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| 17:32 Uhr

Ärger über fehlende Bereitschaft, Pfandbehälter zurückzunehmen
“Ich will nicht als Bittsteller dastehen!“

 Gerhard Wiesner aus Lauchhammer ärgert sich über den Umgang mit Pfand-Behältern
Gerhard Wiesner aus Lauchhammer ärgert sich über den Umgang mit Pfand-Behältern FOTO: LR / Daniel Roßbach
Lauchhammer. Dass er Pfandbehälter nicht wie gesetzlich vorgesehen abgeben kann, ärgert Gerhard Wiesner. Von Daniel Roßbach

Wenn Gerhard Wiesner aus Lauchhammer eine seiner regelmäßigen Radtouren unternimmt, tut er das mit offenen Augen dafür, was er am Straßenrand sieht. Denn dort liegen immer wieder nicht nur Müll, sondern auch Pfandflaschen und -dosen. Wenn Wiesner die sieht, nimmt er sie in seinen Satteltaschen mit. Doch wenn er manche davon auch wieder abgeben möchte, funktioniert das nicht wie gewünscht – und rechtlich vorgeschrieben.

Was Gerhard Wiesner motiviert, Pfand zu sammeln

Dem Rentner aus Lauchhammer geht es dabei nicht in erster Linie um das Geld, das es als Pfand gibt: „Das bekommt mein Enkel als zusätzliches Taschengeld. Und ich sehe nicht ein, das einfach auf der Straße liegen zu lassen. Aber mich ärgert, wie die Menschheit mit dem Zeug umgeht.“

Der gelernte Gießerei-Fachmann und Metallurge war über lange Jahre Leiter der Kunstgießerei in Lauchhammer. Auch dieser Hintergrund motiviert ihn, Flaschen und Dosen nicht einfach in der Gegend liegen zu lassen: „Ich kenne den Wert und den Aufwand, der etwa in die Produktion von Buntmetallen fließt.“

Doch wenn er sein gesammeltes Leergut zurückgeben will, weigern sich viele Geschäfte.

Dass Bürger wie Gerhard Wiesner ein Anspruch darauf haben, dieses Leergut abgenommen zu bekommen, bestätigt auch Stefanie Kahnert, die für die Verbraucherzentrale Brandenburg als Juristin tätig ist: „Märkte müssen alle Gebinde zurücknehmen, die aus Material bestehen, das in ihrem Sortiment vorkommt, unabhängig von der Marke des Produkts.“

 Gerhard Wiesner aus Lauchhammer weist auf das Pfand-Kennzeichen hin, dass entscheidend für die Rücknahme der Dosen ist.
Gerhard Wiesner aus Lauchhammer weist auf das Pfand-Kennzeichen hin, dass entscheidend für die Rücknahme der Dosen ist. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Das gilt insbesondere auch dann, wenn etwa Dosen verformt sind, und nicht von den Pfandautomaten gelesen werden können. „Solange der Strichcode auf der Verpackung lesbar und das Pfand-Zeichen zu erkennen ist, sind die Händler zur Annahme der Gebinde verpflichtet“, so Kahnert weiter. Seit einer Anfang des Jahres in Kraft getretenen Änderung des Verpackungsgesetzes erstreckt sich diese Regelung auch auf Produkte aus Nektar und Milch. Nur für kleine Geschäfte mit einer Verkaufsfläche unter 200 Quadratmetern gibt es eine Ausnahme von dieser Regelung. Sie müssen nur Behälter der Marken und Materialien zurücknehmen, die sie selbst vertreiben.

Widerwillen in Einkaufsmärkten

Doch Gerhard Wiesner macht in Märkten, bei denen er sein aufgelesenes Leergut abgeben möchte, andere Erfahrungen. „Ich habe immer wieder Schwierigkeiten, Dinge abzugeben, die nicht von den Automaten gelesen werden können. Man muss bitten und betteln, um es los zu werden. Dabei gibt es die Verpflichtung – auf den Dosen und Flaschen, die ich abgeben möchte, kann man schließlich das Siegel immer sehen. Außerdem werden die Dosen doch nach dem Einlesen ohnehin eingestampft“, sagt der 72-Jährige, und ergänzt: „Ich will nicht als Bittsteller dastehen, sondern es geht mir um eine Regelung für die Allgemeinheit.“

Die Verbraucherzentrale Brandenburg rät allen, die solche Erfahrungen machen, zuerst das Gespräch mit den Filialleiterinnen der Geschäfte zu suchen. Ergibt sich daraus keine Lösung, könne man Beschwerden an die Ordnungsämter der Gemeinden stellen. Dazu stellt die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite einen Musterbrief zur Verfügung. Dass es für die Märkte einen größeren Aufwand darstellt, automatisch nicht erfassbare Verpackungen zu verarbeiten, ist für die Verbraucherschützer kein Argument: „Den Mehraufwand hat ja in erster Linie die Verbraucherin, die ihre Pfandsachen nicht automatisch abgeben kann.“

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