ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:39 Uhr

Platz da Männer: Anja Schulz wird Mechatronikerin

Anja Schulz möchte Mechatronikerin werden. Uwe Eiselt (l.) und Hartmut Fritsche vom bildungszentrum energie GmbH aus Falkenberg haben ihr schon einiges über die Ausbildung verraten.
Anja Schulz möchte Mechatronikerin werden. Uwe Eiselt (l.) und Hartmut Fritsche vom bildungszentrum energie GmbH aus Falkenberg haben ihr schon einiges über die Ausbildung verraten. FOTO: Manfred Feller
Großräschen. Auch der Energieversorger enviaM spürt den zunehmenden Mangel an Bewerbern für eine Ausbildung in den verschiedenen Berufen. Die mangelnde Eignung bereitet ebenfalls Sorgen. Auf der anderen Seite fassen junge Frauen in Männerberufen Fuß. Manfred Feller

Anja Schulz aus Großräschen hat an der praxisorientierten Friedrich-Hoffmann-Oberschule einen guten Abschluss hingelegt. Den Ausbildungsplatz bei der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH (enviaM-Gruppe), hat sie in der Tasche. Nach ein paar Wochen Ferien nimmt die 16-Jährige am 26. August bei der enviaM-Tochter bildungszentrum energie GmbH (bze) in Falkenberg ihre Lehre auf. Sie hat den nach wie vor jungstypischen Beruf des Mechatronikers gewählt.

"Ich war schon immer handwerklich interessiert", sagt die passionierte Fußballerin. Wenn ihr Vater mit Holz oder Metall gearbeitet hat, wollte sie mithelfen. "Mir macht es Spaß, selbst etwas zu schaffen", begründet die junge Großräschenerin ihren mittlerweile nicht mehr so ungewöhnlichen Berufswunsch.

Darauf gekommen ist sie nicht von ungefähr. Das Bildungszentrum bietet seit 2005 das Berufsorientierungsprogramm "Jugend braucht Zukunft" an. Es melden sich mehr Schulen, als aufgenommen werden können. Aktuell dabei sind zum Beispiel die Oberschulen in Ortrand und Großräschen. In Praxisseminaren, so Uwe Eiselt, Trainer Aus- und Weiterbildung und Projektverantwortlicher am bze in Falkenberg, lernen Schüler das Unternehmen und die Berufe kennen. Sie müssen auch praktische Übungen absolvieren. Wer sich dann für eine Ausbildung bewirbt, weiß, worauf er sich einlässt. Die Abbrecherquote liege bei höchstens einem Prozent.

Es gebe nicht nur etwa 75 Prozent weniger Bewerber als noch vor Jahren, auch das Zugangsniveau musste gesenkt werden. "Was früher die 2 als gute Note war, ist heute die 3", stellt Hartmut Fritsche, stellvertretender bze-Ausbildungsleiter, fest. Gerade in den Kernfächern Mathematik und Physik fehle es an Wissen. Diese müsse nachgeholt werden.

Die enviaM-Azubis werden für ihre Leistungen ordentlich belohnt. Das Entgelt im 1. Lehrjahr liege bei 700 Euro und im 4. Lehrjahr (Lehrzeit dreieinhalb Jahre) bei etwa 1000 Euro. Ausbildung und spätere Arbeit werden tariflich entlohnt. Ausgebildet werde über den eigenen Bedarf. Die Facharbeiter hätten sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Das bze in Falkenberg ist neben Halle und Chemnitz einer von drei Ausbildungsstandorten der Unternehmensgruppe, die in vier Bundesländern tätig ist. Ausgebildet werden Bürokaufleute, Elektroniker, Industrieelektriker und Mechatroniker. Es kann auch das Bachelor-Studium Elektrotechnik aufgenommen werden. In den Ausbildungsverbund bze entsenden auch andere Unternehmen ihren Berufsnachwuchs. Dazu gehören Vestas in Lauchhammer und die Energy from Waste GmbH Freienhufen.

Anja Schulz gehört zu den 53 neuen bze-Azubis. Nur wenige Mädels wollen Mechatronikerin werden. "Die Mädchen sind oft besser als die Jungs. Das spornt sie an", spricht Hartmut Fritsche das Wort für das angenehmere Lernklima in den gemischten Klassen in den typischen Männerberufen.