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Politisches Donnerwetter im Festzelt auf dem Ring

Dass die Lausitz feiern kann, war beim Oktoberfest auf dem Lausitzring zu erleben. Das Kinderland mit Bastelstraße und Hüpfburgen war besonders beliebt.
Dass die Lausitz feiern kann, war beim Oktoberfest auf dem Lausitzring zu erleben. Das Kinderland mit Bastelstraße und Hüpfburgen war besonders beliebt. FOTO: Rasche/str1
Klettwitz. Beim größten Oktoberfest Brandenburgs am Wochenende auf dem Lausitzring mit 18 600 Besuchern haben sich OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) und Brandenburgs CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben mit einer Maß Bier beim Zusammenbasteln der neuen Landkreise warmgeschunkelt. Ein zünftiges "Oans, zwoa, g'suffa!" galt dem Vater des Lausitzrings, Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe. Andrea Budich

"Auf dem Lausitzring, da gibt's koa Sünd!" Das Motto hat am Feiertags-Wochenende erneut Tausende zu einem Bummel übers Festgelände angelockt. Nach dem Rekord aus dem Vorjahr mit 25 000 Menschen, wurden diesmal 18 600 Besucher gezählt. Die bayrische Oktoberfest-Tradition, die Lausitzring-Chef Josef Meier in die Lausitz exportierte, nimmt immer mehr Fahrt auf. Nach vorsichtigem Warmschunkeln in den Anfangsjahren, wollen jetzt immer mehr dabei sein an den Maßkrügen.

Wo sonst verwandelt sich ein Lausitzer Bürgermeister wie Schipkaus Gemeindeoberhaupt Klaus Prietzel (CDU) in ein kerniges Mannsbild mit Krachlederner vom Hirschen? Und die Vorsitzende des OSL-Kreistages Martina Gregor-Ness (SPD) flankiert im feschen waldgrünen Dirndl Landrat Siegurd Heinze. Beim politischen Stammtisch zum Oktoberfest-Auftakt am Freitagabend im Festzelt hat es exakt vier Fass Bier gebraucht, bis die ersten auf den Bänken stehend den Festrednern applaudierten.

Leicht unterhopft braucht Lausitzring-Chef Josef Meier nach der Premiere im Vorjahr diesmal nur zwei Schläge, bis das Bier um 18 Uhr aus dem Hahn sprudelt. Von donnerndem Applaus begleitet, "damit nicht nur Schaum kommt", feuert Schipkaus Gemeindeoberhaupt Klaus Prietzel an. Das erste Prosit gilt dann auch dem Altministerpräsidenten Manfred Stolpe, dem Vater des Lausitzrings und Ehrengast, beim politischen Stammtisch. "Ohne ihn wäre hier noch ein großes schwarzes Loch", erhebt der Landrat seine erste Maß. Donnernder Applaus von den Bierbänken ist die nicht zu überhörende Bestätigung.

Danach redet sich Heinze warm - nach seinem furiosen Entertainer-Auftritt aus dem Vorjahr von allen erwartet. Zunächst stellt er klar, dass seine Chefin, die Kreistagsvorsitzende neben ihm in bayrischer Tracht, zulässt, dass er reden kann, was er will. Einen Abwahlantrag werde es nicht geben. Dann legt er los und rockt das Festzelt. Ohne große Umschweife schunkelt er sich ein auf die Kreisreform in Brandenburg. Die Vorlage von Großrä schens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) am Vormittag zu einem Niederlausitz-Kreis mit der Kreisstadt Cottbus versenkte er im Bierfass. "Ich kann mir von der Struktur alles vorstellen, wirklich alles. Nur nichts mit Cottbus", stellte er klar und bekam aus dem Saal ein "Oans, zwoa g‘suffa!" zurück. Applaus, Pfiffe, Jodeljauchzer obendrauf.

Die Gründe, warum er von einem Gebilde aus Cottbus, Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz nichts hält, schiebt er gleich hinterher. Cottbus toppe mit seinem Schuldenberg die Höhe des Kutschenberges bei Ortrand, immerhin der höchste Berg Brandenburgs. Als gelernter Elektriker verweist er auch noch darauf, dass die Cottbuser Scheinleistung ihm zu hoch erscheine. "Die Wirkleistung ist zu gering", erklärt er fachmännisch der politischen Stammtischrunde an seiner frisch gezapften Maß mit einer ordentlich hohen Schaumkrone.

Fürs Zusammenbasteln der neuen Kreise hat auch Brandenburgs CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben im Festzelt auf dem Lausitzring einen Vorschlag parat. Wennschon in den sauren Apfel beißen, dann wäre Dahme-Spreewald für ihn ein Hochzeitskandidat für OSL. "Dann hätten wir endlich einen Flugplatz, der nicht fliegen kann!" Die Antwort aus dem Saal ist vielstimmig: "Ein Prosit, ein Prosit auf die Gemütlichkeit!" Senftleben, der an diesem Abend sein Festzelt-Debüt ablegt, überrascht am Ende mit dem Vorschlag, für die dritte Stammtisch-Runde 2017 Seehofer und Merkel zum Versöhnungsgipfel auf den Lausitzring zu lotsen.

Das soll Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel und Lausitzring-Chef Josef Meier recht sein. Die Veranstalter wollen den Politischen Abend zum Oktoberfest-Auftakt weiter etablieren. Da ist ihnen jedwede Schützenhilfe recht. Zuspruch haben sie am Freitag vom Präsidenten des Rotary Clubs aus Kelheim an der Donau, Franz Kürzl, erhalten. "Doas wird noch ne Mordsgaudi", lobte der Ur-Bayer die Stimmung im Brandenburger Festzelt als ausgesprochen ausbaufähig. Mit 50 Clubmitgliedern hatte er das Oktoberfest auf dem Lausitzring getestet und ab Fass Nummer 13 auch für gut befunden.