. Den Laden hat sie erst im August vorigen Jahres übernommen. Dass dort schon mehrmals eingebrochen wurde, habe sie vorher nicht gewusst.

Einig an einer Schuld des Albaners sind sich im Saal des Amtsgerichtes alle Anwesenden - auch wenn sich Arben I. kaum zu Wort meldet, die Tat nicht zugibt. Unklar bleibt indes bis zum Schluss, ob er den Diebstahl allein oder mit anderen Personen begangen hat. Auch die Rolle eines Zeugen, von dem Arben I. das Auto ausgeliehen hat, bleibt nebulös.

Strafrichterin Annett Winkler hat keine Zweifel: "Es kann durchaus sein, dass jemand dabei gewesen ist. Das ändert aber nichts an Ihrer Täterschaft." Mit der Bewährungsstrafe wird der Haftbefehl aufgehoben. Arben I. saß seit dem Sommer in Untersuchungshaft. Als Annett Winkler das Urteil verkündet und der Dolmetscher ins Albanische übersetzt, entspannen sich seine Gesichtsmuskeln wieder. Die Tränen sind längst getrocknet.