| 12:01 Uhr

Eisbader
Pirrlliepausen sind mehr als 30 Jahre schnupfenfrei

Senftenberg . Die Senftenberger Winterbader frönen dem kalten Nass mit Leidenschaft. Aber ein aktives Vereinsleben gibt es auch über den die kalte Jahreszeit hinaus. Von Peter Aswendt

() „Draußen warm und drinnen kalt, da werden wir 100 Jahre alt“, witzelt Peter Lehmann, bevor er sich den Bademantel überstreift. Gemeinsam mit den 20 wagemutigen Winterbadern, den Senftenberger Pirrlliepausen, geht er am Sonnabend zum Strand. Ins Wasser geht es gänzlich ohne Kleidung: „Wir würden mit den nassen Badesachen nur schnell auskühlen und frieren“,  sagt Erdmute Herz (70). Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Senftenberger Eisbadert. Deren 30-jähriges Bestehen wurde bereits im vorigen Jahr gefeiert. Genau am 28. November 1987 gründeten sich die Senftenberger Eisbader. Zu dieser Zeit gab es den Namen Pirrlliepausen aber noch nicht. Er kommt übrigens aus dem Norddeutschen und bedeutet „Eiszapfen“. Die Namensgebung erfolgte erst einige Jahre später.

Damals hatte die Initiatorin des Senftenberger Winterbadens, Christel Schulze, eine Anzeige in der Zeitung geschaltet und Gleichgesinnte gesucht. Nach dem ersten Treffen blieben noch 20 Winterbader übrig, von denen sechs noch heute in die kühlen Fluten springen. Aktuell sind es 25 Mitglieder um Vereinschef Frank Vogel.

Der Altersdurchschnitt der Kältesportler liegt zwischen 40 und 80  Jahren. Aus Köln, Görlitz, Hoyerswerda oder Schipkau, kommen die Winterschwimmer an den Senftenberger See. Kultbader Siggi aus Köln liebt das Baden in Senftenberg: „Ich habe 20 Jahre hier gearbeitet und bin durch eine Wette auf einer Fete zum Eisbaden gekommen“, sagt der extrovertierte Kölner lachend. „Jetzt wohne ich zwar wieder in Köln, aber es zieht mich immer wieder an den Senftenberger See im Winter“, fügt der lustige Kältefanatiker hinzu. Er und sein Eisbaderkumpel Peter Lehmann unternehmen auch manchmal gemeinsam eine Reise zum Winterbaden an die Ostsee. „Peter hat mich sogar schon mal gerettet, als ich zwischen zwei Eisschollen geraten bin“, beschreibt Siggi einen Ausflug, der noch einmal glimpflich ablief.

Auch das Elbeschwimmen im Februar gehört zum Standardprogramm einiger Mitglieder des Vereins: „Leider fällt es in diesem Jahr aufgrund der Hochwassersituation aus, wegen zu viel Treibgut im Wasser“, sagt Peter Lehmann mit Badauern.

Viel reden wollen die Pirrlliepausen aber nicht mehr. Es zieht sie, mit nicht mehr als einer Zipfelmütze bekleidet, in die kühlen Fluten. Dreimal geht es rein und raus. Dann wieder ab in den Raum am Stadthafen, wo schon der warme Glühwein wartet. Vereinsraum ist auch das Stichwort, das den Mitgliedern unter den Nägeln brennt: „Wir waren immer im Schullandheim untergebracht, bis dort Flüchtlinge ein Domizil bekamen“, erzählt Erdmute Herz. „Jetzt ist das Gebäude zwar wieder frei, aber ungeklärte Anspruchsverhältnisse hindern uns an einem Wiedereinzug“, fügt sie etwas wehmütig hinzu.

Ein Vereinsraum nahe dem Wasser wäre für uns wichtig“, startet die dynamische 70-Jährige einen Appell. Aber Winterbader bringt so schnell nichts aus der Fassung und so schlüpfen die Freizeitsportler inmitten von Waschmaschinen und anderen Utensilien wieder in ihre Kleidung und genießen den Glühwein. Neben der Misere mit dem Vereinsraum sind die Temperaturen natürlich für gestandene Kältefans alles andere als günstig: „Wir brauchen eigentlich eine Lufttemperatur unter Null“, grummelt Peter Lehmann.

Eine jahrelange Tradition der Senftenberger Winterbader ist der Fasching am See. Unter dem Motto „Aerobic der 80er-Jahre“  wird am kommenden Samstag mit bunten Leggins und Stirnband in Leuchtfarben am Gaumensegel die Narrenzeit gefeiert. Mit wechselnden Badeeinlagen und Umzug durch die Zuschauer, die jedes Jahr zahlreich erscheinen, wird ein zünftiger Eisbaderkarneval gefeiert.

Aber nicht nur in der Winterzeit treffen sich die Freizeitsportler. Ein reges Vereinsleben findet das ganze Jahr über statt. So gibt es gemeinsame Saunabesuche, Radtouren oder auch eine Kahnfahrt im Spreewald, die in diesem Jahr auf dem Programm steht.

Vom zünftigen Anbaden im November bis zum Abbaden Ende März wird mittwochs ab 17 Uhr und samstags ab 10.30 Uhr dem kühlen Nass gefrönt. Interessierte können sich gern zu diesen Terminen am Stadthafen, am Wirtschaftsraum am Ende der Hafengebäude, einfinden und sich mal zu einem Schnupperbaden überreden lassen.