ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:25 Uhr

Strafanzeige gestellt
Peta-Vorwurf: Amtstierärzte aus Oberspreewald-Lausitz lassen Tierquälerei zu

 Peta hat gegen Tierärzte im Landkreis Oberspreewald-Lausitz Strafanzeige wegen Tierquälerei gestellt. Grund: Die Veterinäre sollen quälende Langstrecken-Transporte nach Russland und Usbekistan, insbesondere von Hausrindern, genehmigt haben.
Peta hat gegen Tierärzte im Landkreis Oberspreewald-Lausitz Strafanzeige wegen Tierquälerei gestellt. Grund: Die Veterinäre sollen quälende Langstrecken-Transporte nach Russland und Usbekistan, insbesondere von Hausrindern, genehmigt haben. FOTO: dpa / Ulrich Perrey
Senftenberg. Der Verein Peta hat Veterinäre des Landkreises Oberspreewald-Lausitz angezeigt. Der Vorwurf: Beihilfe zur Tierquälerei bei Transporten in Nicht-EU-Länder. Das sagen die Amtstierärzte zum Vorwurf: Von Jan Augustin

Lange Wartezeiten bei extremer Hitze, verdurstete, misshandelte und tot getrampelte Tiere – das sollen Veterinäre des Oberspreewald-Lausitz-Kreises in Kauf genommen haben, indem sie Transporte in Nicht-EU-Länder genehmigt haben. Der Vorwurf stammt von der Tierschutzorganisation Peta Deutschland. Sie stellte Strafanzeige. Der Cottbuser Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum bestätigt: „Wir prüfen, ob ein Anlass besteht, in die Ermittlungen einzusteigen.“ Dazu müsse ein Anfangsverdacht bestehen.

Peta kritisiert Langstrecken-Tiertransporte

Konkret beanstandet Peta mehr als 30 Transporte, insbesondere von Hausrindern, nach Russland und Usbekistan, die das Veterinäramt von Dezember 2018 bis Mai dieses Jahres genehmigt haben soll. Das geht aus der Strafanzeige hervor, die der RUNDSCHAU vorliegt. Die Erkenntnisse will Peta aus Kreisen der kritischen Tierärzteschaft erlangt haben. Weiter könne zu den Quellen der Recherche nichts ausgeführt werden, teilt Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei Peta, mit.

Obwohl den Veterinären bewusst gewesen sein soll, dass Langstrecken-Tiertransporte „hochproblematisch“ sind, hätten einige Amtstierärzte diese weiterhin zugelassen. „Es ist verantwortungslos, Tiere selbst unter extremen Bedingungen Tausende Kilometer in andere Länder karren zu lassen.

Direkt nach den Höllenfahrten werden ihnen die Sehnen durchtrennt oder die Augen ausgestochen, um sie wehrlos zu machen – viele von ihnen kämpfen im Schlachthaus wegen unpräziser Schnitte in den Hals minutenlang um ihr Leben“, sagt Haferbeck. „Wir fordern alle Amtstierärzte auf, als ersten Schritt zumindest sämtliche Langstreckentransporte nicht mehr zu genehmigen.“

„Transporte werden in Echtzeit geprüft“

Den Amtstierärzten aus Oberspreewald-Lausitz „sind die geschilderten Missstände nicht bekannt“, teilt Chef-Veterinär Jörg Wachtel mit. Bislang habe es bei Tiertransporten keine Beanstandungen gegeben. „Die Prüfung der Transporte findet in Echtzeit statt, sodass die Veterinäre auch währenddessen jederzeit Zugriff auf Informationen zum Transport der Tiere, etwa auf die Temperatur innerhalb des Transporters, haben“, erläutert Wachtel.

Die Veterinäre prüfen dabei, ob die tierschutz- und tierseuchenrechtlichen Anforderungen eingehalten werden – etwa welche Strecke der Lkw nimmt und ob die Pausen an den dafür zugelassenen Standorten stattfinden. „All das ist in Echtzeit nachprüfbar und wird im Vorfeld, bei der Verladung sowie nach erfolgtem Transport kontrolliert“, erklärt Wachtel. Vor dem Transport werde der Gesundheitsstatus der Tiere und die Technik geprüft. „Bei der Verladung finden zum Beispiel die klinische Untersuchung am Tier und weitere technische Kontrollen statt, etwa ob die Ventilatoren funktionieren, das Dach vorschriftsgemäß eine helle Farbe aufweist etc.“

Lesen Sie auch:

Tiere per Lkw bis nach Usbekistan

Wo genau machen Bio-Lebensmittel den Unterschied

Deutlich mehr Rindertransporte über lange Distanz

Organisiert werden die Transporte von Viehhändlern oder Landwirten. Sie dürfen Tiere aus dem Landkreis, aber auch aus ganz Deutschland und darüber hinaus handeln. „Die für diese Wirtschaftswege nötigen Einrichtungen existieren hier im Landkreis“, so Wachtel. Welche Betriebe das sind und woher die Tiere stammen, teilt er nicht konkret mit.

Weitere Tierärzte in Brandenburg und Sachsen angezeigt

Neben den Veterinären aus Oberspreewald-Lausitz zeigte Peta Amtstierärzte aus den Kreisen Görlitz, Teltow-Fläming, Havelland, Prignitz, Aurich, Emsland, Leipzig, Steinfurt und Rostock an. Die Organisation beruft sich auf ein Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofes, nach dem Veterinärbehörden Transporte in Nicht-EU-Staaten untersagen können, wenn die im Plan angegebenen Zeiten und Bedingungen nach ihrem Ermessen keine wirklichkeitsnahen Angaben enthalten.

Zudem habe der Ausschuss für Landwirtschaft des Europaparlaments Anfang des Jahres empfohlen, Transporte nur zu genehmigen, wenn während der gesamten Transportzeit keine Temperaturen von über 30 Grad zu erwarten sind.

 Die Vorwürfe richten sich gegen genehmigte Transporte nach Russland und Usbekistan, insbesondere von Hausrindern.
Die Vorwürfe richten sich gegen genehmigte Transporte nach Russland und Usbekistan, insbesondere von Hausrindern. FOTO: dpa / Ulrich Perrey