| 02:45 Uhr

Paukenschlag zur 700-Jahr-Feier mit Schlagerstar und Mittelaltermarkt

Ruhlands Bierdeckel-Sonderedition.
Ruhlands Bierdeckel-Sonderedition. FOTO: A. Budich
Ruhland. Nach dem dreieinhalbjährigen Vorbereitungs-Marathon laufen sich die Macher der 700-Jahr-Feier jetzt langsam heiß. Der Countdown für das dreitägige Fest vom 19. Andrea Budich

bis 21. Mai hat begonnen. Das Festprogramm steht.

"Zu 90 Prozent haben wir alles unter Dach und Fach", sagt ein hörbar erleichterter Bürgermeister und zugleich Vorsitzender des Vereins "Wir für Ruhland", Uwe Kminikowski (CDU).

Die 700-Jahr-Feier ist für ihn eine einmalige Chance, das Elsterstädtchen weit über die Stadtgrenzen hinaus noch populärer zu machen. Der extra für das Jubiläum gegründete Verein "Wir für Ruhland" hat sich dieser Herausforderung gestellt. "Wir sind aber auf die Unterstützung der Ruhlander angewiesen", stellt Kminikowski klar.

Und genau dort beginnt das Dilemma rund um den nun definitiv nicht stattfindenden Festumzug, der ursprünglich das Sahnehäubchen des Festspektakels sein sollte. Mit 200 Mitstreitern in historischen Kostümen, 15 Bildern und sogar mit den vier großen historisch verbrieften Stadttoren. Weil die Ideen nicht finanzierbar und personell umsetzbar waren, hat der Verein den Festumzug dann im Februar 2016 gestoppt - obwohl erste Bilder bereits vergeben waren. Erneut ins Rollen gebracht wurde der Festumzug dann im September von Dr. Michael Fiedler als Vorsitzenden des Finanzausschusses. Fiedler brachte damals das Konzept des Heimatvereins für den Umzug ins Spiel. Ruhlands Stadtverordnete signalisierten daraufhin eine, wenn auch zurückhaltende, Unterstützung. Bis zur Novembersitzung sollten alle offenen Fragen geklärt werden. Dann sollte das Machtwort fallen: Festumzug ja oder nein. Am Ende blieb dann alles beim Alten, weil eine klare Positionierung des Heimatvereins fehlte.

Gern gesehen hätte Bürgermeister Uwe Kminikowski natürlich einen Festumzug. Das gibt er unverhohlen zu und gesteht auch ein, dass ihm bei diesem Thema "schwer ums Herz" wird. Aber neun Mitglieder des Vereins "Wir für Ruhland" hätten ihn allein nicht stemmen können. Bestenfalls unterstützen, wie der Bürgermeister unmissverständlich wiederholt.

Getrübt wird die Feierlaune zusätzlich wegen des öffentlichen Zoffs um die Schirmherrschaft. Als Schirmherr hat der Verein "Wir für Ruhland" den CDU-Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben benannt. Dazu gab es im Vorfeld eine Abstimmung unter den Vereinsmitgliedern, bestätigt Kminikowski. Nicht einverstanden mit dieser Wahl ist der Fraktionsvorsitzende der Linken, Franz Neumann. "Zur 700-Jahr-Feier gehört der Landesvater nach Ruhland", hat er vor dem Stadtparlament und auch gegenüber der RUNDSCHAU erklärt. Neumann verweist dabei auch auf die 675-Jahr-Feier vor 25 Jahren. Damals schüttelte der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) als Schirmherr auf dem Ruhlander Markt Hunderte Hände. Das Nichteinladen von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verstößt für Neumann nicht nur gegen die Regeln des Anstandes, sondern auch gegen den Wunsch der meisten Ruhlander. Der Stadtverordnete hat daher unter Protest seine weitere Mitarbeit im Vorbereitungskomitee quittiert.

Der Bürgermeister stellt dazu klar, dass die Einladungen für weitere Ehrengäste erst in den nächsten Tagen versandt werden. "Natürlich wird auch der Ministerpräsident dazugehören", sagt er.

Auch wenn die Einladungen noch gedruckt werden, der Countdown läuft, das Programm ist schon ziemlich rund. Los geht es am Freitagabend mit einem zünftigen Rittermahl. Nach dem musikalischen Wecken mit Tschingderassabum durch Ruhlands Spielleute, wird das Jubiläumsfest am Samstag um 10 Uhr auf dem Markt eröffnet. Stargast ist Oliver Frank, der die "Italienische Sehnsucht" mit nach Ruhland bringt. Kirchplatz und Brauhausplatz verwandeln sich in ein historisches Pflaster mit Szenen aus dem Stadtleben im Mittelalter. Dabei werden historisches Handwerk, fahrende Händler sowie allerlei Spektakel und Gaukelei präsentiert. Auch eine Feldschmiede öffnet. Zu den Programmhöhepunkten gehören ein Auftritt des Polizeiorchesters des Landes Brandenburg sowie ein Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Ruhlander Mark. Am Gutshof bezieht der Kulturverein Manitu aus Forst Position.

Fest steht auch, dass sämtliche Veranstaltungen eintrittsfrei zu erleben sein werden. Das dazu nötige Geld hat das im Sommer 2014 extra für die Festvorbereitung in Görlitz gebraute "Germania Bräu" in die Kassen gespült. Einmalig machen das süffige Ruhlander Festbier vier verschiedene Sonderetiketten mit passenden Bierdeckeln. Gestartet wurde mit Markt, Postsäule und der Kirche. Es folgten die Arnsdorfer Mühle, das Rathaus und das sanierte älteste Haus an der Dresdner Straße. Sonderetikettierungen sind eine Seltenheit. Letztmals gab es sie zum Jubiläum "1000 Jahre Bautzen". "Für die Rarität haben sich viele Liebhaber interessiert", freut sich der Bürgermeister über einen sehr guten Verkauf.

Das Bier hat seine Schuldigkeit getan: Es lockt viele Besucher nach Ruhland und mit dem einen oder anderen Taler hat es die Festvorbereitungen kräftig angekurbelt.