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Pointenpapst am See

Werner Koczwara.
Werner Koczwara. FOTO: Theater
Großkoschen. Ottfried Fischer nennt ihn den "deutschen Pointenpapst". Bei Dieter Hildebrandt hat er den "Scheibenwischer" betätigt, als Stammautor für die Harald-Schmidt-Show geschrieben, unzählige Kabarettshows im Fernsehen geprägt und gerade wieder einmal einen Preis bekommen, den Hauptpreis beim Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis 2017. hsd1

Am Freitag ist er im Amphitheater Großkoschen mit seinem legendären Programm "Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt" zu Gast: Werner Koczwara.

Wann sind Sie das letzte Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten?
Koczwara: Ich bin mir nicht ganz sicher, eventuell habe ich hier bei mir in Schwäbisch Gmünd mal die Kehrwoche übersehen. Nein, im Ernst: Es wird wohl ein Bagatelldelikt gewesen sein, Falschparken wahrscheinlich.

Sind es eigene Erfahrungen, die Sie auf die Idee gebracht haben, ein Juristenkabarett zu erfinden?
Koczwara: Nein, ich habe zur Juristerei ein komplett entspanntes Verhältnis, abgesehen davon, dass meine Tochter grad mitten im juristischen Staatsexamen steht und daher nur noch schwer ansprechbar ist. Dem juristischen Kabarett hab ich mich zugewendet, weil es eine ungeahnte Fülle an großer Komik bietet. Und es geht dabei eben thematisch nicht wie bei der Comedy um Nachbars Lumpi, sondern um real existierendes Recht.

Sie sagen, dass kein anderes Volk der Welt eine solche Fülle an Gesetzen und Paragrafen hervorgebracht hat wie die Deutschen. Hier müsse einfach alles geregelt werden, die Eheschließung bei Bewusstlosigkeit beispielsweise. Aus welchen Akten graben Sie solche Absurditäten aus? Sind die tatsächlich alle echt?
Koczrawa: Jeder kann das im Bürgerlichen Gesetzbuch nachschlagen, oder kurz mal auf die Schnelle googeln. Paragraf 1314 BGB: "Ein Ehegatte kann die Aufhebung der Ehe begehren, wenn die Ehe im Zustand der Bewusstlosigkeit geschlossen wurde." Die Ehe kann ebenso aufgehoben werden, wenn ein Gatte "bei der Eheschließung nicht gewusst hat, dass es sich um eine Eheschließung handelt." Das sind echte und sehr komische deutsche Paragrafen.

Wie, glauben Sie, wirkt sich eine solche starke Regelung aller möglichen und unmöglichen Lebenssituationen auf die Mentalität der Menschen aus - oder fordert die Mentalität gar diese Regelungen?
Koczrawa: Wir Deutschen wollen das so. Zwar schimpfen wir hierzulande auf unseren Schilderwald, aber kaum sind wir im Ausland, geht es uns gewaltig gegen den Ordnungssinn, wenn irgendwo ein Schild fehlt. Wir haben es schon gern, wenn alles sehr gründlich geregelt ist. Im Endeffekt lachen wir im juristischen Kabarett daher über uns selber, das ist ja letztlich die schönste Form der Komik.

Sie schaffen es also, dass man herzhaft darüber lachen kann. Ihr Programm wird als grandios schwarzhumorig, intelligent und dabei höchst unterhaltsam beschrieben, als rhetorisch brillant und als eines der besten des Jahrzehnts. Seit mehr als 17 Jahren touren sie unter anderem mit diesem Programm. Mit regelmäßigen Aktualisierungen?
Koczwara: Das Programm ist überwiegend zeitlos, wichtige Aktualitäten werden aber natürlich eingebaut. Ansonsten schreibe ich ja alle zwei Jahre ein neues Programm, damit ist man dann regelmäßig auf der Höhe des Geschehens.

Was war für Sie das Unglaublichste, auf das Sie gestoßen sind?
Koczwara: Ich staune immer wieder über Urteile des Bundesgerichtshofs. Zum Beispiel: Hat ein Klassenlehrer mit einer 14-jährigen Schülerin ein intimes Verhältnis, so liegt ein Fall von Missbrauch vor. Dies gilt nicht, wenn der Lehrer im Nebenfach unterrichtet. Das ist zwar höchstrichterliche Rechtsprechung, aber hanebüchener Unfug!

Haben Sie auch Stilblüten der Rechtsprechung aus der Lausitz zu bieten?
Koczwara: Momentan noch nicht, ich schau aber im Vorfeld eines Auftritts immer kurz in meine Archive. Eventuell werde ich fündig.

Mit Werner Koczwara

sprach Heidrun Seidel.