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| 13:07 Uhr

100 Jahre SV Germania Peickwitz
Mit Stadionwurst und vier Meter Schiene geht’s durch Peickwitz

 Die ersten Meter des zukünftigen Stadionbahngleises, auf dem ein Zug mit VIP-Tribüne stehen wird, sind beim Festumzug in Peickwitz dabei gewesen.
Die ersten Meter des zukünftigen Stadionbahngleises, auf dem ein Zug mit VIP-Tribüne stehen wird, sind beim Festumzug in Peickwitz dabei gewesen. FOTO: Peter Aswendt
Peickwitz. Am Samstag hat Peickwitz den 100. Geburtstag des SV Germania gefeiert. Im großen Umzug fuhr auch ein Gespann mit einer vier Meter langen Schiene inklusive einer kleinen Lok obendrauf. Von Peter Aswendt

Als im Jahr 1919 die Brüder Albert und Hans Friedrich gemeinsam mit Paul Lehmann den Arbeitersportverein „Frei Heil“ als freie Turnerschaft in Peickwitz gründeten, konnten sie nicht ahnen, dass 100 Jahre später, zum Geburtstag, die positiv sportlich-verrückten Peickwitzer sich ihre eigene Bahnstrecke im Stadion bauen wollen. Aber alles der Reihe nach: Natürlich sind 100 Jahre Sportverein (SV) Germania Peickwitz generell ein Grund zum Feiern. „In unserem Ort gibt es ein gut funktionierendes dörfliches Zusammenleben. Wir können immer auf alle Bewohner zählen, auch auf die, die nicht im Sportverein sind. Mit der Geburtstagsfeier sagen wir auch Danke an alle“, zeigt sich Ingo Amsel, Ortsvorsteher des Dorfes, begeistert.

Sozusagen drei tolle Tage erlebten die Peickwitzer und ihre Gäste auf dem Sportgelände mit dem Zauberrasen, der Bahndamm-Arena. Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten war der große Umzug des Sportvereins, der die historischen Sektionen der 100 Jahre des Vereins darstellte.

Schon bei der Aufstellung war die Stimmung bei den Teilnehmern am Kochen. „Wir haben Spaß am Sport und an dem ganzen Drumherum“, rufen die jungen Mädels der Frauenfußballmannschaft „Peickwitzer Girls“ von ihrem Festwagen. Gezogen wird das lustige Damenfußballgefährt, wie viele andere Gespanne, von einem Traktor der Peickwitzer Traktorfreunde. Im Falle der feiernden Fußball-Girls ist es ein Eigenbau von Marcel Schellnock: „Der Motor ist aus einer Melkmaschine und leistet sechs PS“, lacht der Hobbybastler. Für ihn, wie für die anderen Traktorenbesitzer ist es selbstverständlich, dass sie den Sportverein beim Umzug unterstützen.

 Die jungen Fußball-Frauen der Peickwitz Girls haben schon vor dem Start des Umzuges Spaß.
Die jungen Fußball-Frauen der Peickwitz Girls haben schon vor dem Start des Umzuges Spaß. FOTO: Peter Aswendt

Auch die Physiotherapie aus Hosena ist mit einem bockwurstkochenden Anhänger dabei. Auf dem dampfenden Gefährt geht es nicht minder lustig zu: „Wir haben freitags immer auf dem Fußballplatz die Spieler und einige Peickwitzer in Behandlung, da sind wir natürlich auch bei so einem Umzug dabei“, ruft lachend Marina Kubisch vom Wagen herunter.

Eng verbunden mit dem Ort und dem Sportverein ist natürlich Thomas Domin vom gleichnamigen Familienbetrieb. Und ganz in Familie grillte er auf seinem Festwagen gemeinsam mit Tochter Anni (5) und Sohn Jonas (12) die legendäre Stadionwurst des SV Germania: „Natürlich bin ich immer mit dabei. Wir versorgen das Stadion bei Sportveranstaltungen und unser Betrieb unterstützt den Verein, das ist ein Geben und Nehmen“, stellt Thomas Domin klar und verteilt weiter Bratwürste an die zahlreichen Zuschauer.

