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Partnerstädte wollen mehr Begegnungen

Tauschen Gastgeschenke aus: Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich und Zoltan Strenner, Stadtrat in Veszprém.
Tauschen Gastgeschenke aus: Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich und Zoltan Strenner, Stadtrat in Veszprém. FOTO: Groebe
Senftenberg. Während Krisen den Kontinent durchrütteln, wird in Senftenberg das Jubiläum "20 Jahre Europäisches Städtebündnis" begangen. Senftenberg, Püttlingen, Nowa Sol, Veszprém, Zamberk, Saint-Michel-sur-Orge und Fresagrandinaria beschwören in diesen Tagen einmütig den Europagedanken. Manfred Feller

Zwischen den Einwohnern, besonders den jungen, hat es innerhalb der Städtepartnerschaften schon unzählige Begegnungen gegeben. "Es sind auch viele private Freundschaften entstanden", weiß Marianne Lück, langjährige Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses Püttlingen (21 000 Einwohner, Saarland) und Trägerin des Europäischen Bürgerpreises 2014. "Das ist bewusstes, gelebtes Europa, nichts Aufgesetztes", ergänzt Helmut Leidinger, 2. Vorsitzender des Püttlinger Ausschusses. "Für unsere Jugend und Europa sind Städtepartnerschaften unbezahlbar."

Ein Lob erhält Senftenberg für seine Entwicklung. Leidinger war 1993 mir dem damaligen Püttlinger Bürgermeister Rudolf Müller hier. "Ein Wunder ist geschehen", sagte dieser angesichts der ersten positiven Veränderungen. Und heute? "Die Infrastruktur hier ist besser als bei uns", sagt Helmut Leidinger anerkennend.

Auch Alain Laforet kennt Senftenberg von mehreren Besuchen. Der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins von Saint-Michel-sur-Orge (20 000 Einwohner, südwestlich von Paris) will die Jugendbegegnungen zwischen den Bündnisstädten weiter fördern. Doch er sieht ein Defizit. Was ist mit den Erwachsenen? Er erinnert sich an das Malerplein- air. "Die Treffen der Erwachsenengruppen müssen wiederbelebt werden", sagt er. Entsprechende Vorschläge will er in Senftenberg unterbreiten.

Bernard Zunino, Bürgermeister von Saint-Michel-sur-Orge, geht noch einen Schritt weiter: "Ich möchte, dass weitere Länder zu unserem Bündnis dazustoßen. Wir bemühen uns derzeit um Portugal."

Wie bei anderen Städten verbindet Senftenberg mit Veszprém (64 000 Einwohner) in Ungarn eine 20-jährige Partnerschaft. Stadtrat Zoltan Strenner kennt aus Kindheitstagen Dresden und Görlitz. In Senftenberg ist er zum ersten Mal. "In dieser Zeit sind gute Beziehungen zwischen den Ländern sehr wichtig", betont er mit Blick auf die Flüchtlinge. Auch die Ungarn möchten mehr Kontakte zwischen den Einwohnern der Partnerstädte. Dies sollte auf den Gebieten Kultur und Sport gelingen.

Mit nur etwa 1200 Einwohnern ist Fresagrandinaria (Italien, Abruzzen) die kleinste Gemeinde im Städtebündnis, aber eine gewichtige. Um den Austausch vor allem von Jugendlichen zu ermöglichen, bündeln die Nachbarkommunen ihre Kräfte und sind die Ehrenamtlichen stets mit viel Herzblut dabei, versichert Giovanni Di Stefano. Er ist seit 25 Jahren ehrenamtlicher Bürgermeister. "Ich lade alle ein, zu uns zu kommen", heißt er auch die Einwohner der Partnerstädte herzlich willkommen.

Zunächst hat es den Kontakt in das 1300 Kilometer entfernte Püttlingen gegeben. Italienische Gastarbeiter hatte es einst auch in das Saarland gezogen. Viele sind geblieben. Daraus sei eine Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen und teilweise sogar religiöser Verbundenheit entstanden, die beide Seiten nicht mehr missen möchten. "Mein Herz schlägt für Europa", entgegnet Di Stefano allen Skeptikern. "Die Menschen sind Europa und nicht nur die Regierungen", werfen die französischen Gäste ein.

Senftenberg in Niederösterreich ist zwar Partnergemeinde, gehört aber nicht dem Städtebündnis an. Die Vertreter von Nowa Sol und Zamberk waren zum Zeitpunkt der Auftaktrunde noch nicht angereist.