ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:35 Uhr

Naturschutz
Neues Vogelparadies soll Furore machen

So sieht die Vogelinsel aus der Vogelperspektive aus. Auf dem Brutfloß befindet sich Kies.
So sieht die Vogelinsel aus der Vogelperspektive aus. Auf dem Brutfloß befindet sich Kies. FOTO: UNB OSL
Schwarzheide. Die bislang provisorische Insel im Schwarzheider Ferdinandsteich soll künftig dauerhaft als Brutort für Lausitzer Möwen dienen.

Mindestens einmal die Woche zieht es Timo Schneider an den Schwarzheider Ferdinandsteich. Der begeisterte Ornithologe will schließlich wissen, was auf der winzigen Insel vor sich geht. An diesem trüben Maitag zählt Schneider jeweils sieben Brutpaare von Flussseeschwalben und Lachmöwen. Zehn Tage zuvor waren es lediglich vier Möwenpaare. „Das ist noch nicht alles“, prognostiziert der Vogelkundler. „Denn die Flussseeschwalben müssen aus ihren Winterquartieren in Südafrika rund 10 000 Kilometer zurücklegen. Da dürften noch mehr kommen.“ Im vergangenen Jahr hat Timo Schneider auf der Insel 24 Brutpaare dieser Art gezählt sowie 16 Lachmöwen-Brutpaare. „Es ist also sinnvoll, dass dieses Eiland langfristig erhalten bleibt“, wünscht sich der junge Mann.

Darum kämpft auch Ferry Richter von der OSL-Naturschutzbehörde. „Die künstliche Insel, die lediglich geschätzte fünf oder sechs Quadratmeter groß ist, befindet sich bereits seit Anfang 2016 im Ferdinandsteich. Sie wurde von Beginn an hervorragend angenommen.“ Mittels der Fränkischen Rohrwerke, die im nahen Gewerbegebiet Schwarzheide-Süd ein Werk betreiben, wurde damals ein Prototyp entwickelt. Allerdings bestehe jetzt erneuter Handlungsbedarf. „Das saure Wasser macht der Metallkonstruktion zu schaffen. Diese müsste gegen Kunststoff ausgetauscht werden“, erklärt Ferry Richter. Ursprünglich war geplant, dass die Insel zu Testzwecken lediglich ein bis zwei Jahre im Ferdinandsteich verbleiben solle. Inzwischen geht das Eiland in die dritte Brutsaison.

Maximal bis ins Jahr 2019 könne die jetzige Konstruktion noch ihren Zweck erfüllen, sagt Richter. „Daher müssen wir jetzt Geld in die Hand nehmen. Denn neben Schwarzheide gibt es in der Region einen riesigen Bedarf“, erklärt der Fachmann. Er könne sich allein für Südbrandenburg um die 50 dieser Nist- und Bruthilfen vorstellen. Nach Angaben von Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt (LfU) existieren aktuell in der Niederlausitz neun künstliche Brut-
inseln mit Größen zwischen vier bis 40 Quadratmetern. Normalerweise, so Frey weiter, brüten Flussseeschwalben auf Sandbänken unregulierter Flüsse. Diese gibt es in der Region kaum noch. So weichen die Vögel auf künstliche Inseln aus.

Inzwischen gibt es laut Ferry Richter Nachfragen zur Schwarzheider Vogelinsel aus dem Spree-Neiße-Kreis sowie aus den Bergbaugebieten Sachsen-Anhalts. Richter schwebt mit der Entwicklung weiterer Brut-
inseln ein Gemeinschaftsprojekt aus den in der Lausitz verankerten Naturschutz-Stiftungen vor, die dieses Vorhaben fachlich begleiten sowie finanziell unterstützen könnten.

Ursprünglich tummelten sich Möwen und Flussseeschwalben auf den Kippeninseln im Sedlitzer See. Dort hatten einst Hunderte Vögel gebrütet. Da das Gewässer eine weitere Flutung erfährt, gehen diese Eilande in Gänze unter Wasser, teilt Dr. Uwe Steinhuber von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) mit. „Man hätte, als das Wasser noch weit niedriger stand als heute, dort bereits eine Ersatzinsel schütten können“, sagt Ferry Richter. Doch aus vielerlei Gründen sei dieses Vorhaben nie umgesetzt worden. Jetzt sei es für eine geschüttete Insel im Seenland aufgrund der immer weiter steigenden Flutungsstände zu spät. Konkret im Sedlitzer See steigt laut Uwe Steinhuber der Wasserstand in den kommenden Jahren um rund sieben Meter an.

Gemeinsam mit der Berg- sowie der OSL-Naturschutzbehörde sei die Idee eines Floß-Ersatzes als möglichem Landepunkt für Wasservögel im Raum Schwarzheide geboren worden. „Diesem Wunsch wurde seitens der LMBV Rechnung getragen“, ergänzt Steinhuber. So gebe es für den Ferdinandsteich, dem gefluteten Restloch der Grube Ferdinand-Ostfeld, einen entsprechenden Nutzungsvertrag.

Die Insellage ist laut den Naturschützern zwingend, damit die Vögel von diversen Raubtieren nicht erreicht werden können. Als Mindestabstand zum Ufer werden 150 bis 200 Meter angenommen. Allerdings habe es im vergangenen Jahr einen bislang nicht aufgeklärten Zwischenfall gegeben. „Von einem Tag zum anderen waren alle Brutvögel verschwunden“, erinnert sich Ferry Richter. Möglicherweise seien die auf dem Eiland ausgebrachten Steine zu groß gewesen, lautet seine Theorie. Dadurch hätten die Vögel fälschlicherweise die Steine als Eier betrachtet und bebrütet. Das bewiesen Reste der später gefundenen Schalen. Laut Timo Schneider könnten ebenso Angriffe von Greifvögeln der Auslöser gewesen sein. „Vielleicht auch Menschen“, will der Ornithologe diese Variante ebenfalls nicht ausschließen. „Hoffen wir, dass in diesem Jahr alles gut geht.“

Die Vogelinsel im Schwarzheider Ferdinandsteich soll dauerhaft erhalten bleiben, fordern die Naturschützer.
Die Vogelinsel im Schwarzheider Ferdinandsteich soll dauerhaft erhalten bleiben, fordern die Naturschützer. FOTO: Richter-Zippack
(trt)