Als der Festzug an der Feuerwehr vorbeikommt, wo der Moderator in waghalsiger Manier vom Dach aus moderiert, fällt ein eisernes Gefährt auf. Eine kleine Lok auf einem Anhänger. Das Geheimnis ist schnell gelüftet: „Unsere Bahndamm-Arena soll ein eigenes Gleis bekommen, auf dem eine Lok mit einem Tender und einem Wagen von einem Autozug steht“, weiß Ingo Amsel. „Jeder, der 100 Euro gibt, bekommt einen namentlichen Eintrag an der Stadionbande“, beschreibt er weiter das Vorhaben. Besonderes Schmankerl der Aktion: Auf dem Waggon soll eine Minitribüne entstehen, auf der die Spender einen lebenslangen Ehrenplatz haben. Der Umzug war gleichzeitig auch Start der ungewöhnlichen Aktion: „Wir kommen heut schon auf fast 2000 Euro“, freut sich Ingo Amsel über den Zuspruch zu dem Projekt.

Auf der Höhe der Feuerwehr und des Dorfteiches sammelte sich eine recht ansehnliche Menschenmenge, um dem Festumzug Beifall zu zollen. „Wir machen auf unserer Fahrradrunde durchs Seenland hier Station. Meine Arbeitskollegin ist beim Umzug mit dabei und da waren wir neugierig“, zeigt sich Ute Klante aus Senftenberg begeistert, die gemeinsam mit Frank Willems das bunte Treiben mit Beifall begleitet.

Als Peickwitzerin ist Doreen Eschler natürlich mit dabei, wenn in ihrem Ort etwas los ist: „Das macht unser Dorf aus, dass wir immer alle dabei sind“, stellt sie klar. Ihre Tochter Lilly findet einfach alles nur „cool“. Aber nicht nur die Besucher zeigten sich von dem 100-Jährigen des SV begeistert. Mit „Roberts Gulaschsuppe“ animierte Steffen Wisniewski aus Hosena die Besucher zum höheren Bierkonsum nach dem Verzehr seiner feurigen Köstlichkeit. „Mein Sohn und mein Schwiegersohn spielen beim SV Fußball, da hilft man sich natürlich“, erzählt er. Der Name der Suppe rührt vom 30. Geburtstags seines Sohnes Robert her: „Da war sie nicht ganz so scharf“, gesteht der Hobbykoch lachend.

Unbedingt erwähnenswert sind auch die knapp 30 Kuchen, die die Sportfrauen des SV Germania für Samstag und Sonntag gebacken haben. Dass die Einnahmen aus den leckeren Versuchungen natürlich dem Sportverein zugutekommen, versteht sich von selbst. Wenn man das herzliche Engagement aller Sportfreunde und der Peickwitzer rund um ihren Verein sieht, dann ist für die nächsten 100 Jahre alles gerichtet. Vielleicht auch mit einem Bahn-VIP-Platz auf dem Waggon in der Bahndamm-Arena.

 Die ersten Meter des zukünftigen Stadionbahngleises, auf dem ein Zug mit VIP-Tribüne stehen wird, sind beim Festumzug in Peickwitz dabei gewesen.
Die ersten Meter des zukünftigen Stadionbahngleises, auf dem ein Zug mit VIP-Tribüne stehen wird, sind beim Festumzug in Peickwitz dabei gewesen. FOTO: Peter Aswendt
 Die jungen Fußball-Frauen der Peickwitz Girls haben schon vor dem Start des Umzuges Spaß.
Die jungen Fußball-Frauen der Peickwitz Girls haben schon vor dem Start des Umzuges Spaß. FOTO: Peter Aswendt